Souverän, überzeugt und hartnäckig: Jeanne d’Arc

In loser Reihe werden hier im Blog große geistliche Frauen vorgestellt. Dieses Mal schildert Cornelia Hansen, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Diversität an der KLJB-Bundesstelle,  was sie Jeanne d’Arc beeindruckt. Die Blog-Reihe ist initiiert vom BDKJ-Frauenpräsidium.

Sie ist die Nationalheldin Frankreichs. Eine junge Frau, aufgewachsen in einem einfachen Elternhaus im 100jährigen Krieg, die sich beherzt und unbeirrt gegen alle Autoritäten durchzusetzen versuchte. Ihre Siege verhalfen dem französischen Dauphin Karl zur Krönung in der Kathedrale von Reims, doch am Ende wurde sie Opfer eines politisch motivierten Prozesses und scheiterte an der starren Ordnung des mittelalterlichen Gesellschaftssystems. 1431 starb sie auf dem Scheiterhaufen in Rouen.

Jeanne D'Arc-Statue in Paris

Jeanne D’Arc-Statue in Paris

Das französische Königreich befand sich um 1425 in einer katastrophalen Situation: Die Engländer hielten den Nordwesten Frankreichs besetzt, in Paris herrschten Engländer und Burgunder gemeinsam. Der französische Thronfolger Karl hatte sich zum König ausrufen lassen, doch schien seine Krönung aussichtslos, da sich der traditionelle Krönungsort Reims in der Hand seiner Feinde befand. Die 16-jährige Jeanne verließ ihr Elternhaus in Domrémy und machte sich auf, die Feinde Frankreichs zu vertreiben. Mit fester Überzeugung, von Gott gesandt zu sein und großer Hartnäckigkeit gelang es ihr, vor Karl zu treten. „Ich heiße Jeanne die Jungfrau, und Euch tut der König des Himmels durch mich kund, dass Ihr in der Stadt Reims gesalbt und gekrönt werdet…“, soll ihn das Bauernmädchen angesprochen haben. Karl, der als schwach und entschlusslos galt, war tief beeindruckt von der unbeirrbaren Sicherheit, mit der Jeanne auf die Erfüllung ihres göttlichen Auftrages drängte. Er ordnete an, Jeanne mit Kriegsleuten und einem ehrenvollen Geleit nach Orléans zu schicken, um die Stadt von den Engländern zu befreien.

Tatsächlich gelang der jungen Frau der Sieg. Jeanne hatte damit das „Zeichen“ ihrer göttlichen Sendung gegeben. Ohne formelle Befehlsgewalt hatte sie die Truppen des Thronfolgers mit ihrer Glaubenskraft, ihrem Enthusiasmus und ihrem Sendungsbewusstsein zu einem Erfolg geführt, der mehr war als nur ein Sieg: Nach Jahren der Erniedrigungen und Niederlagen führte er eine entscheidende Wende im Hundertjährigen Krieg herbei. Weitere Schlachten folgten, bei denen es Jeanne gelang, Städte und Schlösser wieder unter die Herrschaft Frankreichs zu bringen. Und schließlich konnte am 17. Juli 1429 Karl in der Kathedrale von Reims zum König gekrönt werden.
Doch Jeannes d’Arcs Kriegsglück hielt nicht länger an: Der Angriff auf Paris scheiterte, ihr Einfluss auf König Karl III. schwand, ihre Neider gewannen die Oberhand. Als sie am 23. Mai 1430 in die Hände ihrer Feinde geriet, hoffte sie auf Rettung durch ihren König. Aber Karl tat nichts, um sie zu befreien. In Rouen wurde ihr der Prozess gemacht, man klagte sie der Hexerei, des Götzendienstes, des Umgangs mit Dämonen und der „gotteslästerlichen Gewohnheit, Männerkleidung zu tragen“ an. Am 30. Mai 1431 ließ die 19-Jährige auf dem Scheiterhaufen in Rouen ihr Leben. 1456 wurde auf Betreiben
Karls III. die Verurteilung Jeannes wieder aufgehoben. 1920 wurde die „Jungfrau von Orléans“ heiliggesprochen.

grosse geistl Frauen_symbolbildEs beeindruckt mich, wie Jeanne d’Arc für ihre „Lebensaufgabe“, eintritt: souverän, überzeugt, hartnäckig, furchtlos und gegen alle Autoritäten. Tragisch finde ich, wie sich das Blatt wendet, als der von ihr erwartete Erfolg endet. Sie verliert die Unterstützung des Mannes, dem sie zum größten Ruhm verholfen hat, und schließlich wird sie zum Tod verurteilt. Auf die heutige Zeit übertragen, schließe ich für mein Umfeld und mich daraus, dass es sich lohnt, für seine Überzeugung einzutreten, auch wenn andere Menschen meinen Enthusiasmus weniger teilen. Ich finde es wichtig für jedeN EinzelneN von uns, sich zu vergegenwärtigen: Ich weiß, dass ich selber mit meinem psychischen und physischen Können etwas bewegen kann, dass ich stark bin. Darüber hinaus
ist es hilfreich, Glück und Kraft zu „sammeln“, in Zeiten, in denen es uns gut geht. Denn dunkle Tage und Niederlagen kommen bestimmt, da werden die Vorräte gebraucht. Auch und gerade dann ist es in meinen Augen wichtig, weiterhin an sich selbst und das Wohlwollen der Menschen um uns herum zu glauben. In solchen Momenten ist es nicht einfach, sich das Gottvertrauen zu bewahren, aber es kann helfen. Umso mehr kann ich Verständnis dafür zeigen, wenn andere scheitern. Kurz und gut: Aus Fehlern von anderen und von mir lernen, hin und wieder einen Schritt über die eigenen Grenzen wagen und meinen Mitmenschen und mir etwas Gutes tun. Jeden Tag ein kleines Stück. Es lebe die
Kraft der Jeanne d’Arc.

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Expertinnen-Interview: Ehe – Was bedeutet das eigentlich?

Die Iren haben in großer Mehrheit dafür gestimmt, die Ehe für gleichgeschlechtliche Partner zu öffnen. Dabei ging es natürlich um die standesamtlich geschlossene Ehe. In der darauf folgenden Debatte wurden in Deutschland aber häufig die standesamtlich geschlossene und die kirchlich geschlossene Ehe in einen Topf geworfen. Beides sind Rechtsformen, aber der kirchliche Bereich unterscheidet sich deutlich vom staatlichen Bereich: Die Ehe bedeutet im Sinne des bürgerlichen Rechts etwas anderes als im theologisch-kirchenrechtlichen Sinne. Wir haben daher zwei Expertinnen befragt, um die verschiedenen Bedeutungen der Ehe aufzuzeigen.

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Dr. Maria Wersig beantwortet die Fragen mit Blick auf die Zivilehe, die auf dem Standesamt geschlossen wird.

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Dr. Gabriele Zinkl beantwortet die Fragen mit Blick auf die kirchlich geschlossene, sakramentale Ehe.

Was ist eine Ehe und wer kann eine Ehe eingehen?

Wersig: Die Ehe ist ein Rechtspaket, das der Staat bestimmten Menschen zur Verfügung stellt. Wer die Ehe eingeht, das ist ein Vertragsschluss mit einem staatlichen Mitwirkungsakt durch das Standesamt, hat eine Reihe von Rechten und Pflichten füreinander, auch über die Ehedauer hinaus. Sie hat auch Verfassungsrang, laut Art. 6 Abs. 1 GG steht sie unter besonderem Schutz des Staates. Was das genau bedeutet, darüber kann man streiten, zumindest kann man aber sagen, dass darin eine sogenannte Institutsgarantie zu lesen ist, die Ehe muss es also immer geben und sie darf auch nicht gegenüber anderen Formen des Zusammenlebens benachteiligt werden. Wie und in welcher Form die Ehe besser behandelt werden muss als andere Lebensweisen, darüber entscheidet der Gesetzgeber.

Man hat lange gedacht, dass die Beschränkung der Ehe auf Mann und Frau rechtlich zwingend sei. Obwohl in Art. 6 Abs. 1 GG nur „Ehe“ steht, wurde argumentiert, das Ehebild des Grundgesetzes gehe zwingend von einer Verschiedengeschlechtlichkeit der Ehegatten aus. Das wird heute selbst von konservativen Staatsrechtslehrern nicht mehr so vertreten. Man könnte also die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare öffnen. Dafür muss man das Grundgesetz nicht ändern.

Zinkl: Nach katholischem Verständnis ist die Ehe ein Bund, den eine Frau und ein Mann vor Gott und in der Kirche schließen. Damit geben sie sich das Versprechen für eine lebenslange Gemeinschaft, wie es in einer Formel der Trauungsliturgie heißt: „Vor Gottes Angesicht nehme ich dich an als meine/n Frau/Mann. Ich verspreche dir die Treue in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet. Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens.“

Zur Eheschließung müssen bestimmte formale Voraussetzungen erfüllt sein und es darf bei keinem der Partner ein Ehehindernis oder ein Mangel im Ehewillen vorliegen.

Welche Rechte sind mit einer Ehe verbunden?

Wersig: Eine ganze Menge. Im Sozialrecht beispielsweise werden an die Ehe bestimmte Privilegien geknüpft wie die kostenlose Mitversicherung für Ehepartner mit keinem oder geringem Einkommen in der Gesetzlichen Krankenversicherung oder die Hinterbliebenenrenten. Im Familienrecht die gemeinschaftliche Adoption. Im Steuerrecht das Ehegattensplitting. Im Strafrecht gibt es das Zeugnisverweigerungsrecht. Sie sehen, die Liste ist sehr lang.

Zinkl: Durch das gegenseitige Eheversprechen bei der kirchlichen Trauung hat jeder der Ehepartner in der Ehe das Recht, dass er/sie vom anderen geliebt, geachtet und geehrt wird, das heißt auch, dass man einander ein Leben lang treu ist. Das ist eine Aufgabe, der sich beide in der Ehe jeden Tag aufs Neue stellen dürfen und müssen, ein Leben lang.

Welche Pflichten sind mit einer Ehe verbunden?

Wersig: In erster Linie ist zu nennen die Pflicht zur ehelichen Solidarität. Ehepartner verpflichten sich, einander zu unterstützen und füreinander einzustehen. Sie begründen mit der Eheschließung gegenseitige Unterhaltspflichten, die auch nach der Ehe weiterbestehen können. Zum Beispiel, wenn ein Ehepartner gemeinsame Kinder betreut, keine Stelle findet oder sich weiterbilden muss. Die Unterhaltspflicht ist vorrangig vor staatlicher Unterstützung durch Grundsicherungsleistungen. Durch die Verpflichtung zu privater Solidarität wird der Staat also entlastet.

Zinkl: Die Rechte der beiden Ehepartner korrespondieren zu den Pflichten. Das ist das Besondere am Eheversprechen, das man sich gegenseitig gibt. Es ist kein einseitiger Vertrag, sondern beide versprechen sich einander, dass sie die Bedingungen gegenseitig und füreinander einhalten. Man verspricht dies aus Liebe, also dem bzw. der anderen zuliebe.

Was ist das Besondere an der sakramentalen Ehe?

Zinkl: Als Christen glauben wir daran, dass Christus diesen Ehebund der beiden Partner durch seine Gnade heiligt und stärkt. Deshalb ist die Ehe ein Sakrament, Zeichen der besonderen Nähe Gottes in der Gemeinschaft dieses Ehepaares. Die äußeren Zeichen des Sakramentes sind das hörbare Ja, das Versprechen der beiden Ehepartner, das Anstecken der Ringe, die Umwicklung der ineinander gelegten Hände der Brautleute mit der priesterlichen Stola als Bestätigung des Bundes. Zu diesen sichtbaren Zeichen der Feier gehören auch die Zeichen, die erst in der Ehe sichtbar werden. Das heißt: das wirkliche Eheleben, ausgerichtet am Evangelium Jesu Christi.

Was unterscheidet eine Ehe von nichtehelichen Lebensgemeinschaften und eingetragenen Partnerschaften?

Wersig: Die nichteheliche Lebensgemeinschaft hat auf das „Rechtspaket“ Ehe verzichtet. Das bedeutet nicht unbedingt, dass nicht ähnliche Pflichten auf solche Paare zukommen. Bei „Hartz IV“ zum Beispiel kann durchaus auch Einkommen eines Partners aus nichtehelicher Lebensgemeinschaft angerechnet werden, wenn das Paar schon lange zusammenlebt, Kinder hat oder gemeinsam wirtschaftet. Die allermeisten Privilegien der Ehe, zum Beispiel im Sozial- und Steuerrecht bleiben solchen Paaren aber verschlossen. Auch nach langjähriger Partnerschaft erhält eine unverheiratete Hinterbliebene, die die gemeinsamen Kinder nach dem Tod ihres Partners allein großziehen muss, zum Beispiel keine Witwenrente. Die eingetragene Lebenspartnerschaft unterschied sich bei ihrer Einführung ganz erheblich von der Ehe, die meisten Privilegien der Ehe wurden nicht auf sie erstreckt, obwohl die Pflichten sich nicht unterschieden. Der Europäische Gerichtshof und später auch das Bundesverfassungsgericht haben in mehreren Entscheidungen die Gleichbehandlung von Ehe und eingetragener Lebenspartnerschaft in vielen dieser Fragen erzwungen. Inzwischen bestehen nur noch wenige Unterschiede, zum Beispiel können eingetragene Lebenspartnerschaften nicht gemeinschaftlich Kinder adoptieren. Ein wesentlicher Kritikpunkt ist aber, dass es sich bei der eingetragenen Lebenspartnerschaft um ein Sonderrecht für eine bestimmte Gruppe handelt, sie also etwas anderes ist als die Ehe.

Zinkl: Im Verständnis der katholischen Kirche gibt es auf der Basis der biblischen Schöpfungsordnung eine Ehe nur zwischen einer Frau und einem Mann. Die Ehe zwischen zwei Getauften ist ein Sakrament. Die katholische Kirche erkennt aber auch eine (standes-)amtlich geschlossene Ehe zwischen zwei Nicht-Getauften als gültig an, da davon auszugehen ist, dass sie sich das Versprechen in bester Absicht gegeben haben, eine lebenslange Ehegemeinschaft einzugehen.

Das gegenseitige Versprechen von Frau und Mann ist kirchlicherseits Grundlage für die Ehe, deshalb kann die Anerkennung einer eingetragenen Partnerschaft zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Partnern in der Lehre der katholischen Kirche nicht zur Debatte stehen.

Kann eine Ehe aufhören zu existieren?

Wersig: Grundsätzlich dauert die Ehe lebenslang. Sie kann aber enden, im Regelfall passiert das durch die Scheidung. Dafür gibt es im Bürgerlichen Gesetzbuch Regelungen, kurz zusammengefasst funktioniert es so, dass zumindest eine/r der Ehegatten die Scheidung beantragt, sie muss dann durch gerichtlichen Beschluss erfolgen.

Zinkl: Das ist einmal der Fall, wenn einer der beiden Ehepartner stirbt; die gültige Ehe als Bund und Vertrag zwischen den beiden Partnern ist damit beendet, hat aber bis dahin existiert.

Das Ja-Wort bei einer kirchlichen Eheschließung hat einen entscheidenden Stellenwert, deshalb ist genau zu prüfen, ob bei der kirchlichen Trauung keine formalen Fehler vorliegen und ob jeder der Partner frei von einem Ehehindernis oder einem Mangel im Ehewillen ist. Wenn hier nach der Eheschließung Unsicherheiten auftreten, kann man das im Rahmen eines kirchlichen Ehenichtigkeitsverfahrens prüfen lassen. Wenn das kirchliche Ehegericht zum Urteil kommt, die Ehe wurde ungültig geschlossen, dann wird die Ehe annulliert. Die Ehe wird dann nicht einfach aufgelöst, sondern es wird per Urteil festgestellt, dass sie von vornherein – entgegen dem Anschein – doch nicht (gültig) zustande gekommen ist; sie hat also als gültige Ehe nie existiert.

Welchen Stellenwert haben Kinder in einer Ehe?

Wersig: Für die Gültigkeit oder den staatlichen Schutz, auf den Ehepaare Anspruch haben, spielt die Existenz von Kindern keine Rolle. Man kann also sagen, die kinderlose Ehe ist dem Staat genauso viel wert wie die mit Kindern. Historisch gesehen wurde lange Ehe mit Familie gleichgesetzt. Wenn man die Familie fördern wollte, konnte man die Ehe fördern. So erklären sich historisch auch viele Regelungen, die auf die Ehe beschränkt sind. Immer mehr sehen wir aber, dass Ehe und Familie nicht mehr notwendigerweise eine Einheit bilden.

Zinkl: Für die Lehre der Kirche zum Thema Ehe und Kinder hat das Zweite Vatikanische Konzil einen großen Fortschritt gebracht. Denn die Konzilsväter haben in „Gaudium et spes“ herausgestellt, dass eine Ehe einmal auf das „Wohl der Ehegatten“ und sekundär auf die „Zeugung und Erziehung von Nachkommen“ hingeordnet ist. Das heißt konkret, Ehe erhält nicht erst durch Kinder Sinn, sondern Kinder sind ein zusätzliches Geschenk im Bund der beiden Ehepartner. In einer Ehe muss jedoch eine prinzipielle Offenheit „für Kinder, die Gott Ihnen schenken will“, bestehen.

Was halten Sie von der Einschätzung von Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin, das Votum für die Eheöffnung in Irland sei eine „Niederlage für die Menschheit“?

Wersig: Das hat mich zutiefst betroffen gemacht. Der Tod von Menschen im Mittelmeer ist eine Niederlage für die Menschheit. Bei der Eheöffnung für gleichgeschlechtliche Paare geht es um etwas völlig anderes. Der Kampf um gleiche Rechte ist auch ein Kampf um Anerkennung und den Anspruch jedes Menschen, als gleich in Rechten und in Würde anerkannt zu werden. Wenn sich Staaten dafür entscheiden, gleiche Rechte zu verwirklichen, sollte das nicht auf Angriff auf die Familie oder gar die Menschheit betrachtet werden, für mich ist es das Gegenteil.

Zinkl: Pauschale Verurteilungen sind immer schwierig. Die Aussage des Essener Generalvikars Klaus Pfeffer ist für mich in dieser Situation persönlich hilfreicher.

Dr. Maria Wersig ist Vertretungsprofessorin für Recht an der Fakultät Diakonie, Gesundheit und Soziales der Hochschule Hannover. Sie ist Mitglied im Bundesvorstand des Deutschen Juristinnenbundes und hat über das Ehegattensplitting promoviert.

Dr. Gabriele Zinkl ist Kirchenrechtlerin und arbeitet als Vernehmungsrichterin für Ehenichtigkeitsverfahren. Sie ist ehrenamtliche Vizepräsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes e.V. (KDFB) und arbeitet als Vernehmungsrichterin für Ehenichtigkeitsverfahren in der Diözese Regensburg.

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Ester – eine junge Frau, die gegen Ungerechtigkeit kämpfte

In loser Reihe werden hier im Blog große geistliche Frauen vorgestellt. Dieses Mal schildert Theresa Schier, FSJ-Helferin im Bistum Erfurt, was sie an der Heiligen Ester beeindruckt. Die Blog-Reihe ist initiiert vom BDKJ-Frauenpräsidium.

Ester ist eine biblische Persönlichkeit. Sie lebte im 5. Jahrhundert vor Christus und ihre Lebensgeschichte könnte somit als sehr antik und realitätsfern betrachtet werden. Aber wenn man genauer hinsieht, vermittelt Esters Lebensweg eine sehr aktuelle Botschaft.
Doch wer war Ester? Was macht sie so besonders?

Ester wuchs als eine jüdische Waise bei ihrem Onkel Mordechai in der persischen Diaspora auf. Sie war ein ganz normales Mädchen bis zu dem Tag, als der herrschende König Xerxes seine Frau Waschti wegen Ungehorsam verbannte. Auf diese Handlung hin suchte der König im ganzen persischen Reich Mädchen zusammen, um dann die schönste von ihnen auszuwählen und sie zu seiner neuen Königin zu machen. Der König erwählte schließlich Ester zu seiner neuen Königin – aufgrund ihrer Schönheit.

Auch heute wird oft nur auf perfektes Aussehen und äußerliche Schönheit geachtet. Der Charakter eines Menschen wird fälschlicherweise oft nach seinem Aussehen beurteilt. Die innere Schönheit eines Menschen wird immer weniger geschätzt. So erging es auch Ester. Sie wurde zur Königin ernannt, weil sie schön war. Doch das war ihr persönlich nicht wichtig. Sie wollte mehr.

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Was wie ein Märchen begann, entpuppte sich schnell als ein goldener Käfig, in dem Ester vor Heimtücke, Hass und Einsamkeit nicht sicher war. Es kam eine Zeit, da beschloss der oberste Minister des Königs, die Juden auszurotten, weil sie viele Gesetze der Perser missachteten und ihren Gott verehrten, anstatt vor dem König und seinem Minister niederzufallen. In dieser schweren Zeit fand Ester ihre Bestimmung und die Aufgabe ihres Lebens. Sie lernte, ihren eigenen Weg zu gehen, den noch niemand vor ihr gegangen war. Sie hatte bisher verschwiegen, dass sie Jüdin war. Doch nun war die Freiheit ihres Volkes in Gefahr und sie nahm allen Mut zusammen, um vor den König zu treten. Die Zukunft des jüdischen Volkes lag in ihrer Hand. In dieser Zeit durfte niemand ungebeten vor den König treten, und Ester drohte damit die Todesstrafe. Doch sie gab nicht auf. Als sie dem König ihr Anliegen vortrug und das willkürliche Handeln des Ministers aufdeckte, war dieser erzürnt über seinen Minister. Der König selbst hasste die Juden nicht, sondern war ihnen sogar sehr dankbar, denn ein Jude hatte einst eine Verschwörung gegen ihn aufgedeckt und ihm somit das Leben gerettet.

Ester war mutig: Sie war eine Frau, die in ihrer Zeit vor einer schweren Entscheidung stand. Doch sie erhob ihre Stimme gegen die Ungerechtigkeit und riskierte damit ihr Leben. Sie kann für uns heute ein Vorbild sein. Wir können es schaffen, gegen die Ungerechtigkeiten in unserer Welt anzukämpfen, auch wenn es nicht immer einfach und bequem ist.

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Kunigunde von Luxemburg – Die heilige Kaiserin

In loser Reihe werden hier im Blog große geistliche Frauen vorgestellt. Dieses Mal gibt Claudia Gebele, BDKJ-Diözesanvorsitzende im Erzbistum Bamberg und Mitglied im Präsidium der Bundesfrauenkonferenz, einen Einblick in das Leben der Patronin des Erzbistums Bamberg.

Kunigunde von Luxemburg (* um 980 – … 3. März 1033) – Die heilige Kaiserin

Heute ist der Gedenktag von Kaiserin Kunigunde, der Patronin des Erzbistums Bamberg sowie der Schwangeren und kranken Kinder. Wenn von ihr gesprochen wird, dann wird sie zumeist in einem Atemzug mit ihrem Mann Kaiser Heinrich II. genannt. Beide waren zu ihren Lebzeiten ein außergewöhnliches Herrscherpaar – gebildet und sehr fromm. Sie traten für eine Kirchenreform ein, überzeugten durch ihre konsequente kirchliche Haltung und ihren Stiftungseifer.

In nahezu allen Schriften wird die Gründung des Bistums Bamberg Kaiser Heinrich II. zugeschrieben – jedoch ohne seine Frau Kunigunde wäre diese Gründung nie zustande gekommen.

grosse geistl Frauen_symbolbildKunigunde wurde als achtes Kind des Grafenpaares Siegfried von Luxemburg und Hadwig geboren und tritt erst mit ihrer Eheschließung um das Jahr 997 mit Herzog Heinrich III. von Bayern in Erscheinung. Sie bekommt von Heinrich Bamberg und seine Zugehörungen als sogenannte Morgengabe zur Hochzeit geschenkt. Nur ihr Verzicht auf diese Gabe – ihre Witwenversorgung – machte es möglich, dass 1007 das Bistum errichtet werden konnte.

Nach dem überraschenden Tod von Otto III. kämpft Kunigundes Mann um die Königsnachfolge und erlangt diese im Juli 1002. Die Umstände machten sie zur ersten Königin im Mittelalter, die in einer eigenen Zeremonie und an einem anderen Ort als ihr Mann gekrönt wurde. Zwölf Jahre später werden Kunigunde und Heinrich in Rom von Papst Benedikt VIII. gemeinsam als Kaiserpaar gesalbt.

Kunigunde ist noch heute im Bamberger Stadtbild präsent (Foto: BDKJ Bamberg)

Kunigunde ist noch heute im Bamberger Stadtbild präsent (Foto: BDKJ Bamberg)

Während der gesamten Zeit Heinrichs hat Kunigunde aktiven Anteil am Regierungshandeln, begleitet ihren Mann auf Kriegszügen, regiert zeitweise selbständig und sichert die Landesgrenzen. Sie nutzt ihre Möglichkeiten, um ihre Auffassungen umzusetzen und gewinnt das Vertrauen und die Zuneigung der Bevölkerung. Kunigunde wird als weise, klug, mutig und gerecht beschrieben und in nahezu der Hälfte der Bamberger Urkunden als Vermittlerin genannt. Die Überlieferung berichtet z.B.: Beim Bau des Doms wurden die Arbeiter folgendermaßen entlohnt: „Kunigunde ließ jeden Abend eine große Schale mit Geldmünzen aufstellen, aus der sich jeder Mann offen vor aller Augen so viel daraus nehmen konnte, wie er meinte, an diesem Tag ehrlich verdient zu haben.“

Kunigunde litt Zeit ihres Lebens unter ihrer Kinderlosigkeit. Die Legende berichtet, dass sich das Ehepaar für ein keusches Leben entschieden habe und dies bis zu ihrem Tod bewahrt hat.

Bei einem Aufenthalt am Königshof in Kaufungen erkrankte sie schwer und legte das Gelübde ab, ein Frauenkloster an diesem Ort zu gründen, wenn sie wieder gesund würde. Kunigunde hielt ihr Versprechen und gründete 1017 das Kloster Kaufungen, in das sie nach dem Tode ihres Mannes als einfache Nonne eintrat. Sie verzichtete dabei auf das mächtige Amt der Äbtissin, um dem Herrn einfach zu dienen.

Sie starb 1033 im Kloster und wurde erst Jahrhunderte später, wie es ihr Wunsch gewesen war, an der Seite ihres Mannes im Bamberger Dom bestattet. Am 29. März 1200 sprach Papst Innozenz III. Kunigunde von Luxemburg aufgrund ihres Lebens und Wirkens heilig.

Ihre weite Bekanntheit zeigt sich auch darin, dass der Name Kunigunde im späten Mittelalter vierthäufigster Mädchenname im deutschen Sprachraum war. Er kommt aus dem althochdeutschen und bedeutet passend zur historischen Kunigunde, „die für die Sippe Kämpfende“.

Kaiserin Kunigunde war für ihre Zeit eine wirklich mutige, entschlossene und selbständige Frau, die aus ihrem tiefen Glauben heraus ihr Leben in die Hand genommen hat – was in zahlreichen Legenden und Geschichten erzählt wird – und sich für andere Menschen einsetzte.

Literatur:

Freise-Wonka, Ch. (2006): Bamberger Frauengeschichten. 3. Auflage. Bamberg.

Hirschmann, F. G. und Maréchal, R. (2014): Die heilige Kaiserin Kunigunde von Luxemburg. Trier.

Schneidemüller, B. (2001): Kaiserin Kunigunde. Bamberger Wege zu Heiligkeit, Weiblichkeit und Vergangenheit. In: Bericht des Historischen Vereins Bamberg 137 (2001). S. 13-34.

Lesetipp:

Der Roman „Das Gelübde der Kaiserin“ von Eleonore Dehnerdt, erschienen am 28. August 2013 im SCM Hänssler Verlag, erzählt die Geschichte von Kunigunde von Luxemburg, einer außergewöhnlichen Herrscherin, deren Gottvertrauen schwer geprüft wird.

 

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Maria Ward – eine Kämpferin für ihre Überzeugung

In loser Reihe werden hier im Blog große geistliche Frauen vorgestellt. Dieses Mal schildert Priya George, Bundesleiterin der GCL-MF, welche Frau sie stark beeindruckt. Die Blog-Reihe ist initiiert vom BDKJ-Frauenpräsidium.

Art. 4 Grundgesetz

(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

In unserer Verfassung ist die Glaubens-, Gewissens-, und Bekenntnisfreiheit eines der wichtigsten Grundrechte. Jedoch muss man sich immer vor Augen halten, dass dieses heute mittlerweile fast schon selbstverständliche Recht nicht immer durch den Staat bzw. die Verfassung gewährleistet wurde.

Maria Ward wurde 1585 in England geboren, dass zu dieser Zeit von der anglikanischen Königin Elisabeth I. regiert wurde. Obwohl das Elisabethanische Zeitalter auch als Goldenes Zeitalter in die Geschichte einging, war es für Katholikinnen und Katholiken eine gefährliche Zeit. Es war ihnen nicht gestattet, ihren katholischen Glauben zu praktizieren. Falls sich Katholiken dem widersetzten, wurden sie verfolgt, inhaftiert und sogar hingerichtet.

Trotz der Gefahren, war Maria Wards Familie katholisch und viele Verwandte waren bereit für ihren Glauben zu sterben. Maria Ward verließ mit 21 Jahren das anglikanische England und trat in ein Kloster im heutigen Belgien ein.
Jedoch kehrte sie nach England zurück um neue Gefährtinnen zu finden und mit ihnen einen Orden zu gründen, der als Zufluchtsort für verfolgte Frauen aus England galt.
Grundlage der Gemeinschaft war die Lehre des Hl. Ignatius von Loyola, dem Begründer des Jesuitenordens.

grosse geistl Frauen_symbolbildDie junge Gemeinschaft sah es als ihre Aufgabe Mädchen und junge Frauen zu unterrichten, zu erziehen und in ihrem Glauben zu bestärken.
Allerdings wuchs durch die Ausbreitung der Gemeinschaft der Widerstand. Auch der Papst verweigerte Maria Ward die offizielle Gründung des Ordens.

Trotz der Widerstände in Kirche und Gesellschaft, blieb Maria Ward ihren Zielen treu, obwohl sie sich dem Urteil der Kirche unterwarf.
Ihre Gefährtinnen setzen ihr Werk fort und das von Maria Ward geründete Institut erhält 1877 päpstliche Anerkennung.

Maria Ward war eine Frau, die ihr Leben lang für ihre Überzeugungen kämpfen musste. Sie ließ sich weder von Königin Elisabeth, noch von Papst Urban VIII. abhalten, ihre Ideen umzusetzen und ihren Glauben zu leben.

Wir können von Maria Ward lernen, dass die Freiheiten, die uns durch Staat und Gesellschaft gegeben sind, nicht selbstverständlich sind und es sich lohnt jeden Tag für unsere Grundrechte einzustehen und sie zu verteidigen.

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Gemeinsam gegen das Vergessen

70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz treffen sich In Krakau und Auschwitz rund 150 Verantwortliche aus Jugendverbänden und -organisationen aus Deutschland, Israel, Polen, Tschechien und Österreich um gemeinsam gegen das Vergessen zu arbeiten. Dabei wird auch diskutiert, welche Rolle und Aufgaben Verantwortliche in Jugendorganisationen heute haben, aus den Verbrechen zu lernen. Der BDKJ-Bundesvorsitzende Wolfgang Ehrenlechner ist bei der Fahrt mit dabei und schildert uns kurz bevor es los geht seine Gedanken.

Wolfgang, in diesen Tagen jährt sich die Befreiung von Ausschwitz zum 70. Mal. Was bedeutet dieses Ereignis heute für uns?

Die Befreiug des Konzentrationslagers Auschwitz hat unvorstellbarer Grausamkeit ein Ende gesetzt. SoWolfgang schwer es auch ist, sich vorzustellen, was damals dort passiert ist, es ist wichtig, es sich immer wieder ins Bewusstsein zu rufen um sich auch der Verantwortung bewusst zu werden, die wir alle dafür tragen, damit so etwas nie wieder passiert. Mit Blick darauf, dass auch heute noch in vielen Teilen der Erde Menschen aufgrund ihres Glaubens oder ihrer Weltanschauung verfolgt werden, empfinde ich auch große Dankbarkeit, dass wir in Mitteleuropa seit 70 Jahren friedlich zusammenleben.

 

Wie wichtig ist die Erinnerungsarbeit für den BDKJ?

Ich halte es für sehr wichtig, aus der Geschichte für heute und morgen zu lernen. Entsprechend ist es auch für den BDKJ wichtig, da es in der Arbeit der katholischen Jugendverbände immer um die Zukunft gehtUm die Zukunft und Perspektiven von heutigen und zukünftigen Kindern und Jugendlichen. Und die Befähigung, dass auch sie Verantwortung in der Welt übernehmen und ihren Beitrag zu einer offenen und freien Gesellschaft leisten.

Mit welchen Erwartungen fährst Du zu dem Treffen?

Ich bin neugierig. Ich fahre dort mit einer deutschen Perspektive hin. Also als ein Mensch, der zwar keine persönliche Verantwortung trägt für die Verbrechen, die damals im Namen des Deutschen Reichs verübt wurden, aber als jemand, der aus dem Land der damaligen Täter stammt. Ich bin gespannt, die Perspektive der jungen Israelis und Polinnen und Polen kennenzulernen, die Gefühle, die sie mit diesem Ort verbinden, der symbolisch wie kein anderer für den Holocaust steht. Der größte Teil des Programms findet ja in Krakau statt. Was den Besuch der Gedenkstätte in Auschwitz betrifft, habe ich gemischte Gefühle. Es wird mein erster Besuch dort sein. Im Moment schnürt mir alleine der Gedanken, dann an dem Ort zu sein, an dem so viele Menschen bestialisch ermordet wurden, die Kehle zu.

Mehr Infos unter: http://www.dbjr.de/dbjr-info/artikel/detail/70-jahre-nach-auschwitz-gemeinsam-fuer-eine-vielfaeltige-gesellschaft.html

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Regina Jonas – Die erste Rabbinerin der Welt

In loser Reihe werden hier im Blog große geistliche Frauen vorgestellt. Dieses Mal schildert Yvonne Everhartz, Referentin für Jugendpolitik, Mädchen- und Frauenpolitik und Genderfragen des BDKJ, welche Frau sie stark beeindruckt. Die Blog-Reihe ist initiiert vom BDKJ-Frauenpräsidium.

„Fähigkeiten und Berufungen hat Gott in unsere Brust gesenkt und nicht nach dem Geschlecht gefragt. So hat ein jeder die Pflicht, ob Mann oder Frau, nach den Gaben, die Gott ihm schenkte, zu wirken und zu schaffen.“ (Regina Jonas, 1938)

Gedenktafel Regina Jonas_3Ein Neubau steht heute in der Krausnickstraße 6 im Berliner Stadtteil Mitte, nicht weit von unserem BDKJ Büro in der Chausseestraße. Ich würde sicher immer noch achtlos dort vorbei gehen, wäre mir nicht irgendwann die dort hängende Gedenktafel aufgefallen. Sie erinnert an Regina Jonas – „Die erste Rabbinerin der Welt“ – wie es auf der Tafel heißt.

Regina Jonas wurde 1902 in Berlin in ein streng religiöses Elternhaus geboren. Sie wuchs mit ihrem Bruder im Scheunenviertel auf und studierte an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in der heutigen Tucholskystraße. Im damaligen Hochschulgebäude hat heute der Zentralrat der Juden in Deutschland seinen Sitz. Da ihre Familie sie im Studium nicht finanziell unterstützen konnte, gab Regina Jonas Unterricht an verschiedenen jüdischen Schulen und verdiente so Geld für ihre Ausbildung. Ihr erklärtes Ziel war es, Rabbinerin zu werden. Ihre Abschlussarbeit trug den Titel „Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?“. Dass sie es bekleiden konnte, wurde ihr 1935 in ihrem Diplom bestätigt. So wurde Regina Jonas die erste Rabbinerin der Welt.

Regina Jonas beeindruckt mich. Durch die Straßenzüge in Berlin zu gehen, in denen sie aufgewachsen ist, bewegt mich – gerade in diesen Tagen. Auch Regina Jonas wurde 1942 mit ihrer Mutter nach Theresienstadt verschleppt und 1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet. Wenn sich am 27. Januar 2015 der Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz zum 70. Mal jährt und wir der Opfer des Holocausts gedenken, sind meine Gedanken und Gebete bei ihr und allen Opfern des menschenverachtenden nationalsozialistischen Regimes.

Regina Jonas hatte schon früh in ihrem Leben ein Ziel, das ihr damals vermutlich zunächst unerreichbar erschien: dass eine Frau Rabbinerin werden könnte, war undenkbar. Sie aber war überzeugt davon, dass Frauen und Männer zwar unterschiedliche Begabungen und Charismen besitzen, sich daraus aber nicht ein Privileg für Männer zur Bekleidung geistlicher Ämter ableiten ließe. Vielmehr füllten Frauen und Männer diese Ämter einfach entsprechend ihrer Begabungen unterschiedlich aus. Mit ihrer Zielstrebigkeit und ihrer Einstellung zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist sie mir eine große Inspiration.

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Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai: Stärker als die Angst

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In loser Reihe stellen Mitglieder des Frauenpräsidiums hier im Blog große (geistliche) Frauen vor, die sie stark beeindrucken. Dieser Beitrag stammt von Gesa Grandt, BDKJ-Diözesanvorsitzende in Erzbistum Hamburg und Mitglied im Präsidium der Bundesfrauenkonferenz.

Am 10. Oktober wurde bekannt, dass Malala heute in Oslo der Friedensnobelpreis verliehen wird. Seitdem habe ich es schon mehrfach an Frauen in meinem Umfeld verschenkt: Das Buch „I am Malala: The Girl Who Stood Up For Education And Was Shot By The Taliban.“

Nun habe ich es mir endlich selbst gekauft und hoffe, möglichst bald die Zeit zum Lesen zu finden. Mit dem Buch in der Hand stehe ich vor dem Nobel Peace Center am Rådhusplassen in Oslo. Die Ausstellung über die diesjährigen Friedensnobelpreisträger_innen – Malala Yousafzai und Kailash Satyarthi – wird gerade aufgebaut. Bereits 2011 habe ich mich gefreut, dass mit Tawakkol Karma, Ellen Johnson Sirleaf und Leyman Gbowee gleich drei Frauen mit beeindruckendem Engagement für den Frieden den Preis erhielten.

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25 Jahre Mauerfall: Von grauen Flecken auf der Landkarte und neuen Mauern in der Welt

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer und die innerdeutsche Grenze wurde geöffnet. Stefan Malik (Referent für Freiwilligendienste) und Yvonne Everhartz (Referentin für Jugendpolitik, Mädchen- und Frauenpolitik und Genderfragen) sprechen 25 Jahre danach über das Aufwachsen in Ost und West, kleine und große Freiheiten und heutige Grenzen. Yvonne ist 1985 bei Aachen geboren und dort aufgewachsen, Stefan wurde 1978 in Halberstadt geboren und ist dort aufgewachsen. Heute arbeiten sie gemeinsam im Berliner Büro der BDKJ-Bundesstelle.

Ihre Geburtsorte trennen fast 500 Kilometer, wenn sie sich heute über den Mauerfall austauschen wollen, brauchen sie nur über den Flur im Berliner BDKJ-Büro.

Ihre Geburtsorte trennen fast 500 Kilometer, wenn sie sich heute über den Mauerfall austauschen wollen, brauchen sie nur über den Flur im Berliner BDKJ-Büro.

Yvonne: Ich habe ja bei Diskussionen zu diesem Thema schon häufiger gemerkt, dass es in unserer Kindheit zumindest einen großen Unterschied gab: Was war als Kind deine Lieblingssendung im Fernsehen?

Stefan (lacht): Als ich geboren wurde hatten meine Eltern noch gar keinen Fernseher. Später gab es dann einen Schwarzweiß-Fernseher und ich habe gern den „Sandmann“ geguckt. Fernsehen war auf jeden Fall immer eine Gemeinschaftssache bei uns zu Hause, als ich älter war, haben wir auch zusammen westdeutsche Serien wie „Lindenstraße“ und „Schwarzwaldklinik“ geguckt. Bei uns konnte man das ganz gut empfangen.

Yvonne: Bei uns konnten wir gut holländisches Fernsehen empfangen. Das fand ich aber erst später spannend, weil da viele Filme im Original laufen. Als Kind habe ich gern Sesamstraße geguckt

Stefan: Oh, die mochte ich auch!

Yvonne: Und die „Sendung mit der Maus“! Die mag ich heute noch. Und was hast du als Kind gern gespielt?

Stefan: Wir waren als Kinder ganz viel bei uns im und um das Wohngebiet unterwegs. Ich bin mit Freundinnen und Freunden und den Fahrrädern raus aus dem Viertel in den Park und dann am liebsten Klettern in den Bäumen. Wichtig war uns außerhalb des Sichtfelds unserer Eltern zu sein.

Yvonne: So was hab ich auch gemacht. Wir waren bei uns in der Nähe auf dem Spielplatz oder auch im Wald unterwegs. Bei mir zu Hause nannte man das „ströfen“: im Wörterbuch wird das mit „(abenteuerlustig) herumstreifen“ übersetzt, das passt finde ich ganz gut.

Der Herbst 1989

Yvonne: Wie hast du denn von den ganzen Ereignissen im November 1989 erfahren?

Stefan: Irgendwie hatte ich schon früher im Herbst mitbekommen, dass irgendwas im Busch war. Ich war mit meinem Vater auch bei einigen Montagsdemos in Halberstadt dabei. Meistens mit vielen Leuten aus unserer Gemeinde. Da lag damals was in der Luft, ich hab obwohl ich ja erst 11 Jahre alt war gemerkt, dass diese Demos anders waren, als beispielsweise die am 1. Mai. Dass die Grenze offen ist, haben meine Eltern mir morgens am 10. November 1989 erzählt. Auf dem Schulweg habe ich mit einem Klassenkameraden gleich überlegt wo wir jetzt hinreisen können. Das fanden wir toll.

Yvonne: Wahnsinn, das waren eure ersten Überlegungen? Ganz schön weitsichtig! Und wo wolltest du hinreisen?

Stefan: Das weiß ich nicht mehr, aber es war irgendwas in Europa. Vielleicht in die Berge oder nach Frankreich ans Meer. Wir wollten die grauen Flecken auf der Karte aus dem Geographie-Unterricht füllen. Wie war das bei dir?

Yvonne: Ich habe das tatsächlich im Fernsehen gesehen. Ich war damals vier und meine Eltern haben im Fernsehen die Demonstrationen und den Mauerfall gesehen. Aber zu diesem Zeitpunkt war das für mich sehr weit weg. Ich bin ja direkt neben Holland und Belgien aufgewachsen. Das war viel konkreter, auch wenn ich diese Ländergrenzen nie als Grenzen wahrgenommen habe. Außerdem ist 1989 mein Bruder geboren, das war mein großes Ereignis in diesem Jahr.

Stefan: Hat sich denn in deinem Leben zum Beispiel in der Schule irgendwas verändert?

Yvonne: Ich hatte einige Zeit später eine neue Klassenkameradin: Amelie. Die ist mit ihrer Familie aus Greifswald zu uns in den Ort gezogen und Amelie ging dann in meine Klasse und wurde meine Freundin. Allerdings hat es bei uns beiden nie eine Rolle gespielt wo sie her kam, außer dass das etwas weiter weg war. Bei dir gab es vermutlich mehr Veränderungen, oder?

Stefan: Ja. Unser ganzes Schulsystem wurde weitgreifend verändert. Aus der „polytechnischen Oberschule“, an der ich mich befand, wurde im Laufe des Jahrgangs 1989/90 ein Gymnasium. Wir bekamen neue Fächer, neue Schulbücher und natürlich neue Landkarten – ohne graue Flecken.

Begegnungen mit Ost- und Westdeutschland

Stefan: Wann warst du denn das erste Mal in Ostdeutschland?

Yvonne: Als ich das erste Mal in Berlin war. Da war ich so 17 Jahre alt. Vorher hab ich Ostdeutschland nur über die DDR als geschichtliches Ereignis und aus den Medien gekannt. Die prominenteste „Mauer“ in meiner direkten Umgebung war der Westwall, über den wusste ich mehr als über die Berliner Mauer. Jetzt lebe ich seit zehn Jahren hier in Berlin und wechsle täglich zwischen Ost und West.Und wann warst du das erste Mal im Westen?

Stefan: Ende November 1989. Da sind wir mit der Familie nach Wolfenbüttel gefahren. Obwohl das nur 70 km entfernt lag, haben wir für die Hin- und Rückfahrt über 5 Stunden gebraucht. Das lag sicherlich auch an den damaligen Straßenverhältnissen, vor allem aber an den tausenden Menschen, die zu ihren ersten Besuchen im Land hinter der Grenze unterwegs waren. Wir sind dann dort auf dem Weihnachtsmarkt gewesen und haben uns von einem Teil unseres Begrüßungsgeldes – welches mein Vater erst gar nicht abholen wollte – Süßigkeiten gekauft. Den Rest haben wir gespart. Außerdem habe ich da ein „Mickey Maus“-Heft geschenkt bekommen, zusammen mit einem Sonderheft „Oliver & Co“, das ich noch ganz lange aufbewahrt habe. Als ich viel später das erste Mal in Berlin war, war die Mauer schon komplett weg. Als ich dann hier studiert habe, hab ich mich im Studium und in der Katholischen Studierenden Gemeinde noch mal intensiver mit der Wende und den historischen Ereignissen beschäftigt.

Yvonne: Ja, ich habe auch im Studium zwei Seminare dazu belegt. In einem haben wir damals eine ganze Sitzung lang darüber diskutiert, mit welchen Begriffen man über die Ereignisse damals spricht und was das bedeutet. Sagt man „Wende“, „Mauerfall“, „Herbst 1989“ und spricht man später von „Einheit“, „Wiedervereinigung“ oder sagt man etwas ganz anderes. Das fand ich damals eine sehr anstrengende Diskussion, weiß aber heute wie wichtig die Wortwahl ist.

Stefan: Ich sage in der Regel „Wende“. Das liegt auch daran, dass das eine Wende in meinem Leben war und meine Erinnerung auch in „vor und nach der Wende“ geteilt ist.

Die große Freiheit

Yvonne: Was macht heute den größten Unterschied für Kinder und Jugendliche in Deutschland, verglichen mit deiner Kindheit in der DDR aus?

Stefan: Die Freiheit überall hin zu reisen! Ich war mit 14 das erste Mal im Ausland, in Österreich. Meine Tochter ist mit ihren gerade einmal dreieinhalb Jahren schon in fünf Ländern gewesen! Reisen bringt einen unglaublichen Weitblick und ein viel größeres Selbstverständnis für kulturelle Unterschiede. Ich hoffe, dass diese Erfahrungen bei meiner Tochter auch zu einer größeren Freiheit im Denken führen, als bei mir als Kind.

Yvonne: Dann würdest du die Möglichkeit unbegrenzt zu reisen sicher auch als größte Freiheit in deinem heutigen Leben bezeichnen, oder? Was war als Kind deine größte Freiheit?

Stefan: Ja, heute definitiv Reisen. Als Kind dieses mit den Nachbarskindern nachmittags unterwegs zu sein, und zwar ohne Erwachsene. Das was du „ströfen“ nennst.

Heutige Grenzen

Stefan: Welche Grenzen erscheinen dir heute besonders wirkmächtig?

Yvonne: Die Grenzen nach Europa beziehungsweise in die Europäische Union. Wenn auf dem Euromaidan in der Ukraine Menschen für europäische Freiheiten auf die Straße gehen, bekomme ich Gänsehaut. Wenn ich höre, dass wieder ein Boot mit Geflüchteten vor Europas Küsten gesunken ist, werde ich wütend. Vor allem, wenn ich dann die Reaktionen in der deutschen Politik höre – kein Mensch flieht ohne Grund!

Stefan: Ich habe auch als ich 2000 in Israel war gemerkt, wie tief die Gräben zwischen den Bevölkerungsgruppen dort empfunden werden und war schockiert als dort Jahre später eine Mauer gebaut wurde. Ich wünsche mir wirklich, dass wir dort irgendwann einen langwährenden Frieden erleben.

Yvonne: Und wie blickst du heute auf die Ereignisse vor 25 Jahren zurück? Findest du, dass wir einen guten Umgang mit diesem Teil unserer Geschichte haben?

Stefan: Ich würde mir manchmal mehr Wertschätzung für die Ereignisse vor 25 Jahren wünschen und vor allem natürlich für die Menschen, die dafür gestritten haben. Gleichzeitig müssen wir aber noch ehrlicher darüber reden, wie wir mit denen umgehen, die Unrecht getan haben. Das ist nicht immer einfach.

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Warum wir für den gemeinsamen Jugendkanal sind

In wenigen Tagen beraten die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten erneut über den gemeinsamen Jugendkanal von ARD und ZDF. Warum wir den für wichtig halten, haben wir in diesem Brief an sie festgehalten.   

Sehr geehrte Ministerpräsidentin, sehr geehrter Ministerpräsident,

wenn Sie Mitte Oktober über den gemeinsamen Jugendkanal von ARD und ZDF beraten, können Sie eine zukunftsweisende Entscheidung für das Medienangebot von jungen Menschen in Deutschland treffen. Wir möchten Ihnen mit diesem Schreiben gerne darlegen, warum wir ein solches öffentlich-rechtliches Angebot für begrüßenswert und erforderlich halten.

Junge Menschen sind konfrontiert mit einer vielfältigen Medienlandschaft mit einem breiten Angebot an analogen und digitalen Angeboten. Ein eigener Kanal für ihre Bedürfnisse, der eine Plattform für ein abwechslungsreiches, unterhaltsames und gesellschaftlich-relevantes Programm bietet, fehlt bisher.

Ein gutes, auf Jugendliche ausgerichtetes Programm bietet Möglichkeiten der Selbstreflexion und Anknüpfungspunkte zur Entwicklung eigener Positionen. Im Sinne des öffentlich-rechtlichen Auftrags regt er zu Meinungsbildung und Teilhabe an und vermittelt demokratische Werte und ethisch-moralische Grundsätze ohne von einer Mehrheitsmeinung überzeugen zu wollen. Das von ARD und ZDF angestrebte Programm für junge Menschen, die sich in einer Lebensphase der Orientierung befinden, kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. Dazu ist es wichtig, dass relevante Themen jungendgerecht und crossmedial aufbereitet werden.

Als Digital Natives sind dieser Generation moderne Kommunikationsformen vertraut. Der selbstbestimmte Umgang mit Medienangeboten, insbesondere auch mit denen des Web 2.0, sind Teil der Lebenswirklichkeit junger Erwachsener. Inhalte werden mit verschiedenen Endgeräten und nicht zwangsläufig linear konsumiert. Ein neu geschaffener Jugendkanal sollte diesem Mediennutzungsverhalten Rechnung tragen und zu einem gewissenhaften Medienkonsum ermutigen. Die Konzeption des Jugendkanals bietet die Chance junge Menschen mit ihren originären Wünschen und Bedürfnissen an ein Medienangebot von Anfang partizipativ miteinzubeziehen. Das Jugendprogramm bietet so die Möglichkeit innovative Formate zu entwickeln.

Abgesehen von den Vorteilen und Möglichkeiten, die ein eigener Jugendkanal hervorrufen würde, liegt es in der Verantwortung der öffentlich-rechtlichen Sender auch im Hauptprogramm auf die Bedürfnisse und Wünsche des jungen Publikums einzugehen.

Wir möchten Sie inständig bitten Ihre Position zum geplanten Jugendkanal zu überdenken und verbleiben mit freundlichen Grüßen

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