Dankbar für den D-Day

D-Day-Denkmal

Die Landung der Alliierten in der Normandie war am 6. Juni 1944. Dieser Anker wurde anlässlich des 50. Jubiläums als Denkmal aufgestellt. Quelle: CC-by-sa Michael Ely

Anlässlich des 70. Jahrestages der Landung der Alliierten in der Normandie gedenken wir im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) aller Opfer, insbesondere derer, die ihr Leben für die Freiheit und den Frieden eingesetzt haben. Für unsere junge Generation ist dieses Gedenken insbesondere auch eine Mahnung an unsere stetige Verantwortung, den nach dem Ende des Krieges beschrittenen Weg des Friedens und der Versöhnung weiterzugehen. Weihbischof Klug brachte dies heute im ökumenischen Gedenkgottesdienst in der Kathedrale in Bayeux auf den Punkt: „Allen Wunden und allem Hass zum Trotz ist es uns gelungen, der Hoffnung auf Versöhnung heilsame Taten folgen zu lassen. Das friedliche und versöhnte Zusammenleben in Europa ist das schönste Denkmal, das wir den Gefallenen setzen können“.

„Gott ist unsere Zuflucht und unsere Burg“ – Hauptversammlung beginnt mit Vesper

Jamboree 2011

Es ist ein historischer Ort. „Hier wo Romano Guardini in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit einer liturgischen Bewegung viel für die spätere Liturgiereform bewirkt hat, tagen nun wir. Das ist ein gutes Zeichen.“ Mit diesen Worten eröffnete BDKJ-Bundespräses Pfarrer Simon Rapp die Vesper am Beginn der BDKJ-Hauptversammlung. Diese tagt nicht wie seit vielen Jahren im bergischen Altenberg, sondern in der kleinsten Stadt Bayerns: in Rothenfels (Bistum Würzburg). Auf der historischen Burg treffen bis Sonntag rund 100 Vertreterinnen und Vertreter der katholischen Jugendverbände und –organisationen aus ganz Deutschland wichtige Entscheidungen. Und stellten ihr Tagen am Ende der Vesper Passend unter das Gebet: „Gott, Du bist unsere Zuflucht und Burg.“ (Text: mik; Fotos: CS)

Jamboree 2011

Ich fühle mich wie mein Koffer

Koffer

Kofferpacken: Jedes Mal habe ich das Problem, dass bei der Rückreise der Koffer voller zu sein scheint, als bei der Hinreise. Ich habe nur zwei kleine Souvenirs drin und trotzdem bekomme ich ihn nicht zu. Also noch einmal von vorn. Alles wieder raus, neu zusammenlegen, nochmal rein. Beim dritten Anlauf klappt‘s. Der Koffer ist zu. Jetzt kann es zum Flughafen gehen.

Ich fühle mich wie mein Koffer. Die vielen Eindrücke, die ich hier beim Weltjugendtag sammeln konnte, sind mehr, als ich im Moment richtig einsortieren kann:

Da sind die Pilgerinnen und Pilger, die begeistert von den Tagen der „Missionarischen Woche“ beim Weltjugendtag berichten: Die Begegnung mit Gleichaltrigen in den Gemeinden in Brasilien. Die Erfahrung, dass es Menschen gibt, die weniger „haben“ und glücklicher sind. Die Begeisterung in den Gottesdiensten, die einfach überschnappt – Begeisterung über die befreiende Botschaft des Evangeliums Jesu. Welche Impulse gehen aus diesen Glaubens- und Lebenserfahrungen für mich aus?

Da ist die schier unübersehbare Menschenmenge hier in Rio de Janeiro, am Strand der Copacabana, drei Millionen sollen es gewesen sein, die hier den Kreuzweg gebetet, Vigil gehalten, Eucharistie gefeiert haben. Drei Millionen, die gemeinsam ihren Glauben feiern, gemeinsam schweigen, gemeinsam singen, gemeinsam Gott loben. Wo können junge Menschen in unseren Gemeinden solche prägenden Erfahrungen machen, wenn sie ihren Glauben feiern wollen?

Da sind diese vielen Gesten und Worte von Papst Franziskus. Treffen mit offiziellen Vertretungen des brasilianischen Staates und der Ortskirche genauso, wie Besuche in einer Favela, einer Drogenklinik, einem Jugendgefängnis. Und überall mahnt er Dialog und Begegnung an und verkündet die hoffnungsvolle Botschaft des Evangeliums. Er fordert die jungen Menschen zur Unruhe auf, um unsere Kirche zu gestalten, aber mahnt auch zur Einheit der Generationen. Er drängt dazu, sich nicht in Pfarreien, Schulen, Gemeinschaften – und ich denke auch in unseren Verbänden – einzuigeln und nur für sich da zu sein, sondern hinaus zu gehen an die Ränder der Gesellschaft um den Menschen durch Wort und Tat Hoffnung, Zukunft, Leben zu bringen. Wo sehe ich meine Grenzen, die ich überwinden muss, um die Menschen zu erreichen in meinem Dienst, das Evangelium zu verkünden – in Wort und Tat?

Mein Koffer ist jetzt zu voll, aber er ist zu. Ich bin auch voller Eindrücke. Hier beim Weltjugendtag in Rio de Janeiro ist ganz viel aufgerissen worden, was bisher wohlgeordnet schien. Hoffentlich bleibt es nicht beim Event, das ein paar Erinnerungen bereithält, sondern bewegt tatsächlich was – in unserer Gesellschaft, in unserer Kirche, und vor allem in mir …

Kopfschütteln

Beim WJT kommen viele verschieden Kulturen zusammen. Foto: KNA / Oppitz

Beim WJT kommen viele verschieden Kulturen zusammen. Foto: KNA / Oppitz

Ja, Rio ist gefährlich! Und Rio ist ein einziges Chaos! Und was man aus Rio so hört, bewahrheiten sich die schlimmsten Befürchtungen: Verkehrschaos, Organisationschaos, Regenchaos, …

Ich bin jetzt seit über einer Woche hier, lerne mehr und mehr die Stadt und die Mentalitäten kennen, erlebe, wie immer mehr Pilgerinnen und Pilger aus aller Welt in diese Stadt strömen, mit ihrer Fröhlichkeit anstecken … oder ist es nicht eher auch umgekehrt? Weltjugendtage sind auch eine kulturelle Begegnung. Und jeder Weltjugendtag hat seine eigene Prägung, die auch der Ortskirche, die diesen vorbereitet, verantwortet. Und das nicht nur kulturell, sondern auch organisatorisch. Meine Erfahrung nach vier Weltjugendtagen ist, dass die Organisatoren sich immer alles gut durchdacht haben – auch, wie sie die Menschenmassen unterbringen, lenken und jeweils direkt zu ihren Zielen führen wollen. Doch versteht man das als Besucher mit einer anderen Kultur und einer anderen Organisationsdenke immer richtig? Oder ergibt sich nicht auch so manches Missverständnis, weil die Organisatoren anders gedacht haben, wie die deutschen Verantwortlichen, anders geplant haben, wie die Pilgerinnen und Pilger aus Simbabwe es gewohnt sind, anders reagieren, als australische Teilnehmende es erwarten? Und wir reden hier von 400.000 bis am Ende vermutlich 2,5 Millionen Menschen, die ganz unterschiedliche Gewohnheiten und Organisationen kennen und leben.

Ich bin froh, dass der Weltjugendtag immer wieder eine solche kulturelle Herausforderung bietet. Es gibt andere globale Großereignisse, die in regelmäßigen Abständen rund um die Welt reisen. Diese kommen wie ein Ufo auf eine Stadt oder ein Land herab, haben feste Gewohnheiten und auch feste Sponsoren, die fast alles Einheimische vertreiben. Das sind Feste für Menschen, die sich nicht auf andere Länder und andere Kulturen einlassen können oder wollen, wo es wohl auch mehr um Gewohnheiten und Kommerz, als um die Begegnung der Menschen geht. Der Weltjugentag bekommt nur wenige Vorgaben aus Rom, alles Organisatorische muss Ortsüblich geklärt und entschieden werden. Gott sei Dank! Ich liebe diese Herausforderung zur Veränderung, zum Umdenken, zum Erleben von Neuem! Alles andere wäre mir zu steril – dann kann ich gleich zuhause bleiben.

Ja, manche Gruppenverantwortliche mussten bei der Registrierung 10 Stunden und mehr anstehen – und haben mit den Brasilianern Samba getanzt. Die Metro ist 2 Stunden ausgefallen, als man sie am dringendsten gebraucht hätte – und die Pilger haben fröhlich im Regen gesungen. Zum Papstwillkommen sind nicht alle am Strand der Copacabana angekommen – und haben sich halt schnell einen Fernseher mit Liveübertragung gesucht.

Das alles ist bitter – oder eine Herausforderung an die persönliche Flexibilität.

Und wenn ich hier mit den Pilgerinnnen und Pilgern und mit ihren Verantwortlichen rede, dann sind sie ein wenig wegen dieser Dinge genervt, feiern aber weiter sich, ihren Glauben, die Begegnung mit den Menschen aus allen Kulturen dieser Erde!

Und wenn ich lese, dass manche, die in Deutschland sind, nicht zum Weltjugendtag gefahren sind, weil sie ob der Gefährlichkeit und des Unvermögens der Organisatoren schon lange wussten, und jetzt hämische Kommentare und Zeitungsberichte darüber auf facebook teilen, dann nervt mich das mehr, als alles, was ich hier erlebe! Ich habe auch selten was zu Essen bekommen, hatte Angst, an der Bahnstation erdrückt zu werden, brauchte 6 Stunden vom Abschlussgelände zu meinem Bus (angekündigt waren zwei Stunden) – aber nicht in Rio. Das war an einem anderen Weltjugendtag, der von den kritischen Organisationsweltmeistern selbst organisiert wurde … Ich bin froh, dass ich hier sein darf und diesen Weltjugendtag miterleben kann!

 

Einmischen

Novia Iguacu

Novia Iguacu

Morgens brachen wir auf nach Nova Iguacu. Die menschliche Not, die dort zu sehen und zu erleben war, ist bedrückend. Vor allem, wenn einem die Worte des heutigen Papstes nachklingen, dass es Menschen gibt, die wie Müll in der Gesellschaft sind – sie leben im Müll, und sie werden weggeworfen und spielen keine Rolle mehr. Sie sind nicht ausgeschlossen, dann würde sie ja noch jemand bemerken, aktiv mit ihnen umgehen. Nein, sie spielen in der Gesellschaft keine Rolle.

Wir besuchten ein Straßenkinderprojekt. Junge Mädchen, die auf der Straße leben und allenfalls noch als Sexobjekt dienen, finden ein zuhause, ein Zimmer, Anerkennung, Würde. Hier ist die Kirche mit ihrer Botschaft von Jesus Christus präsent und greifbar. Hier müssen wir sein,  an den Rändern der Gesellschaft.

Abends dann, zurück in Rio der Eröffnungsgottesdienst. Die Jugend der Welt feiert ihren Glauben und die Liebe Gottes, die in seinem Wort verkündet und in seinem Mahl zur Nahrung wird. Ein gigantischer Aufwand, faszinierende Lichttechnik, mitreißende Musik, junge Menschen, die im Sand der Copacabana, knien, stehen, beten, singen.

Mit den Erfahrungen vom morgen könnte es keinen größeren Gegensatz geben: Hier die Kirche, die sich den jungen Menschen in all ihrem Elend zuwendet, dort die Kirche, die den feiert, der sie zu diesem Tun gerufen hat.

Das ist Weltjugendtag! Glauben, feiern, Tat – vor allem aber die jungen Menschen, die dies alles erleben, was die Welt heute ausmacht und spürt, dass es an ihnen liegt, sich nicht mit diesen Gegensätzen zufrieden zu geben, sondern sich einzumischen und selbst zu handeln, damit diese Gegensätze überwunden werden!