Ihr seid Zeugen dafür! Predigt von Bundespräses Simon Rapp zur Abschlussmesse der BDKJ-Hauptversammlung

Abschlussmesse BDKJ-HV 2015

Am letzten Abend feiern die Delegierten und Gäste der BDKJ-Hauptversammlung gemeinsam Gottesdienst. (Foto: Christian Schnaubelt)

Liebe Schwestern und Brüder!

Was für ein Schluss: „Ihr seid Zeugen dafür!“

Die Jüngerinnen und Jünger, die sich da in Jerusalem getroffen haben erzählen von ihren je eigenen Begegnungen mit dem Auferstandenen. Langsam aber sicher greift die Botschaft um sich, dass die Sendung Jesus in die Welt, die am Kreuz gescheitert scheint, eine wunderbare Fortsetzung erfährt: Er lebt! Sein Weg ist von Gott bestätigt worden, indem dieser ihn mit neuem Leben ausgestattet hat. Und als sie davon erzählen, tritt er in ihre Mitte und wünscht ihnen Frieden, erläutert noch einmal den Heilsplan Gottes mit den Menschen und schließt mit dem Ruf „Ihr seid Zeugen dafür!“

Diese Aufforderung Jesu gilt bis heute und ist nicht auf die Generation beschränkt, die ihn noch live erlebt hat. Es ist eine Aufforderung für jede und jeden von uns. Es ist eine Aufforderung gerade für uns, die wir uns in den katholischen Jugendverbänden in unserem Land und weltweit für Kinder und Jugendliche einsetzen, ihnen Zugang zu einem selbstbestimmten Leben ermöglichen und ihnen Mitwirkungsmöglichkeiten aufzeigen wollen, damit wir gemeinsam Reich Gottes bauen, indem wir Kirche, Welt und Gesellschaft gestalten.

Wie finden Kirche und Welt für junge Menschen zueinander?

In den nunmehr fünfzehn Jahren, die ich seit meiner Priesterweihe in der katholischen Jugendverbandsarbeit mitwirken darf, habe ich unzählige Arbeitskreise erlebt, die sich des „K“ oder wahlweise auch des „C“ in unseren Verbandsnamen, bzw. in unserem Selbstverständnis angenommen haben. Immer wieder kreist die Frage darum, was wir für unser katholisch-christliches Profil tun können, wie Spiritualität in unseren Verbänden aussehen soll, wie Kirche und Welt so zusammenfinden, dass sie in der Lebenswelt von jungen Menschen wirklich eine bereichernde Rolle spielen können.

Es sind Fragen, die sich auch ein wenig aus dem eigenen Erleben speisen, dass wir uns oft selbst schwer tun, unseren innersten Kern auszudrücken, so dass es nicht nur ein Wohlfühlerlebnis ist, sondern uns selbst und diejenigen, denen unser Engagement gilt, betrifft. Uns fehlen oft die Worte und die Gesten, wie wir das, was uns im Innersten selbst bewegt, so zur Sprache bringen, dass es authentisch und echt ist, nicht komisch wirkt oder solange hinterfragt wird, bis wir keine Antwort mehr darauf finden.

Der auferstandene Jesus Christus nimmt den Seinen zuerst die Angst vor dieser neuen Wirklichkeit. Dann deutet er das, was nun ist, anhand der langen Beziehungsgeschichte Gottes mit den Menschen. Er ermutigt sie, dass sie fähig sind, dafür vor Anderen Zeugnis abzugeben.

Die Botschaft der Jünger besitzt eine ungeheure Sprengkraft

Es ist ja nicht so, dass Petrus und die anderen vom Ostermorgen und der ersten Begegnung mit dem Auferstandenen an, wie mutige Glaubensboten durch das Land ziehen und alle mit dieser Botschaft begeistern. Indem sie das, was sie mit Jesus erlebt haben und wovon sie nun, seit seiner Auferstehung zutiefst überzeugt sind, erzählen, ecken sie auch an. Zuerst mit den Mächtigen in Land und Religion, die durch den Tod Jesu erwartet hatten, dass dieser Spuk nun ein Ende hat. Dann aber auch mit Zweiflern und Intellektuellen, mit den einfachen Leuten von der Straße und mit alten Weggefährtinnen und -gefährten.

Messe auf Rothenfels

Die Messe wurde zelebriert von Jugendbischof Karl-Heinz Wiesemann, Bischof von Speyer. BDKJ-Bundespräses Simon Rapp predigte. (Foto: Christian Schnaubelt)

Diese Botschaft, die sie zu verkünden haben, besitzt eine ungeheure Sprengkraft für alle, die sich zu sicher sind in ihrem Leben, die sich eingerichtet haben in dem, was beweisbar, planbar, absehbar ist. Der Gott, von dem die Apostel erzählen, ist immer für Überraschungen gut, weil er sich nicht einsperren lässt, weil er nicht planbar und benutzbar ist, weil er ein Ziel hat: eine lebendige Beziehung mit den Menschen zu begründen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. Und dieses Leben in Fülle ist genauso nicht planbar, sondern einfach nur überwältigend und sicherlich ganz anders, als wir es uns je vorstellen können.

Es ist der unbedingte Wille Gottes zum Leben, der hier durchbricht und in der Auferstehung Jesu ein sichtbares und greifbares Zeichen gesetzt hat. Dafür sind sie die Zeugen!

Vielfalt ist ein hohes Gut

In unseren Kinder- und Jugendverbänden und damit auch im BDKJ treffen sich ganz unterschiedliche Menschen. Gerade diese Vielfalt, so wollen wir morgen noch beschließen, ist ein hohes Gut. Wir müssen dabei immer wieder überprüfen, welche Barrieren wir selbst, in unseren Strukturen, aber auch in unseren Köpfen einer ehrlich gelebten Vielfalt entgegensetzen. Diese Vielfalt an Menschen schenkt uns eine Vielfalt an Lebens- und Glaubensgeschichten, von denen jede und jeder Einzelne profitieren kann. Eigentlich müssten wir viel mehr über unsere Lebens- und Glaubensgeschichten ins Gespräch kommen. Die Jüngerinnen und Jünger Jesu sind gerade dabei, von ihren ganz unterschiedlichen Begegnungen mit dem auferstandenen Jesus zu erzählen, als er selbst in ihre Mitte tritt und eine neue Begegnung ermöglicht.

Wir erleben viel Lebendigkeit und Leben in unseren Verbänden, wir ermöglichen und erzählen von Entwicklungen einzelner oder ganzer Gruppen. Für uns steht immer im Mittelpunkt, wie viel echtes, unverfälschtes, neu ermöglichtes Leben wächst. Ich bin davon überzeugt: es ist das Leben, das in der österlichen Botschaft von der Auferstehung Jesu begründet ist. Gott will dem Leben zum Durchbruch verhelfen indem er sogar den Tod überwindet. Erzählen wir uns doch viel öfter davon, wo wir es selbst geschafft haben, oder miterleben durften, wo Barrieren und Blockaden beseitigt werden konnten, damit Kinder und Jugendliche zu ihrem eigenen, auf ihren Fähigkeiten beruhenden, selbstbestimmten Leben gekommen sind. Das sind Ostererzählungen, die uns gut tun, weil wir davon lernen können. Es sind Erzählungen, die die Menschen heute brauchen, wo so viel über Leid und Tod berichtet wird.

Es lebe Christus in deutscher Jugend!

„Ihr seid Zeugen dafür!“ – Diese Aufforderung des Auferstandenen Jesus Christus ganz persönlich anzunehmen, dazu will ich Euch heute Abend ermutigen! Wir haben viel zu erzählen von unserer je eigenen Glaubensgeschichte, von unseren je eigenen Beziehungsgeschichten mit Jesus. Wir brauchen den gegenseitigen Austausch, damit wir mehr als nur vom Leben in unseren Verbänden berichten. Wir brauchen es, damit wir, wie die Jünger in ihrer Begegnung mit Jesus, an den unterschiedlichen Erfahrungen selber wachsen, reifen und ihn immer besser kennenlernen.

Es stimmt nach wie vor, was einst Ludwig Wolker immer wieder verkündet hat: „Es lebe Christus in deutscher Jugend!“ – Es ist ein Ausdruck tiefster Überzeugung, dass dieser lebendige Christus, dieser alle todverursachende Barrieren beseitigende Gott mitten in der jungen Generation unseres Landes, in all ihrer Vielfalt kultureller, religiöser, geschlechtlicher und anderer Prägungen, lebt und Leben bringt. In dieser Überzeugung haben wir unseren Anteil an der Sendung der Kirche – und „Ihr seid Zeugen dafür!“

Amen!

Wahlen auf der HV: Kandidat_innen und Ergebnisse

Abstimmung auf der BDKJ-HV

Abstimmungen sind grundsätzlich geheim – aber auf Antrag geht’s bei einigen Ämtern auch so.
(Foto: Christian Schnaubelt)

Es gab einiges zu wählen: Nach zwei Amtszeiten steht Simon Rapp nicht mehr als Bundespräses zur Kandidatur, sein Nachfolger ist Pfarrer Dirk Bingener (bisher DV Köln). Lisi Maier kandidierte erfolgreich für eine zweite Amtszeit als Bundesvorsitzende, und nach 20 Jahren Vakanz haben wir mit Katharina Norpoth (Kolpingjugend) erstmals wieder eine ehrenamtliche Bundesvorsitzende.

Die Ergebnisse zu allen Wahlen der verschiedenen Gremien ist unten. (Ohne Gewähr, vorbehaltlich Tippfehlern.)

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