Faire Zahlen – Transfair veröffentlicht Jahresbericht zum Fairen Handel

Diese Woche hat der Transfair e.V., der in Deutschland für die Siegelung von Produkten mit dem Fairtrade Siegel zuständig ist, die Zahlen für 2014 veröffentlicht. Wieder sind der Umsatz und die Menge an Waren, die mit dem Fairtrade-Siegel gekennzeichnet sind, zweistellig gewachsen. 827 Millionen Euro gaben die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland für diese Waren aus, das sind 26 Prozent mehr als im Vorjahr.

Auch die abgesetzte Menge stieg um 44 Prozent an. Dabei gilt es nicht zu vergessen, dass quantitatives Wachstum nicht alles ist. Entscheidend für den Fairen Handel ist, dass sich die Lebens- und Arbeitsbedingungen für die Produzentinnen und Produzenten verbessern. Das wird an der Erhöhung der Fairtrade-Prämen um 30 % auf 12,3 Millionen Euro sichtbar. Diese erhalten die Erzeugerinnen und Erzeuger zusätzlich zu den Einnahmen aus dem direkten Verkauf.

Der Faire Handel ist ein langfristiges Projekt, in welchem sich der BDKJ schon seit mehr als 40 Jahren engagiert. Da ist es erfreulich zu sehen, dass es immer mehr Früchte trägt und der Faire Handel in der Gesellschaft angekommen ist. Zusammen mit anderen Jugendverbänden sehen wir uns als Begleiter und Wegbereiter des Fairen Handels. Immer wieder sind wir Innovator um faire Handelsbedingungen für die Länder des Globalen Südens zu unterstützen und zu verbessern. Deswegen hat der BDKJ vor 40 Jahren die GEPA mitgegründet und heute versuchen wir mit unseren Verbänden faire Kohle bekannt zu machen.

(Foto: TransFair e.V./Miriam Ersch)

(Foto: TransFair e.V./Miriam Ersch)

Fairer Handel ist für uns ein Teil des Kritischen Konsums. Darin wollen wir durch unser Einkaufsverhalten Zeichen setzen und Verbraucherinnen und Verbraucher, aber auch Kirche und andere Institutionen, dazu auffordern, Konsumentscheidungen zu treffen, die ökologische und soziale Verantwortung befördern. Und nicht zuletzt ist unser faires Handeln eine Mahnung an die Politik, sich für weltweit faire Handels- und Produktionsbedingungen einzusetzen.

Sag's weiter!

Lesen, nicken, sich gut vertreten fühlen

Mit bemerkenswerter Deutlichkeit und Offenheit hat die Deutsche Bischofskonferenz die zweite Umfrage zur Bischofssynode beantwortet. In der Zusammenfassung und Einordnung der Antworten aus Diözesen und Verbänden, die am Montag veröffentlicht wurde, kritisieren die Bischöfe deutlich die „lebensfernen Formulierungen“ des Fragebogens und beschreiben die Lebensrealität vieler Katholikinnen und Katholiken zwischen Ideal und Wirklichkeit gelebter Beziehungen.

Sie gehen dabei auch auf die Beziehungen junger Menschen ein, für die eine Ehe noch weit weg ist, und treten für eine „Weiterentwicklung der kirchlichen Sexualmoral im Rahmen einer Theologie der Liebe“ sowie die stärkere Würdigung der Gewissensentscheidung der Gläubigen ein. Die Weiterentwicklung der kirchlichen Sexualmoral wird auch in Hinblick auf eine Pastoral, die homosexuelle Menschen akzeptiert, als notwendig beschrieben. Die Bischöfe verweisen darauf, dass nur eine kleine Minderheit der deutschen Katholikinnen und Katholiken die Grenzen der kirchlichen Lehre kompromisslos ziehen und verteidigen will, und treten für eine echte Wertschätzung im Umgang mit Menschen ein, die nicht gemäß dem kirchlichen Eheideal leben können oder wollen.

Die Deutsche Bischofskonferenz hat die Gesamtantwort an das Synodensekretariat in Rom versandte Gesamtantwort der Deutschen Bischofskonferenz

Die Deutsche Bischofskonferenz hat die Gesamtantwort an das Synodensekretariat in Rom geschickt.

Alle Punkte, die wir in unserer Stellungnahme zur zweiten Umfrage ausgeführt haben, finden sich in dieser Rückmeldung der Bischöfe wieder. Das freut mich sehr und erfüllt mich mit Hoffnung. Wir fühlen uns mit dieser Antwort aus Deutschland auf der Weltbischofssynode gut vertreten und danken unseren Bischöfen für ihre Bereitschaft, sich auf die Perspektive aller Katholikinnen und Katholiken einzulassen, die bisher die volle Akzeptanz seitens ihrer Kirche vermisst haben.

Sag's weiter!

Hilfreich für das Leben statt Verboten

Mein Wunsch an die außerordentliche Bischofssynode

Wir sehen seit Jahren, dass die Kluft zwischen der kirchlichen Lehre und der Lebenswirklichkeit nicht nur der jungen Menschen in Bezug auf Beziehung und Partnerschaft immer größer wird. Dabei ist kirchliche Lehre dazu, was eine gelingende Beziehung ausmacht, immer noch für viele Menschen wichtig: Liebe und Treue, Respekt und Vergebung, ein festes gemeinsames Fundament und der Wunsch nach Kindern. Das ist für junge Menschen nicht unwichtig geworden. Aber die als kleinteilige Einmischung ins Privatleben empfundenen Verbote in Bezug auf Beziehung und Partnerschaft spielen im Leben der überwiegenden Mehrzahl der Katholikinnen und Katholiken keine Rolle mehr. Ja sie werden als Widerspruch zum christlichen Glauben verstanden: Als verantwortungslos, wo es um Empfängnisverhütung und den Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten geht, oder als ungerechtfertigte Diskriminierung von homosexuell liebenden Menschen, um nur zwei der meistdiskutierten Themen zu nennen. Nicht nur in diesen Punkten war die Online-Umfrage des BDKJ zu Ehe, Familie und Partnerschafteindeutig: Die als kleinliche Verbotsmoral empfundenen Einzellehren der Kirche zu Sex vor der Ehe, Verhütung oder Homosexualität werden von der großen Mehrheit der jungen Katholikinnen und Katholiken nicht nur nicht beachtet, sondern explizit abgelehnt.

Was wird das für die außerordentliche Bischofssynode bedeuten, die in diesen Tagen in Rom beginnt? Wird dieses Ergebnis mit allen Konsequenzen auf die Konferenztische kommen? Ich wünsche den Bischöfen und den geladenen Beraterinnen und Beratern Offenheit, sich diesem Befund zu stellen, und den Mut, um lebensnah darauf zu reagieren.

Wenn die Gläubigen beinahe geschlossen zu anderen Ergebnissen kommen als die kirchliche Lehre, dann ist das ja vielleicht einer der Fälle, in denen die Bischöfe der Herde folgen sollten, wie Papst Franziskus es in seinem Lehrschreiben ausgedrückt hat: „Darum wird er [der Bischof] sich bisweilen an die Spitze stellen, um den Weg anzuzeigen und die Hoffnung des Volkes aufrecht zu erhalten, andere Male wird er einfach inmitten aller sein mit seiner schlichten und barmherzigen Nähe, und bei einigen Gelegenheiten wird er hinter dem Volk hergehen, um denen zu helfen, die zurückgeblieben sind, und – vor allem – weil die Herde selbst ihren Spürsinn besitzt, um neue Wege zu finden.“ (Evangelii gaudium 31)

Wir sollten von unserem Glauben und unserer Hoffnung reden, von Liebe, Treue und wachsender Beziehung statt von Verboten. Wir müssen mit unserer Überzeugung Wege zu einer gelingenden Partnerschaft aufzeigen, anstatt zu lehren, was alles verboten ist. Die Lebenswirklichkeit der (jungen) Menschen, ihre Sehnsüchte und ihre Erfahrungen sollten unser Ausgangspunkt sein, nicht eine Verbotsmoral, die nur noch um sich selber kreist. Es macht mir Hoffnung, dass diese Bischofssynode so stark im Gespräch ist, dass sie selbst auch dialogischer ablaufen soll und wirklich die Kollegialität der Verantwortlichen in der Weltkirche zum Tragen bringen soll. Hilfreich ist auch, dass die Synode auf zwei Teile angelegt ist, um jetzt die Bestandsaufnahme und das Gespräch zu beginnen und erst in einem Jahr zu Empfehlungen an Papst Franziskus zu kommen. Das gibt uns allen die Gelegenheit, miteinander im Gespräch zu bleiben und die kirchliche Lehre zu einer, der Lebenswirklichkeit der Menschen von heute hilfreicher Wegbegleitung weiter zu entwickeln. Ich bin schon sehr gespannt auf den Verlauf.

2013-12-18_Vatikan-Umfrage__Bild_Melia_Shumaker_-_flickr.com_-_cc-by_2.0__-_Kopie

Link zur Onlineumfrage: http://www.bdkj.de/bdkjde/themen/vatikan-umfrage.html

 

Sag's weiter!