Expertinnen-Interview: Ehe – Was bedeutet das eigentlich?

Die Iren haben in großer Mehrheit dafür gestimmt, die Ehe für gleichgeschlechtliche Partner zu öffnen. Dabei ging es natürlich um die standesamtlich geschlossene Ehe. In der darauf folgenden Debatte wurden in Deutschland aber häufig die standesamtlich geschlossene und die kirchlich geschlossene Ehe in einen Topf geworfen. Beides sind Rechtsformen, aber der kirchliche Bereich unterscheidet sich deutlich vom staatlichen Bereich: Die Ehe bedeutet im Sinne des bürgerlichen Rechts etwas anderes als im theologisch-kirchenrechtlichen Sinne. Wir haben daher zwei Expertinnen befragt, um die verschiedenen Bedeutungen der Ehe aufzuzeigen.

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Dr. Maria Wersig beantwortet die Fragen mit Blick auf die Zivilehe, die auf dem Standesamt geschlossen wird.

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Dr. Gabriele Zinkl beantwortet die Fragen mit Blick auf die kirchlich geschlossene, sakramentale Ehe.

Was ist eine Ehe und wer kann eine Ehe eingehen?

Wersig: Die Ehe ist ein Rechtspaket, das der Staat bestimmten Menschen zur Verfügung stellt. Wer die Ehe eingeht, das ist ein Vertragsschluss mit einem staatlichen Mitwirkungsakt durch das Standesamt, hat eine Reihe von Rechten und Pflichten füreinander, auch über die Ehedauer hinaus. Sie hat auch Verfassungsrang, laut Art. 6 Abs. 1 GG steht sie unter besonderem Schutz des Staates. Was das genau bedeutet, darüber kann man streiten, zumindest kann man aber sagen, dass darin eine sogenannte Institutsgarantie zu lesen ist, die Ehe muss es also immer geben und sie darf auch nicht gegenüber anderen Formen des Zusammenlebens benachteiligt werden. Wie und in welcher Form die Ehe besser behandelt werden muss als andere Lebensweisen, darüber entscheidet der Gesetzgeber.

Man hat lange gedacht, dass die Beschränkung der Ehe auf Mann und Frau rechtlich zwingend sei. Obwohl in Art. 6 Abs. 1 GG nur „Ehe“ steht, wurde argumentiert, das Ehebild des Grundgesetzes gehe zwingend von einer Verschiedengeschlechtlichkeit der Ehegatten aus. Das wird heute selbst von konservativen Staatsrechtslehrern nicht mehr so vertreten. Man könnte also die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare öffnen. Dafür muss man das Grundgesetz nicht ändern.

Zinkl: Nach katholischem Verständnis ist die Ehe ein Bund, den eine Frau und ein Mann vor Gott und in der Kirche schließen. Damit geben sie sich das Versprechen für eine lebenslange Gemeinschaft, wie es in einer Formel der Trauungsliturgie heißt: „Vor Gottes Angesicht nehme ich dich an als meine/n Frau/Mann. Ich verspreche dir die Treue in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet. Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens.“

Zur Eheschließung müssen bestimmte formale Voraussetzungen erfüllt sein und es darf bei keinem der Partner ein Ehehindernis oder ein Mangel im Ehewillen vorliegen.

Welche Rechte sind mit einer Ehe verbunden?

Wersig: Eine ganze Menge. Im Sozialrecht beispielsweise werden an die Ehe bestimmte Privilegien geknüpft wie die kostenlose Mitversicherung für Ehepartner mit keinem oder geringem Einkommen in der Gesetzlichen Krankenversicherung oder die Hinterbliebenenrenten. Im Familienrecht die gemeinschaftliche Adoption. Im Steuerrecht das Ehegattensplitting. Im Strafrecht gibt es das Zeugnisverweigerungsrecht. Sie sehen, die Liste ist sehr lang.

Zinkl: Durch das gegenseitige Eheversprechen bei der kirchlichen Trauung hat jeder der Ehepartner in der Ehe das Recht, dass er/sie vom anderen geliebt, geachtet und geehrt wird, das heißt auch, dass man einander ein Leben lang treu ist. Das ist eine Aufgabe, der sich beide in der Ehe jeden Tag aufs Neue stellen dürfen und müssen, ein Leben lang.

Welche Pflichten sind mit einer Ehe verbunden?

Wersig: In erster Linie ist zu nennen die Pflicht zur ehelichen Solidarität. Ehepartner verpflichten sich, einander zu unterstützen und füreinander einzustehen. Sie begründen mit der Eheschließung gegenseitige Unterhaltspflichten, die auch nach der Ehe weiterbestehen können. Zum Beispiel, wenn ein Ehepartner gemeinsame Kinder betreut, keine Stelle findet oder sich weiterbilden muss. Die Unterhaltspflicht ist vorrangig vor staatlicher Unterstützung durch Grundsicherungsleistungen. Durch die Verpflichtung zu privater Solidarität wird der Staat also entlastet.

Zinkl: Die Rechte der beiden Ehepartner korrespondieren zu den Pflichten. Das ist das Besondere am Eheversprechen, das man sich gegenseitig gibt. Es ist kein einseitiger Vertrag, sondern beide versprechen sich einander, dass sie die Bedingungen gegenseitig und füreinander einhalten. Man verspricht dies aus Liebe, also dem bzw. der anderen zuliebe.

Was ist das Besondere an der sakramentalen Ehe?

Zinkl: Als Christen glauben wir daran, dass Christus diesen Ehebund der beiden Partner durch seine Gnade heiligt und stärkt. Deshalb ist die Ehe ein Sakrament, Zeichen der besonderen Nähe Gottes in der Gemeinschaft dieses Ehepaares. Die äußeren Zeichen des Sakramentes sind das hörbare Ja, das Versprechen der beiden Ehepartner, das Anstecken der Ringe, die Umwicklung der ineinander gelegten Hände der Brautleute mit der priesterlichen Stola als Bestätigung des Bundes. Zu diesen sichtbaren Zeichen der Feier gehören auch die Zeichen, die erst in der Ehe sichtbar werden. Das heißt: das wirkliche Eheleben, ausgerichtet am Evangelium Jesu Christi.

Was unterscheidet eine Ehe von nichtehelichen Lebensgemeinschaften und eingetragenen Partnerschaften?

Wersig: Die nichteheliche Lebensgemeinschaft hat auf das „Rechtspaket“ Ehe verzichtet. Das bedeutet nicht unbedingt, dass nicht ähnliche Pflichten auf solche Paare zukommen. Bei „Hartz IV“ zum Beispiel kann durchaus auch Einkommen eines Partners aus nichtehelicher Lebensgemeinschaft angerechnet werden, wenn das Paar schon lange zusammenlebt, Kinder hat oder gemeinsam wirtschaftet. Die allermeisten Privilegien der Ehe, zum Beispiel im Sozial- und Steuerrecht bleiben solchen Paaren aber verschlossen. Auch nach langjähriger Partnerschaft erhält eine unverheiratete Hinterbliebene, die die gemeinsamen Kinder nach dem Tod ihres Partners allein großziehen muss, zum Beispiel keine Witwenrente. Die eingetragene Lebenspartnerschaft unterschied sich bei ihrer Einführung ganz erheblich von der Ehe, die meisten Privilegien der Ehe wurden nicht auf sie erstreckt, obwohl die Pflichten sich nicht unterschieden. Der Europäische Gerichtshof und später auch das Bundesverfassungsgericht haben in mehreren Entscheidungen die Gleichbehandlung von Ehe und eingetragener Lebenspartnerschaft in vielen dieser Fragen erzwungen. Inzwischen bestehen nur noch wenige Unterschiede, zum Beispiel können eingetragene Lebenspartnerschaften nicht gemeinschaftlich Kinder adoptieren. Ein wesentlicher Kritikpunkt ist aber, dass es sich bei der eingetragenen Lebenspartnerschaft um ein Sonderrecht für eine bestimmte Gruppe handelt, sie also etwas anderes ist als die Ehe.

Zinkl: Im Verständnis der katholischen Kirche gibt es auf der Basis der biblischen Schöpfungsordnung eine Ehe nur zwischen einer Frau und einem Mann. Die Ehe zwischen zwei Getauften ist ein Sakrament. Die katholische Kirche erkennt aber auch eine (standes-)amtlich geschlossene Ehe zwischen zwei Nicht-Getauften als gültig an, da davon auszugehen ist, dass sie sich das Versprechen in bester Absicht gegeben haben, eine lebenslange Ehegemeinschaft einzugehen.

Das gegenseitige Versprechen von Frau und Mann ist kirchlicherseits Grundlage für die Ehe, deshalb kann die Anerkennung einer eingetragenen Partnerschaft zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Partnern in der Lehre der katholischen Kirche nicht zur Debatte stehen.

Kann eine Ehe aufhören zu existieren?

Wersig: Grundsätzlich dauert die Ehe lebenslang. Sie kann aber enden, im Regelfall passiert das durch die Scheidung. Dafür gibt es im Bürgerlichen Gesetzbuch Regelungen, kurz zusammengefasst funktioniert es so, dass zumindest eine/r der Ehegatten die Scheidung beantragt, sie muss dann durch gerichtlichen Beschluss erfolgen.

Zinkl: Das ist einmal der Fall, wenn einer der beiden Ehepartner stirbt; die gültige Ehe als Bund und Vertrag zwischen den beiden Partnern ist damit beendet, hat aber bis dahin existiert.

Das Ja-Wort bei einer kirchlichen Eheschließung hat einen entscheidenden Stellenwert, deshalb ist genau zu prüfen, ob bei der kirchlichen Trauung keine formalen Fehler vorliegen und ob jeder der Partner frei von einem Ehehindernis oder einem Mangel im Ehewillen ist. Wenn hier nach der Eheschließung Unsicherheiten auftreten, kann man das im Rahmen eines kirchlichen Ehenichtigkeitsverfahrens prüfen lassen. Wenn das kirchliche Ehegericht zum Urteil kommt, die Ehe wurde ungültig geschlossen, dann wird die Ehe annulliert. Die Ehe wird dann nicht einfach aufgelöst, sondern es wird per Urteil festgestellt, dass sie von vornherein – entgegen dem Anschein – doch nicht (gültig) zustande gekommen ist; sie hat also als gültige Ehe nie existiert.

Welchen Stellenwert haben Kinder in einer Ehe?

Wersig: Für die Gültigkeit oder den staatlichen Schutz, auf den Ehepaare Anspruch haben, spielt die Existenz von Kindern keine Rolle. Man kann also sagen, die kinderlose Ehe ist dem Staat genauso viel wert wie die mit Kindern. Historisch gesehen wurde lange Ehe mit Familie gleichgesetzt. Wenn man die Familie fördern wollte, konnte man die Ehe fördern. So erklären sich historisch auch viele Regelungen, die auf die Ehe beschränkt sind. Immer mehr sehen wir aber, dass Ehe und Familie nicht mehr notwendigerweise eine Einheit bilden.

Zinkl: Für die Lehre der Kirche zum Thema Ehe und Kinder hat das Zweite Vatikanische Konzil einen großen Fortschritt gebracht. Denn die Konzilsväter haben in „Gaudium et spes“ herausgestellt, dass eine Ehe einmal auf das „Wohl der Ehegatten“ und sekundär auf die „Zeugung und Erziehung von Nachkommen“ hingeordnet ist. Das heißt konkret, Ehe erhält nicht erst durch Kinder Sinn, sondern Kinder sind ein zusätzliches Geschenk im Bund der beiden Ehepartner. In einer Ehe muss jedoch eine prinzipielle Offenheit „für Kinder, die Gott Ihnen schenken will“, bestehen.

Was halten Sie von der Einschätzung von Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin, das Votum für die Eheöffnung in Irland sei eine „Niederlage für die Menschheit“?

Wersig: Das hat mich zutiefst betroffen gemacht. Der Tod von Menschen im Mittelmeer ist eine Niederlage für die Menschheit. Bei der Eheöffnung für gleichgeschlechtliche Paare geht es um etwas völlig anderes. Der Kampf um gleiche Rechte ist auch ein Kampf um Anerkennung und den Anspruch jedes Menschen, als gleich in Rechten und in Würde anerkannt zu werden. Wenn sich Staaten dafür entscheiden, gleiche Rechte zu verwirklichen, sollte das nicht auf Angriff auf die Familie oder gar die Menschheit betrachtet werden, für mich ist es das Gegenteil.

Zinkl: Pauschale Verurteilungen sind immer schwierig. Die Aussage des Essener Generalvikars Klaus Pfeffer ist für mich in dieser Situation persönlich hilfreicher.

Dr. Maria Wersig ist Vertretungsprofessorin für Recht an der Fakultät Diakonie, Gesundheit und Soziales der Hochschule Hannover. Sie ist Mitglied im Bundesvorstand des Deutschen Juristinnenbundes und hat über das Ehegattensplitting promoviert.

Dr. Gabriele Zinkl ist Kirchenrechtlerin und arbeitet als Vernehmungsrichterin für Ehenichtigkeitsverfahren. Sie ist ehrenamtliche Vizepräsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes e.V. (KDFB) und arbeitet als Vernehmungsrichterin für Ehenichtigkeitsverfahren in der Diözese Regensburg.

Ester – eine junge Frau, die gegen Ungerechtigkeit kämpfte

In loser Reihe werden hier im Blog große geistliche Frauen vorgestellt. Dieses Mal schildert Theresa Schier, FSJ-Helferin im Bistum Erfurt, was sie an der Heiligen Ester beeindruckt. Die Blog-Reihe ist initiiert vom BDKJ-Frauenpräsidium.

Ester ist eine biblische Persönlichkeit. Sie lebte im 5. Jahrhundert vor Christus und ihre Lebensgeschichte könnte somit als sehr antik und realitätsfern betrachtet werden. Aber wenn man genauer hinsieht, vermittelt Esters Lebensweg eine sehr aktuelle Botschaft.
Doch wer war Ester? Was macht sie so besonders?

Ester wuchs als eine jüdische Waise bei ihrem Onkel Mordechai in der persischen Diaspora auf. Sie war ein ganz normales Mädchen bis zu dem Tag, als der herrschende König Xerxes seine Frau Waschti wegen Ungehorsam verbannte. Auf diese Handlung hin suchte der König im ganzen persischen Reich Mädchen zusammen, um dann die schönste von ihnen auszuwählen und sie zu seiner neuen Königin zu machen. Der König erwählte schließlich Ester zu seiner neuen Königin – aufgrund ihrer Schönheit.

Auch heute wird oft nur auf perfektes Aussehen und äußerliche Schönheit geachtet. Der Charakter eines Menschen wird fälschlicherweise oft nach seinem Aussehen beurteilt. Die innere Schönheit eines Menschen wird immer weniger geschätzt. So erging es auch Ester. Sie wurde zur Königin ernannt, weil sie schön war. Doch das war ihr persönlich nicht wichtig. Sie wollte mehr.

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Was wie ein Märchen begann, entpuppte sich schnell als ein goldener Käfig, in dem Ester vor Heimtücke, Hass und Einsamkeit nicht sicher war. Es kam eine Zeit, da beschloss der oberste Minister des Königs, die Juden auszurotten, weil sie viele Gesetze der Perser missachteten und ihren Gott verehrten, anstatt vor dem König und seinem Minister niederzufallen. In dieser schweren Zeit fand Ester ihre Bestimmung und die Aufgabe ihres Lebens. Sie lernte, ihren eigenen Weg zu gehen, den noch niemand vor ihr gegangen war. Sie hatte bisher verschwiegen, dass sie Jüdin war. Doch nun war die Freiheit ihres Volkes in Gefahr und sie nahm allen Mut zusammen, um vor den König zu treten. Die Zukunft des jüdischen Volkes lag in ihrer Hand. In dieser Zeit durfte niemand ungebeten vor den König treten, und Ester drohte damit die Todesstrafe. Doch sie gab nicht auf. Als sie dem König ihr Anliegen vortrug und das willkürliche Handeln des Ministers aufdeckte, war dieser erzürnt über seinen Minister. Der König selbst hasste die Juden nicht, sondern war ihnen sogar sehr dankbar, denn ein Jude hatte einst eine Verschwörung gegen ihn aufgedeckt und ihm somit das Leben gerettet.

Ester war mutig: Sie war eine Frau, die in ihrer Zeit vor einer schweren Entscheidung stand. Doch sie erhob ihre Stimme gegen die Ungerechtigkeit und riskierte damit ihr Leben. Sie kann für uns heute ein Vorbild sein. Wir können es schaffen, gegen die Ungerechtigkeiten in unserer Welt anzukämpfen, auch wenn es nicht immer einfach und bequem ist.

Maria: Die Begleiterin, die Glaubende, die Prophetin

In loser Reihe werden hier im Blog große geistliche Frauen vorgestellt. Dieses Mal schildert Eva-Maria Düring, Geistliche Bundesleiterin der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) und Mitglied im Präsidium der Bundesfrauenkonferenz, warum sie ihre Namenspatronin Maria so begeistert.

Maria die Begleiterin

Fatima-Madonna

Eine Statue der Fátima-Madonna in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Geburt
(Quelle: „Pfärrich Pfarrkirche Marienstatue aus Fatima“ by Photo: Andreas Praefcke – Own work (own photograph). Licensed under CC BY 3.0 via Wikimedia Commons.)

Der Mai ist ein besonderer Monat. Schon als kleines Mädchen war das für mich so. Es wurde Frühling, die Maikäfer kamen, ich durfte wieder in den Sandkasten und irgendwie hatte ich den ganzen Monat über Namenstag. Ich fand Maria toll, hab begeistert den Rosenkranz gebetet und war natürlich bei Maiandachten. Als Jugendliche war ich nicht mehr so angetan von Maria, dieser demütigen, gehorsamen und braven jungen Frau. Maria stand damit für Eigenschaften, mit denen ich wenig zu tun haben wollte. Meine Namenspatronin wurde mir fremd, meine Gefährtin war verschwunden und meine Marienfrömmigkeit hatte sich verändert. Heute als erwachsene Frau ist mir Maria wieder ein wunderbares Vorbild, eine große Inspiration und eine nicht-enden-wollende Herausforderung.

Maria die Glaubende

Maria hat Jesus zur Welt gebracht, ist mit ihm geflüchtet, hat sich um ihn gesorgt und ihn bis an sein Ende begleitet. Maria ist die Mutter Gottes. Doch sie ist so viel mehr! Sie ist eine junge mutige Frau, die selbstbestimmt handelt. Sie hört, als ihr der Engel Gabriel erschien, gut zu, fragt nach und sagt dann schließlich JA zu Gottes Plan mit ihr. Sie ist empfänglich für das Heil, das ihr und der Welt verkündet wurde, sie ist offen für den neuen Bund. In Maria verwirklicht sich ein Glaube, der eine Beziehung zeigt. Sie ist im Dialog mit Gott, sie lässt sich existentiell herausfordern und geht dann den Weg gemeinsam mit Gott. Maria vertraut im tiefen Glauben darauf, dass Gottes Plan aufgehen wird.

Maria die Prophetin

Von Maria ist uns das Magnificat (Lk 1,46.55) überliefert. Ein Text, der unzählige Male gesprochen, gesungen und zitiert wurde. Im Magnificat lobt und preist Maria Gott und zugleich ist es ein sozialkritisches, prophetisches Lied. Hier wird das Bild einer neuen Gesellschaft entworfen und ungrosse geistl Frauen_symbolbilds so eine Utopie geschenkt, die Hoffnung macht. Maria nimmt die Kleinen, die Erniedrigten, die Hungernden und die Leidenden in den Blick. Sie kritisiert die ungerechten Verhältnisse und formuliert eine andere Vision. Sie formuliert das Ziel des Reiches Gottes: die Umkehrung der sozialen, ökonomischen und politischen Verhältnisse; Hochmütige werden zerstreut, Erniedrigte erhöht und Hungernde beschenkt. Das Magnificat eröffnet eine neue Option für die Armen. Maria machte in aller Radikalität deutlich was die Welt braucht: Solidarität, Gerechtigkeit und Frieden. Die Worte dieser jungen Frau haben nichts an Gültigkeit und Brisanz verloren.

Maria ist mir ein Vorbild: Geh mutig in diese Welt! Sei offen für das was Gott mit dir vorhat! Erhebe deine Stimme!

Faire Zahlen – Transfair veröffentlicht Jahresbericht zum Fairen Handel

Diese Woche hat der Transfair e.V., der in Deutschland für die Siegelung von Produkten mit dem Fairtrade Siegel zuständig ist, die Zahlen für 2014 veröffentlicht. Wieder sind der Umsatz und die Menge an Waren, die mit dem Fairtrade-Siegel gekennzeichnet sind, zweistellig gewachsen. 827 Millionen Euro gaben die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland für diese Waren aus, das sind 26 Prozent mehr als im Vorjahr.

Auch die abgesetzte Menge stieg um 44 Prozent an. Dabei gilt es nicht zu vergessen, dass quantitatives Wachstum nicht alles ist. Entscheidend für den Fairen Handel ist, dass sich die Lebens- und Arbeitsbedingungen für die Produzentinnen und Produzenten verbessern. Das wird an der Erhöhung der Fairtrade-Prämen um 30 % auf 12,3 Millionen Euro sichtbar. Diese erhalten die Erzeugerinnen und Erzeuger zusätzlich zu den Einnahmen aus dem direkten Verkauf.

Der Faire Handel ist ein langfristiges Projekt, in welchem sich der BDKJ schon seit mehr als 40 Jahren engagiert. Da ist es erfreulich zu sehen, dass es immer mehr Früchte trägt und der Faire Handel in der Gesellschaft angekommen ist. Zusammen mit anderen Jugendverbänden sehen wir uns als Begleiter und Wegbereiter des Fairen Handels. Immer wieder sind wir Innovator um faire Handelsbedingungen für die Länder des Globalen Südens zu unterstützen und zu verbessern. Deswegen hat der BDKJ vor 40 Jahren die GEPA mitgegründet und heute versuchen wir mit unseren Verbänden faire Kohle bekannt zu machen.

(Foto: TransFair e.V./Miriam Ersch)

(Foto: TransFair e.V./Miriam Ersch)

Fairer Handel ist für uns ein Teil des Kritischen Konsums. Darin wollen wir durch unser Einkaufsverhalten Zeichen setzen und Verbraucherinnen und Verbraucher, aber auch Kirche und andere Institutionen, dazu auffordern, Konsumentscheidungen zu treffen, die ökologische und soziale Verantwortung befördern. Und nicht zuletzt ist unser faires Handeln eine Mahnung an die Politik, sich für weltweit faire Handels- und Produktionsbedingungen einzusetzen.

Gemeinschaftlich, partnerschaftlich, paritätisch: Für eine Doppelspitze im Zdk!

Die Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken berät einen Antrag, das Amt des*der Präsident*in in eine paritätisch besetzte Doppelspitze umzuwandeln: Anstelle eines Präsidenten oder einer Präsidentin soll es zwei gleichberechtigte, ein Mann und eine Frau, geben. Neben dem BDKJ stellen einige Diözesanverbände diesen Antrag, darunter auch Paderborn.

Annika Manegold

Annika Manegold auf der ZdK-Vollversammlung in Würzburg.

Wir haben darüber mit Annika Manegold gesprochen. Sie ist Diözesanvorsitzende des BDKJ Paderborn. Gemeinsam mit Ansgar Kaufmann ist sie außerdem die Vorsitzende des Diözsankomitees Paderborn.
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70 Jahre Kriegsende: Verantwortung für den Frieden

Mit dem 8. Mai 1945 – dem Tag der Kapitulation der deutschen Wehrmacht – verbinden wir nicht nur das Ende des Tötens und Mordens, das von unserer Nation ausgegangen ist. Dieser Tag ist uns nicht nur Ermahnung für das unsägliche Leid und Elend, das für die Menschen noch lange kein Ende gefunden hatte. Er ist uns gleichzeitig ein Mahnmal, wie schwierig und lange die Wege der Versöhnung hin zu wahrem Frieden sind und wie schwierig die Aufarbeitung von Schuld und Unrecht ist, die heute noch andauert und uns ein generationenübergreifendes Anliegen bleiben muss.

In einer Zeit, in der nur noch wenige Augenzeugen leben, erhält die historische Aufarbeitung und Aneignung des Geschehenen eine besondere Dimension. Aus ihr muss das moralische Bewusstsein unserer und aller folgenden Generationen wachsen, dieses Wissen verantwortlich weiterzugeben und, darauf aufbauend, weltweit für Grundrechte einzustehen, Unrecht und Gewalt einzudämmen und Frieden zu fördern

Im Rückblick ist der 8. Mai 1945 der erste Schritt hin zu einem friedlichen Europa, wie es für uns junge Menschen selbstverständlich geworden ist: Kinder und Jugendliche wollen keinen Krieg. Sie wollen Frieden. Sie wollen leben, spielen, lernen. Und sie fordern dies für alle Menschen auf der Welt. Doch dieser Frieden, in dem wir leben, war und ist keine Selbstverständlichkeit. An vielen Rändern Europas ist der Friede zerbrochen. Es liegt in unserer Verantwortung, den Frieden, die Rechte und die Freiheit jedes einzelnen Menschen zu fördern und dafür mutig einzutreten! Der Wunsch nach Frieden ist kein naiver Kinderwunsch. Ihn zu verwirklichen ist die stetige Aufgabe von uns allen.


Gemeinsam beten wir für den Frieden in der Welt:

Gebetsinitiative