Souverän, überzeugt und hartnäckig: Jeanne d’Arc

In loser Reihe werden hier im Blog große geistliche Frauen vorgestellt. Dieses Mal schildert Cornelia Hansen, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Diversität an der KLJB-Bundesstelle,  was sie Jeanne d’Arc beeindruckt. Die Blog-Reihe ist initiiert vom BDKJ-Frauenpräsidium.

Sie ist die Nationalheldin Frankreichs. Eine junge Frau, aufgewachsen in einem einfachen Elternhaus im 100jährigen Krieg, die sich beherzt und unbeirrt gegen alle Autoritäten durchzusetzen versuchte. Ihre Siege verhalfen dem französischen Dauphin Karl zur Krönung in der Kathedrale von Reims, doch am Ende wurde sie Opfer eines politisch motivierten Prozesses und scheiterte an der starren Ordnung des mittelalterlichen Gesellschaftssystems. 1431 starb sie auf dem Scheiterhaufen in Rouen.

Jeanne D'Arc-Statue in Paris

Jeanne D’Arc-Statue in Paris

Das französische Königreich befand sich um 1425 in einer katastrophalen Situation: Die Engländer hielten den Nordwesten Frankreichs besetzt, in Paris herrschten Engländer und Burgunder gemeinsam. Der französische Thronfolger Karl hatte sich zum König ausrufen lassen, doch schien seine Krönung aussichtslos, da sich der traditionelle Krönungsort Reims in der Hand seiner Feinde befand. Die 16-jährige Jeanne verließ ihr Elternhaus in Domrémy und machte sich auf, die Feinde Frankreichs zu vertreiben. Mit fester Überzeugung, von Gott gesandt zu sein und großer Hartnäckigkeit gelang es ihr, vor Karl zu treten. „Ich heiße Jeanne die Jungfrau, und Euch tut der König des Himmels durch mich kund, dass Ihr in der Stadt Reims gesalbt und gekrönt werdet…“, soll ihn das Bauernmädchen angesprochen haben. Karl, der als schwach und entschlusslos galt, war tief beeindruckt von der unbeirrbaren Sicherheit, mit der Jeanne auf die Erfüllung ihres göttlichen Auftrages drängte. Er ordnete an, Jeanne mit Kriegsleuten und einem ehrenvollen Geleit nach Orléans zu schicken, um die Stadt von den Engländern zu befreien.

Tatsächlich gelang der jungen Frau der Sieg. Jeanne hatte damit das „Zeichen“ ihrer göttlichen Sendung gegeben. Ohne formelle Befehlsgewalt hatte sie die Truppen des Thronfolgers mit ihrer Glaubenskraft, ihrem Enthusiasmus und ihrem Sendungsbewusstsein zu einem Erfolg geführt, der mehr war als nur ein Sieg: Nach Jahren der Erniedrigungen und Niederlagen führte er eine entscheidende Wende im Hundertjährigen Krieg herbei. Weitere Schlachten folgten, bei denen es Jeanne gelang, Städte und Schlösser wieder unter die Herrschaft Frankreichs zu bringen. Und schließlich konnte am 17. Juli 1429 Karl in der Kathedrale von Reims zum König gekrönt werden.
Doch Jeannes d’Arcs Kriegsglück hielt nicht länger an: Der Angriff auf Paris scheiterte, ihr Einfluss auf König Karl III. schwand, ihre Neider gewannen die Oberhand. Als sie am 23. Mai 1430 in die Hände ihrer Feinde geriet, hoffte sie auf Rettung durch ihren König. Aber Karl tat nichts, um sie zu befreien. In Rouen wurde ihr der Prozess gemacht, man klagte sie der Hexerei, des Götzendienstes, des Umgangs mit Dämonen und der „gotteslästerlichen Gewohnheit, Männerkleidung zu tragen“ an. Am 30. Mai 1431 ließ die 19-Jährige auf dem Scheiterhaufen in Rouen ihr Leben. 1456 wurde auf Betreiben
Karls III. die Verurteilung Jeannes wieder aufgehoben. 1920 wurde die „Jungfrau von Orléans“ heiliggesprochen.

grosse geistl Frauen_symbolbildEs beeindruckt mich, wie Jeanne d’Arc für ihre „Lebensaufgabe“, eintritt: souverän, überzeugt, hartnäckig, furchtlos und gegen alle Autoritäten. Tragisch finde ich, wie sich das Blatt wendet, als der von ihr erwartete Erfolg endet. Sie verliert die Unterstützung des Mannes, dem sie zum größten Ruhm verholfen hat, und schließlich wird sie zum Tod verurteilt. Auf die heutige Zeit übertragen, schließe ich für mein Umfeld und mich daraus, dass es sich lohnt, für seine Überzeugung einzutreten, auch wenn andere Menschen meinen Enthusiasmus weniger teilen. Ich finde es wichtig für jedeN EinzelneN von uns, sich zu vergegenwärtigen: Ich weiß, dass ich selber mit meinem psychischen und physischen Können etwas bewegen kann, dass ich stark bin. Darüber hinaus
ist es hilfreich, Glück und Kraft zu „sammeln“, in Zeiten, in denen es uns gut geht. Denn dunkle Tage und Niederlagen kommen bestimmt, da werden die Vorräte gebraucht. Auch und gerade dann ist es in meinen Augen wichtig, weiterhin an sich selbst und das Wohlwollen der Menschen um uns herum zu glauben. In solchen Momenten ist es nicht einfach, sich das Gottvertrauen zu bewahren, aber es kann helfen. Umso mehr kann ich Verständnis dafür zeigen, wenn andere scheitern. Kurz und gut: Aus Fehlern von anderen und von mir lernen, hin und wieder einen Schritt über die eigenen Grenzen wagen und meinen Mitmenschen und mir etwas Gutes tun. Jeden Tag ein kleines Stück. Es lebe die
Kraft der Jeanne d’Arc.

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