Aktion West-Ost: Mehr als nur Dolmetschen

Drei Nationen, drei Kulturen und drei Sprachen treffen bei der Bildungs- und Begegnungsreise in die sibirische Stadt Tomsk aufeinander. Doch geht es nicht nur darum die Sehenswürdigkeiten zu besuchen und Souvenirs zu kaufen. Die deutsch-polnisch-russische Gruppe beschäftigt sich mit dem Thema Stadt. Im Vordergrund steht hierbei neben dem inhaltlichen Input, der kulturelle Austausch. Doch wie kann man in drei verschiedenen Sprachen über urbanen Wandel diskutieren?

Die 23jährige Elisabeth Stahr aus Meißen ist eine der Sprachmittlerinnen, die das Projekt begleiten und möglich machen. Täglich steht sie vor der großen Gruppe. „Es ist für mich eine interessante Erfahrung direkt zu dolmetschen, statt Texte zu übersetzen.“

(Foto: Sina Schmeiter)

Mehr als nur die Dolmetscherin der Gruppe: Elisabeth Stahr (Foto: Sina Schmeiter)

In diesem Jahr hat sie ihr Bachelorstudium in Fachdolmetschen für Gericht und Behörden in Englisch und Russisch an der Universität in Magdeburg abgeschlossen. Tomsk kennt sie bereits durch ein Auslandsjahr während des Studiums. So ist sie für die Gruppe nicht nur Dolmetscherin, sondern auch Stadtführerin. Da muss sie auch hin und wieder bei den vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern etwas lauter werden, um sicherzugehen, dass die Gruppe komplett ist und niemand verloren wurde. Oder sich durchsetzen, wenn einige die letzte Übersetzung nicht abwarten konnten. Hier habe sie jedoch Verständnis, da manche alle drei Sprachen verstehen und das Gesagte gleich dreimal hören müssten. Seit September studiert sie außerdem an der Staatlichen Universität in Tomsk Russisch als Fremdsprache.

Das Projekt in Tomsk sei für sie eine sehr spannende und vor allem praktische Erfahrung. Jeannine Nowak, eine weitere Koordinatorin und Übersetzerin für die polnischen Teilnehmenden, sei hier für sie eine Art Mentor geworden, der ihr schon viele Tipps geben konnte. Ihre Funktion als Dolmetscherin beinhaltet auch die Aufgabe, Kultur zu vermitteln. So muss sie immer wieder neben dem Übersetzen bestimmte Dinge erklären, die in dem anderen Land so nicht existieren.

Deutsch - polnisch - russisch: Elisabeth beim Dolmetschen (Foto: Sina Schmeiter)

Deutsch – polnisch – russisch: Elisabeth beim Dolmetschen (Foto: Sina Schmeiter)

Während einem Praktikum im Regionalzentrum für deutsche Sprache und Kultur an der Universität in Tomsk, lernte sie Nele Quecke, eine der Koordinatiorinnen der Reise, kennen. Durch sie erfuhr sie von dem Projekt. „Mich hat auch das Thema interessiert“, erklärte sie. Schließlich begleitet sie die Gruppe den ganzen Tag, übersetzt Referate, Diskussionen und Organisatorisches während dem Mittagessen. Außerdem möge sie internationale Projekte. Davon kann sie schon ein paar aufzählen: Mit dem Verein „Youth for Understanding“, reiste sie bereits nach Japan. Erst als Schülerin und später als Deutschlehrerin. „Man kommt beim Dolmetschen aktiv mit Menschen zusammen“, beschreibt sie ihre Leidenschaft.

Aktion West-Ost: Reise nach Sibirien

Wenn man eine Stadt besucht, nimmt man zunächst die oberflächliche Umgebung war, betrachtet Sehenswürdigkeiten und erfährt meist viel über die Geschichte. Doch was macht eine Stadt aus? Wie kann sich eine Stadt verändern? Und wer kann auf den Wandel Einfluss nehmen? Wie wirken sich Konsum und Religion auf das Bild einer Stadt aus? Diesen und weiteren Fragen will eine deutsch-polnisch-russische Gruppe in der sibirischen Stadt Tomsk nachgehen.

Am Wochenende hat das Projekt „Stadt – Miasto – Город“ der Aktion West-Ost, dem russischen Zentrum für interethische Zusammenarbeit und der polnischen Jugendgruppe Ermis in Sibirien begonnen. An der Bildungs- und Begegnungsreise nehmen Studenten aus Polen, Russland und Deutschland teil. Zwei Tage zuvor flog die deutsche Gruppe, gemeinsam mit Koordinatorin Hanna Teschner, über Berlin und Moskau nach Tomsk. Nach einem Tag zum Ausruhen, startete das pralle Programm im Sanatorium „Blauer Fels“ am Fluss Tom’. Weiterlesen