rein redaktionell
| Antrag: | Freiwilligkeit stärken – keine Rückkehr zur Wehrpflicht |
|---|---|
| Antragsteller*in: | Antragsteller*innen (KLJB, KjG, Kolpingjugend, DV Limburg) (dort beschlossen am: 12.01.2026) |
| Status: | Geprüft |
| Eingereicht: | 13.01.2026, 08:38 |
| Antrag: | Freiwilligkeit stärken – keine Rückkehr zur Wehrpflicht |
|---|---|
| Antragsteller*in: | Antragsteller*innen (KLJB, KjG, Kolpingjugend, DV Limburg) (dort beschlossen am: 12.01.2026) |
| Status: | Geprüft |
| Eingereicht: | 13.01.2026, 08:38 |
Angesichts der Zeitenwende, die durch den russischen Angriffskrieg gegen die
Ukraine und die damit einhergehende akute Bedrohung des Friedens in Europa
eingeleitet wurde, sowie mit Blick auf die zunehmend volatile weltpolitische
Lage, geraten Fragen der nationalen und europäischen Sicherheitspolitik
verstärkt in den Fokus[1]. Hinzu kommen autoritäre und militärische Dynamiken
sowie ein spürbarer Rechtsruck in vielen Teilen Europas, die den
gesellschaftlichen Zusammenhalt und die demokratischen Werte massiv
herausfordern.[2] In dieser Situation wird die Debatte um die Reaktivierung der
allgemeinen Wehrpflicht und die Einführung eines zivilen oder sozialen
Pflichtdienstes in Deutschland wieder mit großer Intensität geführt.[3]
Vor diesem Hintergrund erscheint es uns notwendig, unsere friedensethische
Orientierung deutlich zu machen. Daher bekräftigen wir in der Debatte weiterhin
unsere friedensethische Haltung: Als Christ*innen und Europäer*innen stehen wir
für Demokratie, Menschenrechte und einen gerechten, nachhaltigen Frieden ein,
der auf der Friedensordnung der Vereinten Nationen, gewaltfreier Konfliktlösung,
der Wahrung staatlicher Souveränität, internationaler Zusammenarbeit sowie der
Umsetzung der Agenda 2030 beruht.[4]
Als Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) begrüßen wir, dass der
Deutsche Bundestag keine Reaktivierung der Wehrpflicht beschlossen hat und das
ein erneutes parlamentarisches Verfahren notwendig ist, um über die
Notwendigkeit der Einführung der sogenannten „Bedarfswehrpflicht“ zu
entschieden. Wir fordern, weiterhin auf die Freiwilligkeit der jungen Menschen
zu setzen und sprechen uns gegen eine Reaktivierung der allgemeinen Wehrpflicht
und gegen jede Form von zivilem oder sozialem Pflichtdienst aus. Wir sind
überzeugt davon, dass Sicherheit, Frieden und gesellschaftlicher Zusammenhalt
nicht durch Pflichtdienste, sondern durch freiwilliges, werteorientiertes
Engagement, politische Beteiligung und demokratische Bildung entstehen.
Notwendige Verteidigungsfähigkeit ist auch ohne allgemeine Wehrpflicht möglich.
Erfahrungen und empirische Erkenntnisse zeigen, dass sich eine leistungsfähige
Bundeswehr durch Freiwillige, Reservist:innen sowie durch attraktive,
sinnstiftende und verlässliche Rahmenbedingungen aufbauen lässt. Viele junge
Menschen entscheiden sich insbesondere dann für einen Dienst, wenn sie diesen
als gesellschaftlich sinnvoll erleben, Mitgestaltungsmöglichkeiten haben und
sich mit den Werten des Dienstes identifizieren können. Aus jugendpolitischer
Sicht ist ein solcher freiwilliger, überzeugungsbasierter Zugang nachhaltiger
und wirksamer als jede Form von Verpflichtung.[5]
Wir setzen uns für eine starke und resiliente Gesellschaft ein. Dazu gehört für
uns die Stärkung von freiwilligen Engagement in Zivilgesellschaft,
Katastrophenschutz und auch in der Bundeswehr. In der aktuellen Debatte sind uns
folgende Aspekte wichtig:
Trotz unserer klaren Haltung, die Pflichtdienste grundsätzlich ablehnt,
formulieren wir aufgrund der aktuellen Debatte zusätzliche Forderungen an die
Bundesregierung für den Fall einer Reaktivierung der allgemeinen Wehrpflicht
oder Einführung der sogenannten Bedarfswehrpflicht.
Die Ausgestaltung muss möglichst gerecht, freiheitswahrend und
verantwortungsvoll erfolgen. Unsere Position gründet auf einer über 70jährigen
Befassung mit friedensehtischen Fragestellungen sowie einer jahrezehntelangen
Auseinandersetzung mit zivilgesellschaftlichen und militärischen Diensten aus
jugend- und gesellschaftspolitischer Perspektive. Vor diesem Hintergrund haben
wir eine klare Haltung entwickelt. Folgende Aspekte müssen in der aktuellen
Debatte Berücksichtigung finden:
Unser Träger verfügen über langjährige Erfahrung in der Ausgestaltung und
Begleitung von Freiwilligendienstleistenden. Neben der Durchführung von
Bildungs- und Begleitseminaren entwickeln und erproben wir seit vielen Jahren
Formate, die junge Menschen in ihrer persönlichen, sozialen und spirituellen
Entwicklung unterstützen.
Mit der aktion kaserne haben wir zudem ein spezielles Angebot für junge
Soldat*innen in der Bundeswehr geschaffen. Diese Initiative ermöglicht es,
Themen wie Werteorientierung, Partizipation und Verantwortungauch im
militärischen Kontext zu fördern. Diese Erfahrung bringen wir in den zukünftigen
Diskurs und die Ausgestaltung ein.
Wir fordern die Mitglieder des deutschen Bundestages, insbesondere den
Bundesverteidigungsminister und den Bundeskanzler dazu auf, die Perspektive
junger Menschen ernst zu nehmen und entsprechend zu berücksichtigen. Wir fordern
die Bundesjugendministerin zudem dazu auf, sich in allen Anliegen, die
insbesondere junge Menschen betreffen, sich für diese einzusetzen und eine
starke Stimme für sie im Bundeskabinett zu sein.Wir fordern die Deutsche
Bischofskonferenz auf, ihre im Oktober 2025 beschlossene Erklärung zur
Wehrdienstdebatte[11] verstärkt in die politische Diskussion einzubringen und
sich entsprechend für friedensethische Perspektiven, Menschenrechte, globale
Gerechtigkeit und die Rechte junger Menschen einzusetzen.
Wir sind davon überzeugt, dass junge Menschen ihr volles Potenzial entfalten
können, wenn sie sich aus eigenem Antrieb engagieren. Gerade wenn
Verteidigungsfähigkeit notwendig ist, bleibt Freiwilligkeit und Stärkung von
jungen Menschen in einer Demokratie klug und erstrebenswert. Wenn diese durch
die entsprechenden Rahmenbedingungen[12] gefördert werden, ergeben sich
nachhaltige Anreize für langfristiges freiwilliges gesellschaftliches
Engagement.
[1]https://www.tagesschau.de/thema/ukraine
[2]https://www.deutschlandfunk.de/rechtspopulismus-rechtsextremismus-europa-
rechtsruck-100.html; https://www.tagesschau.de/ausland/europa/eu-populismus-
rechtsruck-100.html;
[3]https://www.youtube.com/watch?v=Si3oSLYS6OU;
https://www.tagesschau.de/thema/wehrpflicht
[4] “Menschen schützen – Gewalt überwinden – Frieden nachhaltig stärken”,
Beschluss der BDKJ-Hauptversammlung 2023.
[5]https://theconversation.com/recruiting-for-the-modern-military-new-research-
examines-why-people-choose-to-serve-and-who-makes-the-ideal-soldier-209332 und
https://zms.bundeswehr.de/de/publikationen-ueberblick/studie-bewerbung-soldat-
soldatin-5621970-5621970
[6] „Generationengerechtigkeit als Kompass politischer Verantwortung“, Beschluss
der BDKJ-Hauptversammlung 2024; „Jugend beteiligen jetzt!“, Beschluss der BDKJ-
Hauptversammlung 2019.
[7] „Rechtsanspruch auf Förderung eines Freiwilligendienstes“, Beschluss der
BDKJ-Hauptversammlung 2024.
[8] „Generationengerechtigkeit als Kompass politischer Verantwortung“, Beschluss
der BDKJ-Hauptversammlung 2024; „Jugend beteiligen jetzt!“, Beschluss der BDKJ-
Hauptversammlung 2019.
[9] „Rechtsanspruch auf Förderung eines Freiwilligendienstes“, Beschluss der
BDKJ-Hauptversammlung 2024.
[10] „Generationengerechtigkeit als Kompass politischer Verantwortung“,
Beschluss
der BDKJ-Hauptversammlung 2024; „Jugend beteiligen jetzt!“, Beschluss der BDKJ-
Hauptversammlung 2019.
[11]https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2025/2025-
167a-Erklaerung-zur-Debatte-um-den-Wehrdienst-Wortlaut.pdf
[12] „Rechtsanspruch auf Förderung eines Freiwilligendienstes“, Beschluss der
BDKJ-Hauptversammlung 2024; “Ehrenamt anerkennen – Engagement fördern und
würdigen”, Beschluss der DBJR-Vollversammlung 2017.
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