Wir tragen Eheringe, sind aber nicht verheiratet?!?

Die Bischofssynode in Rom steht unter dem Thema „Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“ . Wir haben junge Menschen gefragt, wie ihr persönlicher Blick auf Familie ist, wie sie Familie leben und was ihnen wichtig ist. Bei uns im Blog erscheinen dazu drei persönliche Protokolle.

Ulrike war viele Jahre in der Jugendverbandsarbeit tätig. Heute ist sie Mitglied im Vorstand ihrer Kolpingfamilie vor Ort. Vor einem viertel Jahr haben sie und ihre Freundin ihre Partnerschaft eintragen lassen.

„Kennengelernt haben wir uns vor gut drei Jahren. Wir waren beide in einer großen Behörde tätig. Ich im Fachbereich, Aline als Fachinformatikerin in der AnwenderInnenbetreuung. Als ich ein Problem mit meinem Mailprogramm hatte, hatte ich sie am Telefon.

familieSeit wir zusammen sind, ist viel passiert, was uns vergewissert hat, dass wir füreinander Verantwortung übernehmen möchten. Da Aline chronisch krank ist, habe ich einen möglichen Krankenhausaufenthalt immer vor Augen. Meine Sorge war, dass ich gerade in so einer Gelegenheit nicht für sie da sein kann, weil uns rechtliche Hürden entgegen stehen. Das war für mich einer der wichtigsten Gründe zum Heiraten – außer natürlich, dass ich sie liebe und wir zusammen sein möchten.

Seit gut drei Monaten sind wir jetzt verheiratet – oder ja eben nicht. Rein rechtlich haben wir unsere Partnerschaft eintragen lassen. Als wir uns am Standesamt angemeldet haben, hat sich die Standesbeamtin entschuldigt, dass es das Infoblatt nur für Eheleute gibt. Sie hoffte, dass uns das nicht störe. Nein, es hat uns nicht gestört, dass es das Infoblatt nicht für LebenspartnerInnen gibt, es hat uns gestört, dass ein solcher Unterschied überhaupt notwendig ist. Tatsächlich macht es gefühlt weder für uns noch für unsere Freunde und Familien einen Unterschied. Da sind wir einfach seit Juli verheiratet.

Der Glaube hat von Beginn an eine wichtige Rolle gespielt in unserer Beziehung. Aline kommt aus Thüringen, wurde dort weder getauft, noch hat sie eine religiöse Erziehung erlebt. Bereits vorher suchend kam sie durch mich in Kontakt mit der katholischen Kirche. Vor einem Jahr hat sie mich damit konfrontiert, dass sie dieser Kirche ganz angehören und sich auf die Taufe vorbereiten möchte. Im ersten Moment war ich davon überhaupt nicht begeistert, da ich die Einstellung der Kirche zu Homosexualität kenne, deswegen schon viel Kummer hatte und ihr das ersparen wollte. Tatsächlich gehört aber der gemeinsame Glaube zu unserem Leben dazu, der Gottesdienst ist fester Bestandteil unseres Sonntages. Die Vorbereitung auf die Taufe war daher eine spannende Zeit für uns beide und die Taufe in der Osternacht war ein ganz besonderer Höhepunkt für uns. Außerdem haben meine Frau und ich nun die gleiche Patentante – welches Paar kann das schon von sich sagen?

Da der Glaube und die Zugehörigkeit zur Kirche also für uns beide eine wichtige Rolle spielt, war es uns wichtig, auch unseren gemeinsamen Lebensweg nach dem Besuch beim Standesamt mit einem Gottesdienst zu beginnen. Wir sind sehr sehr froh, dass wir dafür einen Priester gefunden haben, der uns auf diesem Weg begleitet hat. Da es für einen solchen – wir haben uns bewusst für diese Bezeichnung entschieden – Dankgottesdienst keine Form gibt, haben wir viele Texte selbst geschrieben. Die Rückmeldungen, die wir bekommen haben, waren durchweg positiv. Unter anderem hat mir ein Cousin gesagt „Hätte ich mehr Gottesdienste so erlebt, hätte ich vielleicht noch einen Bezug zur Kirche. Der Gottesdienst heute war ehrlich, das hat man gemerkt.“