Aktion West-Ost: Reise nach Sibirien

Wenn man eine Stadt besucht, nimmt man zunächst die oberflächliche Umgebung war, betrachtet Sehenswürdigkeiten und erfährt meist viel über die Geschichte. Doch was macht eine Stadt aus? Wie kann sich eine Stadt verändern? Und wer kann auf den Wandel Einfluss nehmen? Wie wirken sich Konsum und Religion auf das Bild einer Stadt aus? Diesen und weiteren Fragen will eine deutsch-polnisch-russische Gruppe in der sibirischen Stadt Tomsk nachgehen.

Am Wochenende hat das Projekt „Stadt – Miasto – Город“ der Aktion West-Ost, dem russischen Zentrum für interethische Zusammenarbeit und der polnischen Jugendgruppe Ermis in Sibirien begonnen. An der Bildungs- und Begegnungsreise nehmen Studenten aus Polen, Russland und Deutschland teil. Zwei Tage zuvor flog die deutsche Gruppe, gemeinsam mit Koordinatorin Hanna Teschner, über Berlin und Moskau nach Tomsk. Nach einem Tag zum Ausruhen, startete das pralle Programm im Sanatorium „Blauer Fels“ am Fluss Tom’.

Die Reise nach Sibirien stellt bereits die dritte Phase des Projektes dar. Zunächst trafen sich die Teilnehmer aus je einem Land als kleinerer Gruppe und bereiteten hierbei die Reise vor. Im Jugendhaus Düsseldorf tagte die Gruppe der deutschen Teilnehmer und beschäftigten sich zunächst mit den Grundbegriffen rund um das Thema und mit der Veränderung von Städten und welche Akteure hierbei eine große Rolle spielen. Am Ende des Wochenendes erhielten die Teilnehmenden für die zweite Phase die Aufgabe, ihre eigene Stadt auf Veränderung und Entwicklungen hin zu untersuchen und die hier gewonnenen Erkenntnisse zu dokumentieren. Auf einer Online-Plattform wurden die Texte ausgetauscht, so dass man sich bereits vor der Reise einen Überblick verschaffen konnte.

Das geplante Programm ist sehr umfangreich: Am Montagmittag zog die Gruppe zunächst nach Tomsk um. Die Teilnehmer werden hier die Stadt unter verschiedenen Aspekten erkunden und mehrmals Input von Referenten aus der Stadt bekommen. Sie werden sich unter anderem mit Religion im öffentlichen Raum und Konsum in der Stadt beschäftigen. Daneben soll diskutiert werden, inwieweit einzelne Personen oder Gruppierungen Gestaltungsmöglichkeiten wahrnehmen können. Mithilfe von Sprachmittlern kann das Projekt dreisprachig durchgeführt werden.

(Foto: Sina Schmeiter)

Teilnehmende des Projekts (Foto: Sina Schmeiter)

In einem Referat von Oleg Stachejev, der den Lehrstuhl für architektonische Planung der Tomsker Universität für Architektur leitet, erfuhren die Teilnehmenden am Sonntagmorgen mehr über öffentliche und soziale Räume in Städten. Diese seien allgemein zugänglich und würden den Wert für die Gemeinschaft erhöhen, da sie Raum für Kommunikation, Erholung und Entspannung bieten würden. Im Vergleich zwischen Russland und Europa, nahm das Klima einen großen Stellenwert ein: In Russland seien öffentliche Räume wie Parks und Plätze aufgrund der sehr kalten Temperaturen eher schwierig.

Der Montag drehte sich rund um das Thema „City Branding“. Jeannine Nowak, die Organisatorin von polnischer Seite, erklärte, wie eine Stadt eine „Marke“ wird. So müsse man hierbei verschiedene Adressaten beachten: Einwohner, Touristen sowie mögliche Investoren und Firmen. Wichtig sei es, in der Marketingkampagne etwas zu finden, was die Stadt besonders mache – ein Alleinstellungsmerkmal. Nach der Ankunft in Tomsk, konnten diese Informationen praktisch angewendet werden. Kleinere Gruppen erkundeten die sibirische Großstadt und achteten dabei auf ihre Selbstdarstellung, Wahrzeichen und Symbole.

In dem Russisch-Deutschen Haus sprach Dimitrij Beljaev im Anschluss über die Marke von Tomsk. Er ist Designer und Gründer von „Tommy Gifts“. Besonders die typischen Tomsker Holzhäuser seien die Visitenkarte der Stadt.

Ein typisches Haus in Tomsk (Foto: Sina Schmeiter)

Ein typisches Haus in Tomsk (Foto: Sina Schmeiter)

Mit diesen beschäftigte sich die Gruppe genauer, als sie die Tatarische Siedlung gemeinsam mit einer Lokaljournalistin besuchte. Die faszinierenden Holzhäuser beeindruckten durch die verspielten Schnitzereien an Fenstern und am Dachfirst. In Tomsk soll es die meisten guterhaltenen Holzhäuser in ganz Russland geben. Neben den vielen Informationen, die die Teilnehmer während der Reise zum Thema Stadt erhalten, geht es auch um den kulturellen Austausch. So unterhielt man sich am Dienstag in gemischten Gruppen darüber, wie man in den verschiedenen Ländern wohne, wie hoch die Mieten seien und ob man eher Eigentum kaufe oder Wohnfläche miete. Außerdem sorgte ein kunterbunter Kultur-Abend mit Musik und Gesang am Sonntag für viel Unterhaltung und einen kleinen Einblick in die Sitten und Bräuche des jeweiligen Landes.

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Sina Schmeiter

Über Sina Schmeiter

Sina Schmeiter begleitet die Begegnung der Aktion West-Ost mit polnischen und russischen Jugendlichen in der sibirischen Stadt Tomsk journalistisch. Die 22-Jährige studiert an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main Germanistik, Politik und Jura. Daneben absolviert sie ein Fernstudium am Deutschen Journalistenkolleg und ist seit gut zwei Jahren Freie Mitarbeiterin der Weinheimer Nachrichten. Seit anderthalb Jahren ist sie Bundessprecherin im Quickborn-Arbeitskreis. Mehr zu ihren Erlebnissen in Tomsk schreibt sie in ihrem Blog: http://www.strich-nach-faden.de/

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