10 Jahre nach dem Weltjugendtag: Wir sind ein Stück internationaler geworden

Vor zehn Jahren trafen sich in Köln hunderttausende Jugendliche und junge Erwachsene zum XX. Weltjugendtag. Knuth Erbe war von 1999 bis 2005 BDKJ-Bundesvorsitzender und im Organisationskomitee des XX. Weltjugendtags 2005 in Köln. Wie oft er zu den vielen Vorbereitungstreffen vom Jugendhaus in Düsseldorf nach Köln unterwegs war, weiß er nicht mehr. Im Interview berichtet er über die Rolle des BDKJ bei der Vorbereitung und Durchführung und seine Eindrücke vom Weltjugendtag.

Papst Benedikt bei einer Tour auf dem Rhein (Foto: Christian Schnaubelt)

Papst Benedikt bei einer Tour auf dem Rhein (Foto: Christian Schnaubelt)



Wenn Du heute an den Weltjugendtag in Köln zurückdenkst, welches Bild kommt Dir als erstes wieder in den Kopf?

Als erstes denke ich an die vielen jungen Leute aus aller Welt, die nach Köln strömten und mir fallen sofort die Bilder von der Schifffahrt des Papstes über den Rhein ein.

Wie hat sich der BDKJ damals auf den Weltjugendtag vorbereitet?

Das war am Anfang nicht ganz einfach. Zunächst einmal gab es durchaus Bedenken in der kirchlichen Jugendarbeit in Deutschland gegenüber dieser Art von Großveranstaltungen. Es ist uns aber gut gelungen, die Veranstaltung mitzuprägen. Wir waren in den Vorbereitungsteams auf den verschiedenen Ebenen miteingebunden.

Das ist die organisatorische Ebene, wie hat sich der BDKJ inhaltlich eingebracht?

Der BDKJ war mit einem Jugendzentrum beim Weltjugendtag vertreten, bei dessen Planung und Durchführung sich viele eingebracht haben. Außerdem haben wir ein International Youth Hearing organisiert zu Fragen weltweiter Gerechtigkeit und Frieden. Wir haben da deutliche inhaltliche Akzente gesetzt.

Das klingt nach viel Arbeit…

Ja, das hat mich wirklich zwei Jahre intensiv beschäftigt. Was die Bundesebene tun kann, ist ja das eine. Der Weltjugendtag wurde aber vor allem auch getragen von vielen Freiwilligen. Es gab ein vielfältiges Engagement von jungen Verbandlerinnen und Verbandlern beim Weltjugendtag selbst, aber auch in den Diözesen bei den vorangegangenen Tagen der Begegnung. Für Deutschland zumindest konnte ich mir damals einen Weltjugendtag ohne die Jugendverbände nicht vorstellen.

Was ist das Besondere am Weltjugendtag?

Das aus der ganzen Welt junge Katholikinnen und Katholiken gemeinsam mit dem Papst zusammen kommen, ist etwas ganz besonderes. Das hat so eine Stadt wie Köln stark geprägt. Und es ist ein starkes Zeichen in einer Welt, die ja nicht ganz ohne Konfliktlinien ist.

Knuth Erbe (2. von links) im Gespräch mit dem damaliigen Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Christian Wulff (4. von links) (Foto: BDKJ-Bundesstelle)

Knuth Erbe (2. von links) im Gespräch mit dem damaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Christian Wulff (4. von links) (Foto: BDKJ-Bundesstelle)

Die Erlebnisse bei einer solchen Großveranstaltungen sind das eine, wie hat der Weltjugendtag darüber hinaus die Jugendverbandsarbeit in Deutschland geprägt?

Das ist eine gute Frage. Die Befürchtungen, die es vor der Veranstaltung gab, hatten sich größtenteils zerstreut: Die kirchliche Jugendarbeit ist auch nach dem Weltjugendtag nach meinem Eindruck keine vollkommen andere als vorher. Ich glaube, dass sie insgesamt ein Stück internationaler geworden ist. Klar ist aber auch, dass eine solche Großveranstaltung nicht alle Herausforderungen im Verhältnis von Kirche und Jugend lösen kann. Es gab große Hoffnungen auf eine Aktivierung des kirchlichen Lebens, die sich weitestgehend nicht erfüllt haben.

Im nächsten Jahr trifft sich die katholische Jugend in Krakau. Was wünscht Du Dir für künftige Weltjugendtage?

Es täte dem Weltjugendtag gut, noch stärker globale Herausforderungen und die Lebenswirklichkeit junger Menschen in den Blick zu nehmen. Da ist das Youth Hearing des BDKJs ein wichtiger Beitrag. Und wer weiß, unter Papst Franziskus könnte ich mir vorstellen, dass er so etwas selber initiiert.

Die Abschlussversanstaltung auf dem Marienfeld in Köln (Foto: Christian Schnaubelt)

Die Abschlussversanstaltung auf dem Marienfeld in Köln (Foto: Christian Schnaubelt)

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