Madeleine Delbrêl – Mystikerin der Straße (1904 – 1964)

In loser Reihe werden hier im Blog große geistliche Frauen vorgestellt. Dieses Mal schildert Kerstin Fuchs, Bundesvorsitzende der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG), welche Frau sie stark beeindruckt. Die Blog-Reihe ist initiiert vom BDKJ-Frauenpräsidium.

Was für ein Leben. Als Kind so viele Umzüge, dass ein Schulbesuch nicht möglich ist. Privatunterricht, wenig Freundschaften. Dann die Verlobung, die aber vom Verlobten wieder gelöst wird, da er ins Kloster geht. Die Eltern werden krank und müssen gepflegt werden. Und dennoch nicht versinken in den eigenen Sorgen, sondern sich aufmachen.

Eine Frau, die nicht aufgibt

Als ich mich mit spirituellen Frauen beschäftigt habe, bin ich zum ersten Mal auf diese Frau gestoßen: Madeleine Delbrêl. Und war schnell fasziniert. Nicht, weil sie Pfadfinderin war – auch wenn sie das natürlich sympathisch macht. Sondern wegen ihres starken Willens und der für mich immer wieder durchscheinenden Fähigkeit, das zu akzeptieren, was an Schicksalsschlägen kommt. Dabei aber nicht im Jammern zu versinken, sondern handeln.

Den Glauben im Gebet finden

Dazu kommt, dass Madeleine Delbrêl zunächst gar keine gläubige Person ist. Sie beschließt nach atheistischer Jugend, zu Gott zu beten: „Ich entschloss mich zu beten … indem ich betete, habe ich geglaubt, dass Gott mich findet und dass er die lebendige Wahrheit ist und dass man ihn lieben kann, wie man eine Person liebt.“ [1]Und sie findet ihn. Sie will ins Kloster eintreten, dann jedoch wächst die Erkenntnis, dass es nicht die Zurückgezogenheit braucht, um ihren Glauben zu leben.

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Theologie der Straße

Stattdessen beginnt sie eine Ausbildung zur Sozialarbeiterin und geht in die Arbeiterstadt Ivry (Frankreich), um mittendrin zu leben und zu wirken. Sie gründet eine Pfadfinderinnengruppe und betreibt Diakonie. Dreißig Jahre macht sie das. Sie wirkt da, wo Gott sie hineingestellt hat.

Missionarisch Kirche sein

Dabei wird ihr immer deutlicher, dass Kirche missionarisch sein muss. Inmitten einer kommunistischen Stadt, in der es zwar Christinnen und Christen gibt, die sich aber abschotten, die das atheistische Klima in der besetzten Stadt als Bedrohung empfinden und sich abgrenzen. Das ist für sie nicht hinnehmbar. „Die Evangelisierung der Welt, ihr Heil ist der eigentliche Beruf der Kirche. Sie ist unaufhörlich auf die Welt hin ausgespannt, strebt zu ihr hin wie die Flamme im Stroh.“

Ich glaube, darum geht es für uns Verbände, ja auch für die ganze Kirche: sich nicht abschotten, sondern missionarisch sein. Darin ist Madeleine Delbrêl für mich Ermutigung und Vorbild.

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1] Alle Zitate entnommen aus: Madeleine Delbrêl: Gott einen Ort sichern. Topos-Verlag, 2010

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