Hildegard von Bingen: Mystikerin und Kämpferin

In loser Reihe werden hier im Blog große geistliche Frauen vorgestellt. Dieses Mal schildet Nathalie Pieper, Referentin für Theologie an der KLJB-Bundesstelle,  was sie an Hildegard von Bingen beeindruckt. Die Blog-Reihe ist initiiert vom BDKJ-Bundesfrauenpräsidium.

Die heilige Hildegard von Bingen (um 1098 bis 1179) ist als die große christliche Mystikerin, Schriftstellerin und Prophetin des Mittelalters in die Kirchengeschichte eingegangen. 2012 wurde sie durch Papst Benedikt offiziell zur „doctor ecclesiae“, zur Kirchenlehrerin ernannt. Aber was genau hat sie eigentlich ausgezeichnet? Warum erinnern wir uns nach mehr als 1000 Jahren an diese besondere Frau? Eine Spurensuche.

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Hildegard von Bingen wird wahrscheinlich im Jahr 1098 in der Pfalz geboren. Schon früh wird sie von ihren Eltern ins Kloster gegeben, in die Benediktinerabtei Disibodenberg. Im Alter von 16 Jahren tritt sie in die Ordensgemeinschaft ein.

Die junge Hildegard ist eine willensstarke Frau mit großem Gottvertrauen. Sie selbst sieht sich allerdings als schwachen Menschen, da sie oft krank ist. Als ihr 1136 die Leitung der Benediktinerinnengemeinschaft angetragen wird, fühlt sie sich dieser Aufgabe zunächst nicht würdig. Sie wird aber von ihren Mitschwestern gewählt und nimmt das Amt daraufhin an.

Hildegard geht neue Wege. Sie leitet Reformen ein und gründet zwischen 1147 und 1150 ein eigenständiges Frauenkloster auf dem Rupertsberg, 15 Jahre später noch ein weiteres in der Nähe von Rüdesheim – all dies gegen den Widerstand des Abtes und zunächst auch des Erzbischofs von Mainz.

Neben ihrer Durchsetzungsstärke, die sie auch gegenüber den Mächtigen der Welt beweist, ist Hildegard vor allem für zweierlei bekannt: Für ihr Wissen über die Heilkraft der Natur und für ihre Visionen. Letztere beschreibt sie als intensive Begegnungen mit Gott, in denen sie ein „helles Licht“ sieht. Gott erteilt ihr in diesen Visionen den Auftrag, die Menschen zu ihm zu führen. Diese Begegnungen helfen Hildegard auch dabei, ihren Auftrag als Leiterin des Klosters zu erfüllen.

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Verbunden mit ihren Kenntnissen über Heilpflanzen, vor allem über Kräuter, aber auch über die Heilkraft von Musik und Edelsteinen, ist ihre ganzheitliche Sicht auf den Menschen und auf sein „Heilsein“. Hildegard ist sich sicher, dass der Mensch erst gesund werden kann, wenn er mit der Natur und mit Gott im Einklang ist. Neben dem Verfassen von Büchern, z. B. scivias („Wisse die Wege“), unterweist Hildegard ihre Mitschwestern in der Kräuterkunde.

Was mich fasziniert sind vor allem der Kampfgeist, die innere Stärke und der unerschütterliche Glaube Hildegards. Auch ihr großer Mut, immer wieder auf Gottes Stimme zu hören und seinem Auftrag zu folgen, erscheint mir bewundernswert. Denn sie ist dieser Stimme allen Widrigkeiten zum Trotz gefolgt. Lange Zeit traute Hildegard sich nicht, anderen von ihren Visionen zu berichten. Sie wusste, dass sie Gefahr lief, als teufelsbesessen verschrien zu werden, was im Mittelalter keine Seltenheit war. Als sie vom Papst die Erlaubnis bekam, ihre Visionen schriftlich zu schildern, war das für sie eine Befreiung.

Was wir heute noch von ihr lernen können:

  • … dass Gemeinschaft ein hohes Gut ist, für das es sich lohnt zu kämpfen
  • … dass der Glaube den Menschen heil machen kann
  • … dass es sich lohnt, mutig zu sein und zu dem zu stehen, was man fühlt und glaubt
  • … und nicht zuletzt: dass man als Frau in der Kirche viel bewegen kann!

Ester – eine junge Frau, die gegen Ungerechtigkeit kämpfte

In loser Reihe werden hier im Blog große geistliche Frauen vorgestellt. Dieses Mal schildert Theresa Schier, FSJ-Helferin im Bistum Erfurt, was sie an der Heiligen Ester beeindruckt. Die Blog-Reihe ist initiiert vom BDKJ-Frauenpräsidium.

Ester ist eine biblische Persönlichkeit. Sie lebte im 5. Jahrhundert vor Christus und ihre Lebensgeschichte könnte somit als sehr antik und realitätsfern betrachtet werden. Aber wenn man genauer hinsieht, vermittelt Esters Lebensweg eine sehr aktuelle Botschaft.
Doch wer war Ester? Was macht sie so besonders?

Ester wuchs als eine jüdische Waise bei ihrem Onkel Mordechai in der persischen Diaspora auf. Sie war ein ganz normales Mädchen bis zu dem Tag, als der herrschende König Xerxes seine Frau Waschti wegen Ungehorsam verbannte. Auf diese Handlung hin suchte der König im ganzen persischen Reich Mädchen zusammen, um dann die schönste von ihnen auszuwählen und sie zu seiner neuen Königin zu machen. Der König erwählte schließlich Ester zu seiner neuen Königin – aufgrund ihrer Schönheit.

Auch heute wird oft nur auf perfektes Aussehen und äußerliche Schönheit geachtet. Der Charakter eines Menschen wird fälschlicherweise oft nach seinem Aussehen beurteilt. Die innere Schönheit eines Menschen wird immer weniger geschätzt. So erging es auch Ester. Sie wurde zur Königin ernannt, weil sie schön war. Doch das war ihr persönlich nicht wichtig. Sie wollte mehr.

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Was wie ein Märchen begann, entpuppte sich schnell als ein goldener Käfig, in dem Ester vor Heimtücke, Hass und Einsamkeit nicht sicher war. Es kam eine Zeit, da beschloss der oberste Minister des Königs, die Juden auszurotten, weil sie viele Gesetze der Perser missachteten und ihren Gott verehrten, anstatt vor dem König und seinem Minister niederzufallen. In dieser schweren Zeit fand Ester ihre Bestimmung und die Aufgabe ihres Lebens. Sie lernte, ihren eigenen Weg zu gehen, den noch niemand vor ihr gegangen war. Sie hatte bisher verschwiegen, dass sie Jüdin war. Doch nun war die Freiheit ihres Volkes in Gefahr und sie nahm allen Mut zusammen, um vor den König zu treten. Die Zukunft des jüdischen Volkes lag in ihrer Hand. In dieser Zeit durfte niemand ungebeten vor den König treten, und Ester drohte damit die Todesstrafe. Doch sie gab nicht auf. Als sie dem König ihr Anliegen vortrug und das willkürliche Handeln des Ministers aufdeckte, war dieser erzürnt über seinen Minister. Der König selbst hasste die Juden nicht, sondern war ihnen sogar sehr dankbar, denn ein Jude hatte einst eine Verschwörung gegen ihn aufgedeckt und ihm somit das Leben gerettet.

Ester war mutig: Sie war eine Frau, die in ihrer Zeit vor einer schweren Entscheidung stand. Doch sie erhob ihre Stimme gegen die Ungerechtigkeit und riskierte damit ihr Leben. Sie kann für uns heute ein Vorbild sein. Wir können es schaffen, gegen die Ungerechtigkeiten in unserer Welt anzukämpfen, auch wenn es nicht immer einfach und bequem ist.

Geflüchtet: Mädchen und Frauen auf der Flucht

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Rund 40 Frauen aus dem BDKJ haben in den vergangenen drei Tagen die  Perspektive von Mädchen und Frauen auf der Flucht in den Blick genommen. Dabei sind wir mit vielen politischen und zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren ins Gespräch gekommen. Lest hier im Blog nach, worüber wir diskutiert haben und was uns bewegt hat.

Mit Maria Faber, missio-Diözesanreferentin in Magdeburg, haben wir besonders über die christliche Verantwortung und Willkommenskultur in Deutschland gesprochen. Sie ist überzeugt:

Maria Faber (mission-Diözesanreferentin in Magdeburg) (Bild: BDKJ-Bundesstelle)

Maria Faber (missio-Diözesanreferentin in Magdeburg) (Bild: BDKJ-Bundesstelle)

 

 

„Wir sind als Christinnen und Christen aus unserem Glauben heraus verantwortlich für eine echte Willkommenskultur für Flüchtlinge in Deutschland!“

 

 

 

 

Luise Amtsberg sitzt für Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag. Als flüchtlingspolitische Sprecherin ihrer Fraktion war sie für uns genau die richtige Ansprechpartnerin, um über die flüchtlingspolitischen Herausforderungen und Strategien zu sprechen. Sie sagt:

Luise Amtsberg, MdB, Bündnis 90/Die Grünen (Foto: BDKJ-Bundesstelle) BDKJ-Bundesstelle)

Luise Amtsberg, MdB, Bündnis 90/Die Grünen (Foto: BDKJ-Bundesstelle)

 

„Es ist wichtig, dass Frauen sich mit den Biographien von Frauen auf der Flucht beschäftigen, daraus kann der Abbau von Ängsten gelingen und große Solidarität erwachsen!“

 

 

Was erleben junge Menschen auf der Flucht? Welche Momente haben ihr Leben verändert? Was haben sie zu sagen? Fragen, die das „Digital Storytelling Projekt“ der Naturfreundejugend Deutschlands in den Fokus nimmt. Mit dieser Methode der Kurzfilmproduktion erzählen junge Menschen aus ihrem Leben. Mehr zu dem spannenden Projekt gibt es hier. Lukas Nicolaisen erklärt, was das Projekt für die Geflüchteten bedeutet und welche Wirkung die fertigen Videos für den Verband haben.

(Foto: BDKJ-Bundesstelle)

Lukas Nicolaisen von der Naturfreundejugend Deutschland (Foto: BDKJ-Bundesstelle)

„Die eigene Geschichte zu erzählen kann dem Erzählenden unglaubliche Kraft geben. Und die beim Storytelling-Projekt entstandenen Filme werden dann auch eingesetzt, um vor Ort für die Geschichten von Geflüchteten zu sensibilisieren und Verständnis für ihre Situation in Deutschland zu wecken.“

 

 

Nachmittags haben wir in zwei Gruppen Einrichtungen besucht. Eine Gruppe hat das Haus Leo der Berliner Stadtmission besucht, eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlingsfamilien aus der ganzen Welt. Eine Mitarbeiterin dort hat uns erzählt, dass man mit langfristigem ehrenamtlichen Engagement den Menschen am meisten helfen kann.

Bei IN VIA, dem katholischen Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit für das Erzbistum Berlin, sind wir mit jungen Migrantinnen und Migranten ins Gespräch gekommen. SIe haben uns aus ihrem Leben erzählt, von ihren Berufswünschen und ihren Eindrücken von Deutschland. In der Einrichtung in Wedding haben sie mit dem Jugendmigrationsdienst einen Anlaufpunkt und erfahren Beratung durch zwei Sozialarbeiterinnen.  Berthine Sarr und Susanne Nadapdap formulieren ihre Aufgabe so:

(Foto: BDKJ-Bundesstelle)

Berthine Sarr und Susanne Nadapdap (Foto: BDKJ-Bundesstelle)

 

„Unser Ziel ist es die Jugendlichen zu begleiten und zu ermutigen, damit sie sich in Berlin orientieren können und zurechtfinden.“

 

 

 

 

Mit Aylin Güngör, Kerstin Schukalla und Joachim Rüffer vom BBZ
Betreungs- und Beratungszentrum für junge Flüchtlinge und Migranten haben wir vor allem die rechtlichen Aspekte von geflüchteten Menschen diskutiert. Ihr Ziel: Durch Beratung und Unterstützung den Flüchtlingen und MigrantiInnen und Migranten einen gleichberechtigten Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen wie Bildung und Arbeit zu ermöglichen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom BBZ (Foto: BDKJ-Bundesstelle)

Joachim Rüffer, Aylin Güngor und Kerstin Schukalla (Foto: BDKJ-Bundesstelle)

„Politische Arbeit und praktische Arbeit kann nicht getrennt werden. Unsere Projekte ergeben sich aus den Mängeln des Sozial- und Bildungssystems und sind eng geknüpft an die Lebenswirklichkeit der Menschen. Wir sind parteiisch für die geflüchteten Menschen“.

 

Die drei Tage Fachtagung haben uns neues Wissen und Einblicke über Mädchen und junge Frauen auf der Flucht gegeben, und ihre Situation hier in Deutschland. Wir nehmen praktische Ideen für das eigene Engagement mit, aber auch viele politische Forderungen, die wir jetzt einbringen wollen.

Das alles und noch viel mehr: Forderungen, Argumente und Nachdenkliches zum Frauentag

Heute ist Internationaler Frauentag. Seit über 100 Jahren lädt der Tag dazu ein, sich mit der Situation von Frauen und ihren Rechten weltweit, aber auch hier bei uns, auseinanderzusetzen. Wir haben hier im Blog zusammengestellt, was unsere Verbände mit dem Tag verbinden, was sie bewegt, wo sie Handlungsbedarf sehen. Viel Spaß beim Durchklicken.

Der BDKJ Diözesanverband Aachen hat eine Frau und einen Mann gefragt, was sie vom Internationalen Frauentag halten. Kristina von der Pfadfinderinnenschaft St. Georg (PSG) findet es schade dass es den Tag noch geben muss. Aber weltweite gebe es noch viele Frauen die weder ein Mitsprache-, noch woman-281474_1280ein Wahlrecht hätten. Tim von der KjG sieht auch noch viele Lücken bei der Gleichberechtigung. Aber es würden nicht nur Frauen diskriminiert, sondern auch Männer. Wieso, fragt er, gibt es also den Frauentag, wenn es doch eigentlich um Gleichberechtigung geht? Die vollständigen Interviews lest Ihr hier.

Die Katholische Junge Gemeinde (KjG) erinnert an drei besondere Momente des vergangenen Jahres aus der Perspektive von Frauen: Die Ernennung der Schauspielerin Emma Watson (24) zur UN-Sonderbotschafterin, die Verleihung des Friedensnobelpreis an die Menschenrechtlerin Malala Yousafzai (17) und die Markteinführung der Alternativ-Barbie Lammily, die anders als die bekannte Plastikpuppe die realistischen durchschnittlichen Maße einer 19-jährigen Amerikanerin hat.

Ungleicpeople-23733_1280he Bezahlung? Diskriminierung? Strukturelle Benachteiligung? Für die Frauen der Bundesleitung der Pfadfinderinnenschaft St. Georg (PSG) ist der Frauentag heute die Gelegenheit, um mit einer Social Media-Kampagne auf verschiedene Missstände hinzuweisen. Gleichzeitig erklären sie, warum sie sich für Mädchen und junge Frauen einsetzen. Alle Hintergründe zur Kampagne gibt es hier.

Die fehlende Geschlechtergerechtigkeit in den Parlamenten kritisiert der BDKJ Bayern in einer Pressemitteilung. Das soll sich ändern! Die BDKJ-Landesfrauenarbeitsgruppe ruft daher dazu auf, sich an der Popularklage des Aktionsbündnises „Parité in den Parlamenten“ zu beteiligen.

(Foto: BDKJ Bayern)

(Foto: BDKJ Bayern)

Sophie Scholl: Das Gesetz ändert sich. Das Gewissen nicht.

In loser Reihe werden hier im Blog große geistliche Frauen vorgestellt. Dieses Mal schildert Michaela Kritsch, Jugendbildungsreferentin im Bistum Erfurt, welche Frau sie stark beeindruckt. Die Blog-Reihe ist initiiert vom BDKJ-Frauenpräsidium.

Wie ist es wohl, wenn man eine tolle Familie, gute Freunde und einen liebevollen Verlobten hat, am Beginn einer möglichen Karriere steht – und freiwillig in den Tod geht?

Was sagt man dann, wenn man dem Tod so nah ins Auge blickt? Und zwar, weil ein Regime alle Andersdenkenden vernichten will?

Als ihre Mutter sich mit den Worten „Gelt, Sophie: Jesus“ verabschiedet, sagt Sophie Scholl nur: „Ja- aber du auch.“ und dann geht sie ohne mit der Wimper zu zucken ihrem Schicksal entgegen. Ihr Freund Christl verabschiedet sich von ihr mit den Worten: „In wenigen Minuten sehen wir uns in der Ewigkeit wieder.“

Durch ihren großen Glauben an Gott und die Gerechtigkeit entwickelte sich Sophie schnell zu einer Widerstandskämpferin, die gegen das NS-Regime, und mit ihren Freunden der „Weißen Rose“ für Freiheit, Frieden und Toleranz eintrat. Dafür nahm sie sogar den Tod in Kauf. Sie wurde am 22.02.1943, gerade einmal 21 Jahre alt (geb. 09.05.1921) wegen „Vorbereitung eines Hochverrats“ enthauptet.

Sophie wuchs mit den Eltern und fünf Geschwistern in Ulm auf. Beide, Robert und Magdalena Scholl, erzogen ihre Kinder zu dem Standpunkt, dass man Glaube und Politik nicht trennen sollte. Als die Zeit des Nationalsozialismus begann, schenkte auch Sophie ihm Glauben und trat dem „Bund Deutscher Mädel“ bei. Aber schon bald löste sich die Begeisterung auf und Kritik und Misstrauen blieben in Sophie zurück. Nach einer Lehre zur Erzieherin begann sie 1942 an der Münchener Universität Biologie und Philosophie zu studieren. Dort lernte sie die Freunde ihrgrosse geistl Frauen_symbolbildes Bruders Hans kennen und schon bald wurde die regimekritische „Weiße Rose“ ins Leben berufen. Sie druckten und verteilten Flugblätter, um ein Nachdenken in der Bevölkerung zu erreichen. Doch mit dem 6. Flugblatt kam auch das Unglück. Nachdem Sophie (wie Hans und ein weiterer Freund) festgenommen und nach schlimmen Verhören zum Tode verurteilt wurde, konnten auch ihre Eltern und ihr Verlobter Fritz nichts mehr für sie tun. Noch im Gerichtssaal übte sie vor allen beiwohnenden NS-Mitgliedern selbstbewusst Kritik an diesem Regime.

In später gefundenen Tagebuchaufzeichnungen kann man erkennen, wie intensiv sich Sophie (mit ihrem Bruder Hans) mit dem Christentum beschäftigt hatte. Dazu passt auch Sophies Überzeugung:

„Das Gesetz ändert sich. Das Gewissen nicht.“

 

Regina Jonas – Die erste Rabbinerin der Welt

In loser Reihe werden hier im Blog große geistliche Frauen vorgestellt. Dieses Mal schildert Yvonne Everhartz, Referentin für Jugendpolitik, Mädchen- und Frauenpolitik und Genderfragen des BDKJ, welche Frau sie stark beeindruckt. Die Blog-Reihe ist initiiert vom BDKJ-Frauenpräsidium.

„Fähigkeiten und Berufungen hat Gott in unsere Brust gesenkt und nicht nach dem Geschlecht gefragt. So hat ein jeder die Pflicht, ob Mann oder Frau, nach den Gaben, die Gott ihm schenkte, zu wirken und zu schaffen.“ (Regina Jonas, 1938)

Gedenktafel Regina Jonas_3Ein Neubau steht heute in der Krausnickstraße 6 im Berliner Stadtteil Mitte, nicht weit von unserem BDKJ Büro in der Chausseestraße. Ich würde sicher immer noch achtlos dort vorbei gehen, wäre mir nicht irgendwann die dort hängende Gedenktafel aufgefallen. Sie erinnert an Regina Jonas – „Die erste Rabbinerin der Welt“ – wie es auf der Tafel heißt.

Regina Jonas wurde 1902 in Berlin in ein streng religiöses Elternhaus geboren. Sie wuchs mit ihrem Bruder im Scheunenviertel auf und studierte an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in der heutigen Tucholskystraße. Im damaligen Hochschulgebäude hat heute der Zentralrat der Juden in Deutschland seinen Sitz. Da ihre Familie sie im Studium nicht finanziell unterstützen konnte, gab Regina Jonas Unterricht an verschiedenen jüdischen Schulen und verdiente so Geld für ihre Ausbildung. Ihr erklärtes Ziel war es, Rabbinerin zu werden. Ihre Abschlussarbeit trug den Titel „Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?“. Dass sie es bekleiden konnte, wurde ihr 1935 in ihrem Diplom bestätigt. So wurde Regina Jonas die erste Rabbinerin der Welt.

Regina Jonas beeindruckt mich. Durch die Straßenzüge in Berlin zu gehen, in denen sie aufgewachsen ist, bewegt mich – gerade in diesen Tagen. Auch Regina Jonas wurde 1942 mit ihrer Mutter nach Theresienstadt verschleppt und 1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet. Wenn sich am 27. Januar 2015 der Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz zum 70. Mal jährt und wir der Opfer des Holocausts gedenken, sind meine Gedanken und Gebete bei ihr und allen Opfern des menschenverachtenden nationalsozialistischen Regimes.

Regina Jonas hatte schon früh in ihrem Leben ein Ziel, das ihr damals vermutlich zunächst unerreichbar erschien: dass eine Frau Rabbinerin werden könnte, war undenkbar. Sie aber war überzeugt davon, dass Frauen und Männer zwar unterschiedliche Begabungen und Charismen besitzen, sich daraus aber nicht ein Privileg für Männer zur Bekleidung geistlicher Ämter ableiten ließe. Vielmehr füllten Frauen und Männer diese Ämter einfach entsprechend ihrer Begabungen unterschiedlich aus. Mit ihrer Zielstrebigkeit und ihrer Einstellung zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist sie mir eine große Inspiration.

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Madeleine Delbrêl – Mystikerin der Straße (1904 – 1964)

In loser Reihe werden hier im Blog große geistliche Frauen vorgestellt. Dieses Mal schildert Kerstin Fuchs, Bundesvorsitzende der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG), welche Frau sie stark beeindruckt. Die Blog-Reihe ist initiiert vom BDKJ-Frauenpräsidium.

Was für ein Leben. Als Kind so viele Umzüge, dass ein Schulbesuch nicht möglich ist. Privatunterricht, wenig Freundschaften. Dann die Verlobung, die aber vom Verlobten wieder gelöst wird, da er ins Kloster geht. Die Eltern werden krank und müssen gepflegt werden. Und dennoch nicht versinken in den eigenen Sorgen, sondern sich aufmachen.

Eine Frau, die nicht aufgibt

Als ich mich mit spirituellen Frauen beschäftigt habe, bin ich zum ersten Mal auf diese Frau gestoßen: Madeleine Delbrêl. Und war schnell fasziniert. Nicht, weil sie Pfadfinderin war – auch wenn sie das natürlich sympathisch macht. Sondern wegen ihres starken Willens und der für mich immer wieder durchscheinenden Fähigkeit, das zu akzeptieren, was an Schicksalsschlägen kommt. Dabei aber nicht im Jammern zu versinken, sondern handeln.
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Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai: Stärker als die Angst

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In loser Reihe stellen Mitglieder des Frauenpräsidiums hier im Blog große (geistliche) Frauen vor, die sie stark beeindrucken. Dieser Beitrag stammt von Gesa Grandt, BDKJ-Diözesanvorsitzende in Erzbistum Hamburg und Mitglied im Präsidium der Bundesfrauenkonferenz.

Am 10. Oktober wurde bekannt, dass Malala heute in Oslo der Friedensnobelpreis verliehen wird. Seitdem habe ich es schon mehrfach an Frauen in meinem Umfeld verschenkt: Das Buch „I am Malala: The Girl Who Stood Up For Education And Was Shot By The Taliban.“

Nun habe ich es mir endlich selbst gekauft und hoffe, möglichst bald die Zeit zum Lesen zu finden. Mit dem Buch in der Hand stehe ich vor dem Nobel Peace Center am Rådhusplassen in Oslo. Die Ausstellung über die diesjährigen Friedensnobelpreisträger_innen – Malala Yousafzai und Kailash Satyarthi – wird gerade aufgebaut. Bereits 2011 habe ich mich gefreut, dass mit Tawakkol Karma, Ellen Johnson Sirleaf und Leyman Gbowee gleich drei Frauen mit beeindruckendem Engagement für den Frieden den Preis erhielten.

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Teresa von Avila: Mystikerin und Weltveränderin

In loser Reihe stellen Mitglieder des Frauenpräsidiums hier im Blog große geistliche Frauen vor, die sie stark beeindrucken. Den Anfang macht Martina Fornet Ponse, Bundeskuratin der Pfadfinderinnenschaft St. Georg (PSG).

„Gebt Acht, dass Geist und Gemüt nicht eng werden, denn dann geht euch viel Gutes verloren …“

(Teresa von Avila)

Heute ist der Gedenktag von Teresa von Avila. Über sie ist schon viel geschrieben worden. Gibt man ihren Namen bei Google ein, dann erscheinen innerhalb von kürzester Zeit ca. 14 Mio. Einträge. Teresa von Avila lebte im 16. Jahrhundert, war eine bedeutende Mystikerin, hat zahlreiche wichtige Schriften verfasst, reformierte einen Orden und gründete zahlreiche Klöster. Nach ihrem Tod wurde sie schnell heiliggesprochen und zur ersten weiblichen Kirchenlehrerin ernannt.

Was gibt es da noch zu sagen? – Vielleicht was ich an dieser großen Frau der Kirchengeschichte so beeindruckend finde?

Sie hatte eine besondere Beziehung zu Jesus! In ihren Gebeten erfuhr sie sich von ihm, als dem menschgewordenen Gott, unendlich geliebt. Dies bedeutete für sie eine gnadenhafte Befreiung. Sie pflegte in ihrem inneren Gebet eine tiefe Freundschaft zu Gott und durfte seine Gegenwart, seine Nähe spüren. Diese intensive Erfahrung in Worte zu fassen und mit anderen Menschen zu teilen, finde ich großartig.

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Diese Frau steckte voller Energie! Trotz schwerer Krankheiten, die fast zu einem lebendigen Begräbnis geführt hätten, hat sie immer wieder neue Kraft gefunden, ihren Weg zu gehen. Sie hat aus Situationen, die nicht ihren Vorstellungen entsprachen, versucht, das Beste zu machen und sich Hilfe durch andere Menschen geholt. Dabei hat sie manchmal auch um die Ecke gedacht und sich nicht von herrschenden Konventionen einengen lassen.

Sie hat die Welt verändert! Sie war mit den Ordensregeln der Karmeliterinnen nicht einverstanden und hat kurzerhand ihren eigenen Reformorden gegründet. Dabei waren ihr ein gemeinschaftlicher Lebensstil, die Pflege der Freundschaft zu Gott sowie eine demütige Selbsterkenntnis wichtig. Damit wird der Mensch als Person in seiner Beziehung zu Gott in den Mittelpunkt gestellt und nicht mehr als Sünder, der sich der unmenschlichen Bußübungen unterziehen muss.

Freundschaft, Liebe, Wahrheit und Weisheit sind auch heute noch bedeutsame Werte, die sich Teresa von Avila in ihrem Leben erst erkämpfen musste. Das macht sie für mich zu einer bedeutenden Frau der Kirchengeschichte!

Equal Pay Day: Fakten und unsere Meinung

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Was ist der Equal Pay Day?

Der Equal Pay Day ist ein jährlicher Aktionstag, der auf den Verdienstabstand zwischen Frauen und Männern – den so genannten Gender-Pay-Gap – aufmerksam machen soll. Frauen verdienten 2013 in Deutschland durchschnittlich 22% weniger als Männer.

Bekommen Frauen wirklich weniger Lohn für die gleiche Arbeit?

22% Lohnunterschied bedeutet zunächst, dass der Unterschied im Bruttostundenlohn aller Erwerbstätigen aufgeschlüsselt nach Geschlecht – durchschnittlich 22% Prozent beträgt. Rund zwei Drittel des Lohnunterschieds sind auf strukturelle Gründe zurück zu führen. Hierzu zählen zum Beispiel die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und die ungleiche Aufstiegschancen von Männern und Frauen.

Zur geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung zählt, dass der Frauenanteil in bestimmten Branchen und Berufen deutlich über dem Männeranteil liegt. So arbeiten Frauen deutlich häufiger im Niedriglohnsektor als Männer. Oft liegt das daran, dass die Tätigkeiten in diesem Bereich flexible Arbeitszeiten ermöglichen, die eine Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsarbeit erleichtern. Bezogen auf das weitere Leben stellen sich Tätigkeiten im Niedriglohnsektor, wie beispielsweise so genannte „Minijobs“, aber als Armutsfalle dar, da sie unzureichend für’s Alter absichern. In der Rente wird so aus dem „Gender Pay Gap“ ein „Gender Pension Gap“.

Ein weiteres strukturelles Problem ist aber, dass Frauen häufig für gleichwertige Arbeit schlechter bezahlt werden als Männer. Der Satz „Stahl heben wird in Deutschland besser bezahlt als Menschen heben“ fasst dieses Problem pointiert zusammen. Viele Berufe, die vor allem von Männern ausgeübt werden und körperlich sehr anstrengend sind, werden deutlich besser bezahlt, als beispielsweise Pflegeberufe, die vorrangig von Frauen ausgeübt werden. Wer bemisst aber, dass Kranke heben und umbetten – eine körperlich ebenfalls sehr anstrengende Tätigkeit – und Verantwortung für Menschen zu tragen monetär weniger wert ist, als Stahl oder schwere Geräte zu heben?

Rechnet man nur mit gleichqualifizierten, vollzeitbeschäftigten Männern und Frauen in der gleichen Position und Branche bleiben immer noch 7% bis 8%, die Frauen durchschnittlich weniger verdienen. Dieser Unterschied wird als „bereinigter“ Gender Pay Gap bezeichnet.

Warum findet der Equal Pay Day jedes Jahr an einem anderen Datum statt?

Der Equal Pay Day findet immer an dem Tag statt, bis zu dem erwerbstätige Frauen in Deutschland hätten weiterarbeiten müssen, um im Vorjahr den gleichen Lohn wie Männer zu erhalten. Die zu Grunde liegenden Zahlen sind hierbei natürlich Durchschnittswerte.

Und was hat es mit den roten Taschen auf sich?

Der Verein BPW – Business and Professional Women Germany e.V., der den Tag in Deutschland initiierte, hat die rote Tasche zum Symbol für den Equal Pay Day gemacht. Am 21. März 2014 eine rote Tasche tragen heißt also: ich weiß was heute für ein Tag ist und setze mich für Entgeltgleichheit von Männern und Frauen ein!

Wie sieht es in anderen EU-Staaten aus?

2011 lag der Gender Pay Gap in der Europäischen Union im Durchschnitt bei 16%. Der Gender Pay Gap liegt in Deutschland seit Jahren über dem EU-Durchschnitt. Mit 2% war der Gap 2011 in Slowenien am geringsten.

Was sagt der BDKJ zum Problem der Entgeltunterschiede?

Die BDKJ-Bundesfrauenkonferenz hat im Jahr 2009 einen umfangreichen Beschluss mit dem Titel „Entgeltgleichheit – jetzt“ gefasst. Darin fordern wir u.a. eine geschlechtsneutrale Neudefinition von Leistung, sowie ein transparentes Entlohnungssystem. Im Beschluss wird aber auch betont, dass zur Gleichstellung von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt an vielen Stellschrauben gedreht werden muss: familienfreundlichere Arbeitsbedingungen für Frauen und Männer, verpflichtende Quoten für Frauen in Führungspositionen sowie gendersensible Berufsberatung sind nur ein Teil der Forderungen, die der BDKJ in diesem Bereich hat. Mehr könnt ihr hier nachlesen:

Entgeltgleichheit – jetzt! Beschluss der BDKJ-Bundesfrauenkonferenz 2009 http://www.bdkj.de/fileadmin/redakteur/Dokumente/Beschluesse/4/4_24_Entgeltgleichheit_-_jetzt_.pdf

Auch in unserem Beschluss der Hauptversammlung 2013 „Gerechte Generationenpolitik – zukunftsfähig und solidarisch“ geht es um geschlechtsspezifische Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt: http://www.bdkj.de/fileadmin/redakteur/Dokumente/HV/2013/Beschluesse/3_66_Generationengerechtigkeit_Beschluss_fertig.pdf

(Text: Yvonne Everhartz, BDKJ Bundesstelle)

Weiteres Material zum Thema Equal Pay Day findet ihr hier:

Website des Equal Pay Day (mit deutschlandweiter Aktionskarte): http://www.equalpayday.de/

Statement von Hannelore Buls, Vorsitzende des Deutschen Frauenrats, zum Equal Pay Day 2014: http://www.frauenrat.de/fileadmin/user_upload/aktionen/epd/Statement_Buls.pdf

Kurz-Zusammenfassung des Statistischen Bundesamtes zum Equal Pay Day 2013 mit viel Zahlenmaterial, Grafiken, Aufschlüsselung nach Bundesändern etc.: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/STATmagazin/VerdiensteArbeitskosten/2013_03/PDF2013_03.pdf;jsessionid=1AC8D4CC4DBF2CD5AC46F9F66A72C5B6.cae2?__blob=publicationFile

Erster Gleichstellungsbericht der Bundesregierung (2011) Neue Wege – Gleiche Chancen Gleichstellung von Frauen und Männern im Lebensverlauf: http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Service/Publikationen/publikationen,did=174358.html

Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zum „Gender-Pension-Gap“ (2012): Gender Pension Gap – Entwicklung eines Indikators für faire Einkommensperspektiven von Frauen und Männern http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Service/Publikationen/publikationsliste,did=175248.html

Zeige Deine Unterstützung zum Beispiel auf Deinem Profilfoto in den Sozialen Netzwerken: http://www.picbadges.com/badge/3582447