Familie ist ein Gefühl

Die Bischofssynode in Rom steht unter dem Thema „Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“ . Wir haben junge Menschen gefragt, wie ihr persönlicher Blick auf Familie ist, wie sie Familie leben und was ihnen wichtig ist. Bei uns im Blog erscheinen dazu drei persönliche Protokolle.

Christoph hat vor zwei Jahren geheiratet. Er ist Medizintechniker und lebt mit seiner Frau in Hamm.

„Das erste Mal gesehen haben wir uns bei einem Mini-Gipfel, das war eine Veranstaltung vom Dekanat Hamm für Ministrantinnen und Ministranten. Wir haben uns dann immer mal wieder bei solchen Terminen getroffen und irgendwann waren wir dann zusammen die BDKJ-Stadtvorsitzenden von Hamm. Und wie das so läuft waren wir auf einmal „dienstlich“ und privat verbunden. Vor zwei Jahren haben wir dann geheiratet.

familieWenn man verheiratet ist, ändert sich ja erst mal nichts, aber man hat sich ein offizielles Versprechen gegeben, dass man den Rest des Lebens zusammen bleiben will. Das verspricht man dem anderen, aber auch sich selbst. Mit unserer Hochzeit und dem Ja-Wort vor Gott sind wir als Team in das Gemeinschaftsprojekt Familie gestartet und gehen jetzt zusammen in die Zukunft. Familie ist für mich ein Gefühl. Mit meiner Frau fühle ich mich zuhause, egal wo wir sind.

Ich finde es wichtig, dass jeder seine Freiheiten behält. Gegenseitiges Vertrauen ist dafür die Grundlage. Wir sind beide ehrenamtlich aktiv und viel unterwegs und engagieren uns für das, was uns wichtig ist. Die Werte, die der Glaube vermittelt, spielen dabei eine wichtige Rolle. Ich lebe durch mein Engagement meinen Glauben.“

Kirche mit Allem

„Ey, so echt mit Kirche und alles?“ – Ja, so echt mit Kirche und alles. Und auch mit ohne Sex vor der Ehe? Mit ohne Verständnis für gescheiterte Partnerschaften? Mit ohne Platz für Schwule?

In der Stadt, aus der ich komme, ist es normal, kein Christ zu sein, denn in der immerhin zweitgrößten Stadt Deutschlands liegt der Anteil der katholischen und evangelischen Christen laut Lohnsteuerkarte zusammen nur bei 44%[1]. Der Katholik an sich ist hier eher ein Exot. Ich bin katholisch – dieses Selbstverständnis setzt junge Menschen etlichen Anfragen aus ihrem (oft mehrheitlich säkular geprägten) Umfeld aus. Weiterlesen

Wir tragen Eheringe, sind aber nicht verheiratet?!?

Die Bischofssynode in Rom steht unter dem Thema „Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“ . Wir haben junge Menschen gefragt, wie ihr persönlicher Blick auf Familie ist, wie sie Familie leben und was ihnen wichtig ist. Bei uns im Blog erscheinen dazu drei persönliche Protokolle.

Ulrike war viele Jahre in der Jugendverbandsarbeit tätig. Heute ist sie Mitglied im Vorstand ihrer Kolpingfamilie vor Ort. Vor einem viertel Jahr haben sie und ihre Freundin ihre Partnerschaft eintragen lassen.

„Kennengelernt haben wir uns vor gut drei Jahren. Wir waren beide in einer großen Behörde tätig. Ich im Fachbereich, Aline als Fachinformatikerin in der AnwenderInnenbetreuung. Als ich ein Problem mit meinem Mailprogramm hatte, hatte ich sie am Telefon.

familieSeit wir zusammen sind, ist viel passiert, was uns vergewissert hat, dass wir füreinander Verantwortung übernehmen möchten. Da Aline chronisch krank ist, habe ich einen möglichen Krankenhausaufenthalt immer vor Augen. Meine Sorge war, dass ich gerade in so einer Gelegenheit nicht für sie da sein kann, weil uns rechtliche Hürden entgegen stehen. Das war für mich einer der wichtigsten Gründe zum Heiraten – außer natürlich, dass ich sie liebe und wir zusammen sein möchten.

Seit gut drei Monaten sind wir jetzt verheiratet – oder ja eben nicht. Rein rechtlich haben wir unsere Partnerschaft eintragen lassen. Als wir uns am Standesamt angemeldet haben, hat sich die Standesbeamtin entschuldigt, dass es das Infoblatt nur für Eheleute gibt. Sie hoffte, dass uns das nicht störe. Nein, es hat uns nicht gestört, dass es das Infoblatt nicht für LebenspartnerInnen gibt, es hat uns gestört, dass ein solcher Unterschied überhaupt notwendig ist. Tatsächlich macht es gefühlt weder für uns noch für unsere Freunde und Familien einen Unterschied. Da sind wir einfach seit Juli verheiratet.

Der Glaube hat von Beginn an eine wichtige Rolle gespielt in unserer Beziehung. Aline kommt aus Thüringen, wurde dort weder getauft, noch hat sie eine religiöse Erziehung erlebt. Bereits vorher suchend kam sie durch mich in Kontakt mit der katholischen Kirche. Vor einem Jahr hat sie mich damit konfrontiert, dass sie dieser Kirche ganz angehören und sich auf die Taufe vorbereiten möchte. Im ersten Moment war ich davon überhaupt nicht begeistert, da ich die Einstellung der Kirche zu Homosexualität kenne, deswegen schon viel Kummer hatte und ihr das ersparen wollte. Tatsächlich gehört aber der gemeinsame Glaube zu unserem Leben dazu, der Gottesdienst ist fester Bestandteil unseres Sonntages. Die Vorbereitung auf die Taufe war daher eine spannende Zeit für uns beide und die Taufe in der Osternacht war ein ganz besonderer Höhepunkt für uns. Außerdem haben meine Frau und ich nun die gleiche Patentante – welches Paar kann das schon von sich sagen?

Da der Glaube und die Zugehörigkeit zur Kirche also für uns beide eine wichtige Rolle spielt, war es uns wichtig, auch unseren gemeinsamen Lebensweg nach dem Besuch beim Standesamt mit einem Gottesdienst zu beginnen. Wir sind sehr sehr froh, dass wir dafür einen Priester gefunden haben, der uns auf diesem Weg begleitet hat. Da es für einen solchen – wir haben uns bewusst für diese Bezeichnung entschieden – Dankgottesdienst keine Form gibt, haben wir viele Texte selbst geschrieben. Die Rückmeldungen, die wir bekommen haben, waren durchweg positiv. Unter anderem hat mir ein Cousin gesagt „Hätte ich mehr Gottesdienste so erlebt, hätte ich vielleicht noch einen Bezug zur Kirche. Der Gottesdienst heute war ehrlich, das hat man gemerkt.“

Ohne Liebe schafft man das nicht

Zitat

Am Sonntag beginnt die Bischofssynode in Rom unter dem Thema „Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“. Wir haben junge Menschen gefragt, wie ihr persönlicher Blick auf Familie ist. Wie sie Familie leben und was ihnen wichtig ist. Bei uns im Blog erscheinen in den beiden kommenden Wochen drei persönliche Protokolle.

Melissa ist seit über sechs Jahren mit ihrem Freund zusammen. Mit ihren drei Söhnen (5, 4 und 1 Jahr alt) lebt das Paar in München. Melissa ist 24 Jahre alt und studiert Soziale Arbeit.

„Familie bedeutet für mich vor allem Liebe und zusammen sein. Übrigens ganz egal in welcher Konstellation, ob allein mit einem Kind, in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft oder als verheiratetes Paar lebt. Ich sehe Familie als eine „Einstehungsgemeinschaft“, wo man Verantwortung füreinander trägt und sich wohl fühlt.

familieIch finde es wichtig, dass man in einer Partnerschaft ähnliche Vorstellungen vom Leben hat. Unabhängig davon, was andere dazu sagen. Im Alltag gibt es viel Arbeit, ohne die Liebe schafft man das nicht gemeinsam. Ich habe mit meinem Freund drei Söhne, für die wir die Verantwortung tragen. Ich bin katholisch groß geworden, mein Glaube ist mir sehr wichtig. Das ist für mich nicht nur privat, ich möchte meinen Glauben ausleben. Mein Freund ist nichtgläubig. Im Alltag führt das immer wieder zu Aushandlungsprozessen – oft mit Kompromissen. So kommen bei uns Weihnachten das Christkind und der Weihnachtsmann. Wir haben lange darüber diskutiert, ob unsere Kinder getauft werden. Ich habe mich schließlich durchgesetzt. Ich möchte meinen Glauben an meine Kinder weitergeben. Für meinen Freund ist das manchmal schwierig. Er hat genauso das Recht seinen Nichtglauben zu leben. Die Kinder sollen später mal selbst entscheiden, was ihnen wichtig ist.“