In loser Reihe werden hier im Blog große (geistliche) Frauen vorgestellt. Dieses Mal schreibt die BDKJ-Bundesvorsitzende Katharina Norpoth einen Brief an Hannah Arendt und sagt darin, was sie an ihr so beeindruckend findet. Die Blog-Reihe ist initiiert vom BDKJ-Bundesfrauenpräsidium und endet mit diesem Beitrag. Eine Übersicht der erschienen Texte gibt es hier.

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Hannah Arendt lebte von 1906 bis 1975. Ihre Kindheit verbrachte Hannah in Hannover, Königsberg und Berlin. Ihr Studium führte sie an die Universitäten Marburg, Freiburg und Heidelberg. Sie arbeitete als Wissenschaftlerin und Publizistin. Weiterlesen

Die Mutter der Armen – Elisabeth von Thüringen

In loser Reihe werden hier im Blog große geistliche Frauen vorgestellt. Dieses Mal schildet Elena Stötzel, Diözesanvorsitzende des BDKJ Köln, was sie an Elisabeth von Thüringen beeindruckt. Die Blog-Reihe ist initiiert vom BDKJ-Bundesfrauenpräsidium.

Elisabeth von Thüringen stammte aus einer reichen adeligen und politisch einflussreichen ungarischen Familie. Schon als Vierjährige wurde sie mit Ludwig, dem Thronfolger des Landgrafen von Thüringen verlobt und wuchs von dort an – wie es die Tradition verlangte – in seiner Familie auf, um dort erzogen zu werden. Elisabeth war bekannt für ihr temperamentvolles, lebhaftes, willensstarkes Auftreten und ihren Einfallsreichtum. Diese für die Familie unliebsamen Charaktereigenschaften konnte auch die Erziehung am Hofe mit Inhalten wie „maßvolles, beherrschtes Auftreten“ und „innere Ausgewogenheit“ nicht mildern.

Im Alter von 14 Jahren heiratete sie Ludwig von Thüringen und sie wurden Eltern dreier Kinder. Immer mehr verärgerte Elisabeth die Lebensweisen des Adels auf der Burg, die von Luxus und Verschwendung sowie Reichtum und Stolz geprägt waren. Beim einfachen Volk dagegen herrschten Armut, Hunger und Elend. Ihr ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und ihr starker Glaube an Gott führten dazu, dass sie diese gegensätzlichen Möglichkeiten nicht mehr aushielt. Sie engagierte sich für Hilfsbedürftige, indem sie die Armen und Kranken versorgte, von der Gesellschaft Verstoßene pflegte und Waisenkinder aufnahm. Sie verschenkte heimlich Lebenselisabethmittel der Burg an das einfache Volk. Die Legende vom Rosenwunder besagt, dass sie das Brot im Korb mit einem Tuch überdeckte, um es unentdeckt aus der Burg ins Dorf zu schaffen. Als ihr Gatte Ludwig nach dem Inhalt des Korbes fragte, antwortete sie: „Rosen, mein Herr“. Ludwig vergewisserte sich, sah in den Korb und fand statt der Brote unter dem Tuch tatsächlich duftende Rosen.

Neben den Lebensmitteln gab sie auch ihren Schmuck und ihre Kleidung an Bedürftige und trug selbst nur einfache Kleider. Ihre Wohltätigkeit wurde vom Adel als Verschwendung von Gütern und Lebensmitteln angesehen. An ihr wurde viel Kritik geübt, da sie sich für ihre Tätigkeiten der Außenvertretung nicht angemessen kleidete. Vor allem als die Versorgung der Burg nicht mehr gewährleistet zu sein schien, wurde die Meinung stark, Elisabeth wäre als deutsche Fürstin nicht geeignet.

Ludwig unterstützte, trotz der scharfen Kritik, die Wohltätigkeit seiner Gattin. Als Elisabeth 20 Jahre alt war, verstarb Ludwig während eines Kreuzzuges an einer Seuche. Sein jüngerer Bruder übernahm die Herrschaft. Von diesem Zeitpunkt an wurde ganz offen der Hass gegen Elisabeth gezeigt und ihr die Witwengüter teilweise entzogen.

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Sie zog nach Marburg und lebte dort das Leben, das sie sich wünschte in Armut, Keuschheit und Gehorsam. Aus ihrem Witwengut ließ sie ein Hospital errichten und arbeitete dort unerbittlich für die Armen und Kranken. Im Alter von 24 Jahren erkrankte und verstarb Elisabeth. Nur vier Jahre nach ihrem Tod wurde sie durch Papst Gregor IX. heiliggesprochen. Als Mutter der Armen ist Elisabeth von Thüringen für ihre Mildtätigkeit und Hilfsbereitschaft bekannt.

Dieser enorme Einsatz und das zu einer Zeit, zu der das Engagieren für die Hilfsbedürftigen und Kranken vom Adel aus äußerst unüblich war, beeindruckt mich. Elisabeth von Thüringen musste mit viel Widerstand in ihrem Umfeld umgehen und hat sich dennoch nicht von ihren Zielen und Wertevorstellungen abbringen lassen.

Hildegard von Bingen: Mystikerin und Kämpferin

In loser Reihe werden hier im Blog große geistliche Frauen vorgestellt. Dieses Mal schildet Nathalie Pieper, Referentin für Theologie an der KLJB-Bundesstelle,  was sie an Hildegard von Bingen beeindruckt. Die Blog-Reihe ist initiiert vom BDKJ-Bundesfrauenpräsidium.

Die heilige Hildegard von Bingen (um 1098 bis 1179) ist als die große christliche Mystikerin, Schriftstellerin und Prophetin des Mittelalters in die Kirchengeschichte eingegangen. 2012 wurde sie durch Papst Benedikt offiziell zur „doctor ecclesiae“, zur Kirchenlehrerin ernannt. Aber was genau hat sie eigentlich ausgezeichnet? Warum erinnern wir uns nach mehr als 1000 Jahren an diese besondere Frau? Eine Spurensuche.

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Hildegard von Bingen wird wahrscheinlich im Jahr 1098 in der Pfalz geboren. Schon früh wird sie von ihren Eltern ins Kloster gegeben, in die Benediktinerabtei Disibodenberg. Im Alter von 16 Jahren tritt sie in die Ordensgemeinschaft ein.

Die junge Hildegard ist eine willensstarke Frau mit großem Gottvertrauen. Sie selbst sieht sich allerdings als schwachen Menschen, da sie oft krank ist. Als ihr 1136 die Leitung der Benediktinerinnengemeinschaft angetragen wird, fühlt sie sich dieser Aufgabe zunächst nicht würdig. Sie wird aber von ihren Mitschwestern gewählt und nimmt das Amt daraufhin an.

Hildegard geht neue Wege. Sie leitet Reformen ein und gründet zwischen 1147 und 1150 ein eigenständiges Frauenkloster auf dem Rupertsberg, 15 Jahre später noch ein weiteres in der Nähe von Rüdesheim – all dies gegen den Widerstand des Abtes und zunächst auch des Erzbischofs von Mainz.

Neben ihrer Durchsetzungsstärke, die sie auch gegenüber den Mächtigen der Welt beweist, ist Hildegard vor allem für zweierlei bekannt: Für ihr Wissen über die Heilkraft der Natur und für ihre Visionen. Letztere beschreibt sie als intensive Begegnungen mit Gott, in denen sie ein „helles Licht“ sieht. Gott erteilt ihr in diesen Visionen den Auftrag, die Menschen zu ihm zu führen. Diese Begegnungen helfen Hildegard auch dabei, ihren Auftrag als Leiterin des Klosters zu erfüllen.

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Verbunden mit ihren Kenntnissen über Heilpflanzen, vor allem über Kräuter, aber auch über die Heilkraft von Musik und Edelsteinen, ist ihre ganzheitliche Sicht auf den Menschen und auf sein „Heilsein“. Hildegard ist sich sicher, dass der Mensch erst gesund werden kann, wenn er mit der Natur und mit Gott im Einklang ist. Neben dem Verfassen von Büchern, z. B. scivias („Wisse die Wege“), unterweist Hildegard ihre Mitschwestern in der Kräuterkunde.

Was mich fasziniert sind vor allem der Kampfgeist, die innere Stärke und der unerschütterliche Glaube Hildegards. Auch ihr großer Mut, immer wieder auf Gottes Stimme zu hören und seinem Auftrag zu folgen, erscheint mir bewundernswert. Denn sie ist dieser Stimme allen Widrigkeiten zum Trotz gefolgt. Lange Zeit traute Hildegard sich nicht, anderen von ihren Visionen zu berichten. Sie wusste, dass sie Gefahr lief, als teufelsbesessen verschrien zu werden, was im Mittelalter keine Seltenheit war. Als sie vom Papst die Erlaubnis bekam, ihre Visionen schriftlich zu schildern, war das für sie eine Befreiung.

Was wir heute noch von ihr lernen können:

  • … dass Gemeinschaft ein hohes Gut ist, für das es sich lohnt zu kämpfen
  • … dass der Glaube den Menschen heil machen kann
  • … dass es sich lohnt, mutig zu sein und zu dem zu stehen, was man fühlt und glaubt
  • … und nicht zuletzt: dass man als Frau in der Kirche viel bewegen kann!

#HeldinderKirchengeschichte

Wir haben heute bei der Spätschau einen interessanten Blogbeitrag gefunden, der dazu einlädt, Heldinnen der Kirchengeschichte zu sammeln.

Eine Blogparade zu #HeldinDerKirchengeschichte – finden wir gut! Bei uns im Blog erscheinen schon seit knapp einem Jahr Texte über große geistliche Frauen. In den Texten beschreiben die Autorinnen dabei ihre persönlichen Eindrücke, was sie eben an der Frau besonders inspiriert und beeindruckt, was wir heute noch von ihr als Vorbild lernen können.

Folgt doch dem Vorschlag von Andrea Rehn-Laryea (@KircheHeide) und bloggt selbst über eine #HeldinDerKirchengeschichte.

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Ein leuchtendes Beispiel: Die Hl. Helena

In loser Reihe werden hier im Blog große geistliche Frauen vorgestellt. Dieses Mal schildern  Margret Kastor, Diözesanbildungsreferentin des Bund der St. Sebastianus Schützenjugend (BdSJ) im Bistum Trier und Simone Seidenberg, BdSJ-Bundesreferentin ,  was sie bei der Hl. Helena beeindruckt. Die Blog-Reihe ist initiiert vom BDKJ-Frauenpräsidium.

Der Name Helena kommt aus dem Griechischen und bedeutet die Leuchtende, die Strahlende. Ihr Namenstag ist bei uns der 18. August.

Wann und wo Helena geboren wurde ist unterschiedlich überliefert. Irgendwann um 255 wurde sie vermutlich als Tochter eines Gastwirts in Bithynien (nordwestliches Kleinasien) geboren. Mit Kaiser Konstantinus Chlorus hatte sie einen Sohn, jedoch verließ er sie aus politischen Gründen. Ihr Sohn Konstantin wurde nach dem Tod seines Vaters Kaiser, Konstantin der Große, und erhob seine Mutter Helena zur Augusta (Kaiserin).

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Helena ließ sich vermutlich um 312 taufen, ihr Sohn Konstantin handelte mit seinem Bündnispartner Licinius das Toleranzedikt aus, mit dem die Verfolgung der Christen eingedämmt wurde. Vermutlich hatte Helena die Hinwendung ihres Sohnes Konstantin zum Christentum beeinflusst. Somit können wir ihr im Grunde genommen verdanken, dass sich das Christentum einigermaßen frei entfalten konnte. In einem Text über die Heilige Helena, der in der Süddeutschen stand, wird gemutmaßt, dass wir heute ohne die Heilige Helena einen Stier mit „dicken Eiern“ anbeten würden, da sich der Mithras-Kult anstelle der des Christentums als Weltreligion durchgesetzt hätte. Ob das so stimmt, sei dahingestellt, aber Fakt ist, dass die Helena schon ganz schön wichtig war.

Ihr leuchtendes Beispiel zeigt uns, dass man es auch aus einfachen Verhältnissen heraus schaffen kann, etwas zu erreichen. Für den Bereich der römisch-katholischen Kirche zeigt sie auf, wie wichtig starke Frauen sind, wir wünschen uns mehr von ihnen!

Ein Blick auf ihr Wirken

Helena unternahm im hohen Alter als eine der ersten Frauen eine Pilgereise ins Heilige Land. Um diese Pilgerreise ranken sich zahlreiche Legenden. So soll Helena etwa im Heiligen Land das Kreuz Christi gefunden haben.

In der Kirche Santa Croce in Gerusalemme in Rom, die Konstantin erbauen ließ, werden bis heute für echt gehaltene Gegenstände verehrt: Drei Bruchstücke des Kreuzes Christi.

Über dem Grab und der Kreuzauffindungsstelle ließ Helena eine Basilika errichten, die sogenannte Grabeskirche. Zahlreiche Kirchenbauten werden Helena zugeschrieben, darunter auch der Vorgängerbau des heutigen Trierer Doms.

Der Überlieferung nach brachte Helena auch den Heiligen Rock und die Gebeine des Apostels Matthias nach Trier. Der hl. Rock, die Tunika Christi, ist die kostbarste Reliquie des Trierer Doms. Im Jahre 2012 fand die letzte große Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier statt.

Heute ruhen die Reliquien der Heiligen Helena in der Kirche Santa Maria in Aracoeli in Rom. Im Trierer Dom wird das Haupt Helenas als Reliquie verehrt.

Die Heiligekey-533553_1280 Helena ist unter anderem die Patronin der Bistümer Trier, Bamberg und Basel, ferner der Färber, und, weil sie das Kreuz Christi gefunden haben soll, der Schatzgräber. Sie wird  gegen Blitz und Feuer angerufen, zur Auffindung verlorener Gegenstände und zur Aufdeckung von Diebstählen.

Helena hatte ein ganz schön bewegtes Leben und hat viel für ihren Glauben getan. Von ihr können wir einen unermüdlichen Einsatz, der bestimmt auch oft gegen Widerstände anzukämpfen hatte, und Mut und Ausdauer abschauen.

Sie ist in vielerlei Hinsicht eine starke Frau!

Ester – eine junge Frau, die gegen Ungerechtigkeit kämpfte

In loser Reihe werden hier im Blog große geistliche Frauen vorgestellt. Dieses Mal schildert Theresa Schier, FSJ-Helferin im Bistum Erfurt, was sie an der Heiligen Ester beeindruckt. Die Blog-Reihe ist initiiert vom BDKJ-Frauenpräsidium.

Ester ist eine biblische Persönlichkeit. Sie lebte im 5. Jahrhundert vor Christus und ihre Lebensgeschichte könnte somit als sehr antik und realitätsfern betrachtet werden. Aber wenn man genauer hinsieht, vermittelt Esters Lebensweg eine sehr aktuelle Botschaft.
Doch wer war Ester? Was macht sie so besonders?

Ester wuchs als eine jüdische Waise bei ihrem Onkel Mordechai in der persischen Diaspora auf. Sie war ein ganz normales Mädchen bis zu dem Tag, als der herrschende König Xerxes seine Frau Waschti wegen Ungehorsam verbannte. Auf diese Handlung hin suchte der König im ganzen persischen Reich Mädchen zusammen, um dann die schönste von ihnen auszuwählen und sie zu seiner neuen Königin zu machen. Der König erwählte schließlich Ester zu seiner neuen Königin – aufgrund ihrer Schönheit.

Auch heute wird oft nur auf perfektes Aussehen und äußerliche Schönheit geachtet. Der Charakter eines Menschen wird fälschlicherweise oft nach seinem Aussehen beurteilt. Die innere Schönheit eines Menschen wird immer weniger geschätzt. So erging es auch Ester. Sie wurde zur Königin ernannt, weil sie schön war. Doch das war ihr persönlich nicht wichtig. Sie wollte mehr.

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Was wie ein Märchen begann, entpuppte sich schnell als ein goldener Käfig, in dem Ester vor Heimtücke, Hass und Einsamkeit nicht sicher war. Es kam eine Zeit, da beschloss der oberste Minister des Königs, die Juden auszurotten, weil sie viele Gesetze der Perser missachteten und ihren Gott verehrten, anstatt vor dem König und seinem Minister niederzufallen. In dieser schweren Zeit fand Ester ihre Bestimmung und die Aufgabe ihres Lebens. Sie lernte, ihren eigenen Weg zu gehen, den noch niemand vor ihr gegangen war. Sie hatte bisher verschwiegen, dass sie Jüdin war. Doch nun war die Freiheit ihres Volkes in Gefahr und sie nahm allen Mut zusammen, um vor den König zu treten. Die Zukunft des jüdischen Volkes lag in ihrer Hand. In dieser Zeit durfte niemand ungebeten vor den König treten, und Ester drohte damit die Todesstrafe. Doch sie gab nicht auf. Als sie dem König ihr Anliegen vortrug und das willkürliche Handeln des Ministers aufdeckte, war dieser erzürnt über seinen Minister. Der König selbst hasste die Juden nicht, sondern war ihnen sogar sehr dankbar, denn ein Jude hatte einst eine Verschwörung gegen ihn aufgedeckt und ihm somit das Leben gerettet.

Ester war mutig: Sie war eine Frau, die in ihrer Zeit vor einer schweren Entscheidung stand. Doch sie erhob ihre Stimme gegen die Ungerechtigkeit und riskierte damit ihr Leben. Sie kann für uns heute ein Vorbild sein. Wir können es schaffen, gegen die Ungerechtigkeiten in unserer Welt anzukämpfen, auch wenn es nicht immer einfach und bequem ist.

Maria: Die Begleiterin, die Glaubende, die Prophetin

In loser Reihe werden hier im Blog große geistliche Frauen vorgestellt. Dieses Mal schildert Eva-Maria Düring, Geistliche Bundesleiterin der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) und Mitglied im Präsidium der Bundesfrauenkonferenz, warum sie ihre Namenspatronin Maria so begeistert.

Maria die Begleiterin

Fatima-Madonna

Eine Statue der Fátima-Madonna in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Geburt
(Quelle: „Pfärrich Pfarrkirche Marienstatue aus Fatima“ by Photo: Andreas Praefcke – Own work (own photograph). Licensed under CC BY 3.0 via Wikimedia Commons.)

Der Mai ist ein besonderer Monat. Schon als kleines Mädchen war das für mich so. Es wurde Frühling, die Maikäfer kamen, ich durfte wieder in den Sandkasten und irgendwie hatte ich den ganzen Monat über Namenstag. Ich fand Maria toll, hab begeistert den Rosenkranz gebetet und war natürlich bei Maiandachten. Als Jugendliche war ich nicht mehr so angetan von Maria, dieser demütigen, gehorsamen und braven jungen Frau. Maria stand damit für Eigenschaften, mit denen ich wenig zu tun haben wollte. Meine Namenspatronin wurde mir fremd, meine Gefährtin war verschwunden und meine Marienfrömmigkeit hatte sich verändert. Heute als erwachsene Frau ist mir Maria wieder ein wunderbares Vorbild, eine große Inspiration und eine nicht-enden-wollende Herausforderung.

Maria die Glaubende

Maria hat Jesus zur Welt gebracht, ist mit ihm geflüchtet, hat sich um ihn gesorgt und ihn bis an sein Ende begleitet. Maria ist die Mutter Gottes. Doch sie ist so viel mehr! Sie ist eine junge mutige Frau, die selbstbestimmt handelt. Sie hört, als ihr der Engel Gabriel erschien, gut zu, fragt nach und sagt dann schließlich JA zu Gottes Plan mit ihr. Sie ist empfänglich für das Heil, das ihr und der Welt verkündet wurde, sie ist offen für den neuen Bund. In Maria verwirklicht sich ein Glaube, der eine Beziehung zeigt. Sie ist im Dialog mit Gott, sie lässt sich existentiell herausfordern und geht dann den Weg gemeinsam mit Gott. Maria vertraut im tiefen Glauben darauf, dass Gottes Plan aufgehen wird.

Maria die Prophetin

Von Maria ist uns das Magnificat (Lk 1,46.55) überliefert. Ein Text, der unzählige Male gesprochen, gesungen und zitiert wurde. Im Magnificat lobt und preist Maria Gott und zugleich ist es ein sozialkritisches, prophetisches Lied. Hier wird das Bild einer neuen Gesellschaft entworfen und ungrosse geistl Frauen_symbolbilds so eine Utopie geschenkt, die Hoffnung macht. Maria nimmt die Kleinen, die Erniedrigten, die Hungernden und die Leidenden in den Blick. Sie kritisiert die ungerechten Verhältnisse und formuliert eine andere Vision. Sie formuliert das Ziel des Reiches Gottes: die Umkehrung der sozialen, ökonomischen und politischen Verhältnisse; Hochmütige werden zerstreut, Erniedrigte erhöht und Hungernde beschenkt. Das Magnificat eröffnet eine neue Option für die Armen. Maria machte in aller Radikalität deutlich was die Welt braucht: Solidarität, Gerechtigkeit und Frieden. Die Worte dieser jungen Frau haben nichts an Gültigkeit und Brisanz verloren.

Maria ist mir ein Vorbild: Geh mutig in diese Welt! Sei offen für das was Gott mit dir vorhat! Erhebe deine Stimme!

Katharina von Siena: Im kompromisslosen Einsatz für Andere

In loser Reihe werden hier im Blog große geistliche Frauen vorgestellt. Dieses Mal schildert Martina Fornet Ponse, Bundeskuratin der Pfadfinderinnenschaft St. Georg (PSG) und Mitglied im Präsidium der Bundesfrauenkonferenz, welche Frau sie stark beeindruckt.

Heute gedenkt die Kirche einer großen Frau, einer Kirchenlehrerin – Katharina von Siena. Sie lebte als Dominikanerin im 14. Jahrhundert in Italien und hinterließ über 300 Briefe und zwei weitere Werke von großer theologischer Dichte. Bereits kurz nach ihrem Tod wird ihre Biographie geschrieben und 1461 wird sie heiliggesprochen. Über 500 Jahre später wird sie schließlich zur Kirchenlehrerin erhoben und Schutzpatronin für Europa.

Katharina vertraut auf Gott!

Schon früh hat Katharina göttliche Visionen, die sich im Laufe ihres Lebens über eine mystische Vermählung mit Christus hin zu den Wunden Jesu an ihrem eigenen Körper steigern. Sie hat diese Visionen nicht abgetan, sondern auf Gott und seinen Plan mit ihr vertraut. Dazu gehört, heute wie damals, viel Mut. Dieses Vertrauen in Gott gibt ihr die Kraft sich immer wieder gegen familiäre und gesellschaftliche Widerstände durch zu setzen und ihren Weg zu gehen.

Katharina hat kein Blatt vor den Mund genommen!

grosse geistl Frauen_symbolbildIn den bewegten Zeiten des späten Mittelalters erhebt Katharina von Siena immer wieder ihre Stimme und meldet sich öffentlich zu Wort nicht nur um die Zustände in der Kirche zu kritisieren. Dabei macht sie sich nicht nur Freunde, wie der Vorwurf der Ketzerei durch das Generalkapitel der Dominikaner 1374 zeigt. Sie wird von allen Vorwürfen freigesprochen und verfolgt ihre Anliegen unbeirrt weiter. Schließlich wird sie Beraterin zweier Päpste und erreicht zunächst die Rückkehr Papst Gregor XI von Avignon nach Rom. Unter Urban VI setzt sie sich für die Einheit der Christen ein. Ohne Angst und im Vertrauen auf Gott meldet sie sich als Frau in ihrer Zeit zu Wort.

Katharina stellt die Armen in den Mittelpunkt!

Wenn ich heute die Predigten von Papst Franziskus lese und wie er die Ausgeschlossenen in den Mittelpunkt stellt, fühle ich mich an die Reden und das Handeln Katharinas erinnert. Sie hat sich tatkräftig für Arme und Kranke eingesetzt oder Menschen im Gefängnis besucht. Außerdem setzte sie sich für eine Reform der Kirche ein, die die Seelsorge in den Mittelpunkt stellte und gegen Korruption vorging. Ihr eindeutiger und kompromissloser Einsatz für andere hat nichts an Aktualität verloren.

Ich freue mich auf viele weitere Frauen, nicht nur in der Kirche, die nach dem Vorbild Katharinas ihre Stimme erheben, Missstände offen aussprechen und sich für eine gerechte Welt einsetzen!

Kunigunde von Luxemburg – Die heilige Kaiserin

In loser Reihe werden hier im Blog große geistliche Frauen vorgestellt. Dieses Mal gibt Claudia Gebele, BDKJ-Diözesanvorsitzende im Erzbistum Bamberg und Mitglied im Präsidium der Bundesfrauenkonferenz, einen Einblick in das Leben der Patronin des Erzbistums Bamberg.

Kunigunde von Luxemburg (* um 980 – … 3. März 1033) – Die heilige Kaiserin

Heute ist der Gedenktag von Kaiserin Kunigunde, der Patronin des Erzbistums Bamberg sowie der Schwangeren und kranken Kinder. Wenn von ihr gesprochen wird, dann wird sie zumeist in einem Atemzug mit ihrem Mann Kaiser Heinrich II. genannt. Beide waren zu ihren Lebzeiten ein außergewöhnliches Herrscherpaar – gebildet und sehr fromm. Sie traten für eine Kirchenreform ein, überzeugten durch ihre konsequente kirchliche Haltung und ihren Stiftungseifer.

In nahezu allen Schriften wird die Gründung des Bistums Bamberg Kaiser Heinrich II. zugeschrieben – jedoch ohne seine Frau Kunigunde wäre diese Gründung nie zustande gekommen.

grosse geistl Frauen_symbolbildKunigunde wurde als achtes Kind des Grafenpaares Siegfried von Luxemburg und Hadwig geboren und tritt erst mit ihrer Eheschließung um das Jahr 997 mit Herzog Heinrich III. von Bayern in Erscheinung. Sie bekommt von Heinrich Bamberg und seine Zugehörungen als sogenannte Morgengabe zur Hochzeit geschenkt. Nur ihr Verzicht auf diese Gabe – ihre Witwenversorgung – machte es möglich, dass 1007 das Bistum errichtet werden konnte.

Nach dem überraschenden Tod von Otto III. kämpft Kunigundes Mann um die Königsnachfolge und erlangt diese im Juli 1002. Die Umstände machten sie zur ersten Königin im Mittelalter, die in einer eigenen Zeremonie und an einem anderen Ort als ihr Mann gekrönt wurde. Zwölf Jahre später werden Kunigunde und Heinrich in Rom von Papst Benedikt VIII. gemeinsam als Kaiserpaar gesalbt.

Kunigunde ist noch heute im Bamberger Stadtbild präsent (Foto: BDKJ Bamberg)

Kunigunde ist noch heute im Bamberger Stadtbild präsent (Foto: BDKJ Bamberg)

Während der gesamten Zeit Heinrichs hat Kunigunde aktiven Anteil am Regierungshandeln, begleitet ihren Mann auf Kriegszügen, regiert zeitweise selbständig und sichert die Landesgrenzen. Sie nutzt ihre Möglichkeiten, um ihre Auffassungen umzusetzen und gewinnt das Vertrauen und die Zuneigung der Bevölkerung. Kunigunde wird als weise, klug, mutig und gerecht beschrieben und in nahezu der Hälfte der Bamberger Urkunden als Vermittlerin genannt. Die Überlieferung berichtet z.B.: Beim Bau des Doms wurden die Arbeiter folgendermaßen entlohnt: „Kunigunde ließ jeden Abend eine große Schale mit Geldmünzen aufstellen, aus der sich jeder Mann offen vor aller Augen so viel daraus nehmen konnte, wie er meinte, an diesem Tag ehrlich verdient zu haben.“

Kunigunde litt Zeit ihres Lebens unter ihrer Kinderlosigkeit. Die Legende berichtet, dass sich das Ehepaar für ein keusches Leben entschieden habe und dies bis zu ihrem Tod bewahrt hat.

Bei einem Aufenthalt am Königshof in Kaufungen erkrankte sie schwer und legte das Gelübde ab, ein Frauenkloster an diesem Ort zu gründen, wenn sie wieder gesund würde. Kunigunde hielt ihr Versprechen und gründete 1017 das Kloster Kaufungen, in das sie nach dem Tode ihres Mannes als einfache Nonne eintrat. Sie verzichtete dabei auf das mächtige Amt der Äbtissin, um dem Herrn einfach zu dienen.

Sie starb 1033 im Kloster und wurde erst Jahrhunderte später, wie es ihr Wunsch gewesen war, an der Seite ihres Mannes im Bamberger Dom bestattet. Am 29. März 1200 sprach Papst Innozenz III. Kunigunde von Luxemburg aufgrund ihres Lebens und Wirkens heilig.

Ihre weite Bekanntheit zeigt sich auch darin, dass der Name Kunigunde im späten Mittelalter vierthäufigster Mädchenname im deutschen Sprachraum war. Er kommt aus dem althochdeutschen und bedeutet passend zur historischen Kunigunde, „die für die Sippe Kämpfende“.

Kaiserin Kunigunde war für ihre Zeit eine wirklich mutige, entschlossene und selbständige Frau, die aus ihrem tiefen Glauben heraus ihr Leben in die Hand genommen hat – was in zahlreichen Legenden und Geschichten erzählt wird – und sich für andere Menschen einsetzte.

Literatur:

Freise-Wonka, Ch. (2006): Bamberger Frauengeschichten. 3. Auflage. Bamberg.

Hirschmann, F. G. und Maréchal, R. (2014): Die heilige Kaiserin Kunigunde von Luxemburg. Trier.

Schneidemüller, B. (2001): Kaiserin Kunigunde. Bamberger Wege zu Heiligkeit, Weiblichkeit und Vergangenheit. In: Bericht des Historischen Vereins Bamberg 137 (2001). S. 13-34.

Lesetipp:

Der Roman „Das Gelübde der Kaiserin“ von Eleonore Dehnerdt, erschienen am 28. August 2013 im SCM Hänssler Verlag, erzählt die Geschichte von Kunigunde von Luxemburg, einer außergewöhnlichen Herrscherin, deren Gottvertrauen schwer geprüft wird.

 

Sophie Scholl: Das Gesetz ändert sich. Das Gewissen nicht.

In loser Reihe werden hier im Blog große geistliche Frauen vorgestellt. Dieses Mal schildert Michaela Kritsch, Jugendbildungsreferentin im Bistum Erfurt, welche Frau sie stark beeindruckt. Die Blog-Reihe ist initiiert vom BDKJ-Frauenpräsidium.

Wie ist es wohl, wenn man eine tolle Familie, gute Freunde und einen liebevollen Verlobten hat, am Beginn einer möglichen Karriere steht – und freiwillig in den Tod geht?

Was sagt man dann, wenn man dem Tod so nah ins Auge blickt? Und zwar, weil ein Regime alle Andersdenkenden vernichten will?

Als ihre Mutter sich mit den Worten „Gelt, Sophie: Jesus“ verabschiedet, sagt Sophie Scholl nur: „Ja- aber du auch.“ und dann geht sie ohne mit der Wimper zu zucken ihrem Schicksal entgegen. Ihr Freund Christl verabschiedet sich von ihr mit den Worten: „In wenigen Minuten sehen wir uns in der Ewigkeit wieder.“

Durch ihren großen Glauben an Gott und die Gerechtigkeit entwickelte sich Sophie schnell zu einer Widerstandskämpferin, die gegen das NS-Regime, und mit ihren Freunden der „Weißen Rose“ für Freiheit, Frieden und Toleranz eintrat. Dafür nahm sie sogar den Tod in Kauf. Sie wurde am 22.02.1943, gerade einmal 21 Jahre alt (geb. 09.05.1921) wegen „Vorbereitung eines Hochverrats“ enthauptet.

Sophie wuchs mit den Eltern und fünf Geschwistern in Ulm auf. Beide, Robert und Magdalena Scholl, erzogen ihre Kinder zu dem Standpunkt, dass man Glaube und Politik nicht trennen sollte. Als die Zeit des Nationalsozialismus begann, schenkte auch Sophie ihm Glauben und trat dem „Bund Deutscher Mädel“ bei. Aber schon bald löste sich die Begeisterung auf und Kritik und Misstrauen blieben in Sophie zurück. Nach einer Lehre zur Erzieherin begann sie 1942 an der Münchener Universität Biologie und Philosophie zu studieren. Dort lernte sie die Freunde ihrgrosse geistl Frauen_symbolbildes Bruders Hans kennen und schon bald wurde die regimekritische „Weiße Rose“ ins Leben berufen. Sie druckten und verteilten Flugblätter, um ein Nachdenken in der Bevölkerung zu erreichen. Doch mit dem 6. Flugblatt kam auch das Unglück. Nachdem Sophie (wie Hans und ein weiterer Freund) festgenommen und nach schlimmen Verhören zum Tode verurteilt wurde, konnten auch ihre Eltern und ihr Verlobter Fritz nichts mehr für sie tun. Noch im Gerichtssaal übte sie vor allen beiwohnenden NS-Mitgliedern selbstbewusst Kritik an diesem Regime.

In später gefundenen Tagebuchaufzeichnungen kann man erkennen, wie intensiv sich Sophie (mit ihrem Bruder Hans) mit dem Christentum beschäftigt hatte. Dazu passt auch Sophies Überzeugung:

„Das Gesetz ändert sich. Das Gewissen nicht.“