Gemeinsam gegen das Vergessen

70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz treffen sich In Krakau und Auschwitz rund 150 Verantwortliche aus Jugendverbänden und -organisationen aus Deutschland, Israel, Polen, Tschechien und Österreich um gemeinsam gegen das Vergessen zu arbeiten. Dabei wird auch diskutiert, welche Rolle und Aufgaben Verantwortliche in Jugendorganisationen heute haben, aus den Verbrechen zu lernen. Der BDKJ-Bundesvorsitzende Wolfgang Ehrenlechner ist bei der Fahrt mit dabei und schildert uns kurz bevor es los geht seine Gedanken.

Wolfgang, in diesen Tagen jährt sich die Befreiung von Ausschwitz zum 70. Mal. Was bedeutet dieses Ereignis heute für uns?

Die Befreiug des Konzentrationslagers Auschwitz hat unvorstellbarer Grausamkeit ein Ende gesetzt. SoWolfgang schwer es auch ist, sich vorzustellen, was damals dort passiert ist, es ist wichtig, es sich immer wieder ins Bewusstsein zu rufen um sich auch der Verantwortung bewusst zu werden, die wir alle dafür tragen, damit so etwas nie wieder passiert. Mit Blick darauf, dass auch heute noch in vielen Teilen der Erde Menschen aufgrund ihres Glaubens oder ihrer Weltanschauung verfolgt werden, empfinde ich auch große Dankbarkeit, dass wir in Mitteleuropa seit 70 Jahren friedlich zusammenleben.

 

Wie wichtig ist die Erinnerungsarbeit für den BDKJ?

Ich halte es für sehr wichtig, aus der Geschichte für heute und morgen zu lernen. Entsprechend ist es auch für den BDKJ wichtig, da es in der Arbeit der katholischen Jugendverbände immer um die Zukunft gehtUm die Zukunft und Perspektiven von heutigen und zukünftigen Kindern und Jugendlichen. Und die Befähigung, dass auch sie Verantwortung in der Welt übernehmen und ihren Beitrag zu einer offenen und freien Gesellschaft leisten.

Mit welchen Erwartungen fährst Du zu dem Treffen?

Ich bin neugierig. Ich fahre dort mit einer deutschen Perspektive hin. Also als ein Mensch, der zwar keine persönliche Verantwortung trägt für die Verbrechen, die damals im Namen des Deutschen Reichs verübt wurden, aber als jemand, der aus dem Land der damaligen Täter stammt. Ich bin gespannt, die Perspektive der jungen Israelis und Polinnen und Polen kennenzulernen, die Gefühle, die sie mit diesem Ort verbinden, der symbolisch wie kein anderer für den Holocaust steht. Der größte Teil des Programms findet ja in Krakau statt. Was den Besuch der Gedenkstätte in Auschwitz betrifft, habe ich gemischte Gefühle. Es wird mein erster Besuch dort sein. Im Moment schnürt mir alleine der Gedanken, dann an dem Ort zu sein, an dem so viele Menschen bestialisch ermordet wurden, die Kehle zu.

Mehr Infos unter: http://www.dbjr.de/dbjr-info/artikel/detail/70-jahre-nach-auschwitz-gemeinsam-fuer-eine-vielfaeltige-gesellschaft.html

Regina Jonas – Die erste Rabbinerin der Welt

In loser Reihe werden hier im Blog große geistliche Frauen vorgestellt. Dieses Mal schildert Yvonne Everhartz, Referentin für Jugendpolitik, Mädchen- und Frauenpolitik und Genderfragen des BDKJ, welche Frau sie stark beeindruckt. Die Blog-Reihe ist initiiert vom BDKJ-Frauenpräsidium.

„Fähigkeiten und Berufungen hat Gott in unsere Brust gesenkt und nicht nach dem Geschlecht gefragt. So hat ein jeder die Pflicht, ob Mann oder Frau, nach den Gaben, die Gott ihm schenkte, zu wirken und zu schaffen.“ (Regina Jonas, 1938)

Gedenktafel Regina Jonas_3Ein Neubau steht heute in der Krausnickstraße 6 im Berliner Stadtteil Mitte, nicht weit von unserem BDKJ Büro in der Chausseestraße. Ich würde sicher immer noch achtlos dort vorbei gehen, wäre mir nicht irgendwann die dort hängende Gedenktafel aufgefallen. Sie erinnert an Regina Jonas – „Die erste Rabbinerin der Welt“ – wie es auf der Tafel heißt.

Regina Jonas wurde 1902 in Berlin in ein streng religiöses Elternhaus geboren. Sie wuchs mit ihrem Bruder im Scheunenviertel auf und studierte an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in der heutigen Tucholskystraße. Im damaligen Hochschulgebäude hat heute der Zentralrat der Juden in Deutschland seinen Sitz. Da ihre Familie sie im Studium nicht finanziell unterstützen konnte, gab Regina Jonas Unterricht an verschiedenen jüdischen Schulen und verdiente so Geld für ihre Ausbildung. Ihr erklärtes Ziel war es, Rabbinerin zu werden. Ihre Abschlussarbeit trug den Titel „Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?“. Dass sie es bekleiden konnte, wurde ihr 1935 in ihrem Diplom bestätigt. So wurde Regina Jonas die erste Rabbinerin der Welt.

Regina Jonas beeindruckt mich. Durch die Straßenzüge in Berlin zu gehen, in denen sie aufgewachsen ist, bewegt mich – gerade in diesen Tagen. Auch Regina Jonas wurde 1942 mit ihrer Mutter nach Theresienstadt verschleppt und 1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet. Wenn sich am 27. Januar 2015 der Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz zum 70. Mal jährt und wir der Opfer des Holocausts gedenken, sind meine Gedanken und Gebete bei ihr und allen Opfern des menschenverachtenden nationalsozialistischen Regimes.

Regina Jonas hatte schon früh in ihrem Leben ein Ziel, das ihr damals vermutlich zunächst unerreichbar erschien: dass eine Frau Rabbinerin werden könnte, war undenkbar. Sie aber war überzeugt davon, dass Frauen und Männer zwar unterschiedliche Begabungen und Charismen besitzen, sich daraus aber nicht ein Privileg für Männer zur Bekleidung geistlicher Ämter ableiten ließe. Vielmehr füllten Frauen und Männer diese Ämter einfach entsprechend ihrer Begabungen unterschiedlich aus. Mit ihrer Zielstrebigkeit und ihrer Einstellung zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist sie mir eine große Inspiration.

grosse geistl Frauen_symbolbild

Madeleine Delbrêl – Mystikerin der Straße (1904 – 1964)

In loser Reihe werden hier im Blog große geistliche Frauen vorgestellt. Dieses Mal schildert Kerstin Fuchs, Bundesvorsitzende der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG), welche Frau sie stark beeindruckt. Die Blog-Reihe ist initiiert vom BDKJ-Frauenpräsidium.

Was für ein Leben. Als Kind so viele Umzüge, dass ein Schulbesuch nicht möglich ist. Privatunterricht, wenig Freundschaften. Dann die Verlobung, die aber vom Verlobten wieder gelöst wird, da er ins Kloster geht. Die Eltern werden krank und müssen gepflegt werden. Und dennoch nicht versinken in den eigenen Sorgen, sondern sich aufmachen.

Eine Frau, die nicht aufgibt

Als ich mich mit spirituellen Frauen beschäftigt habe, bin ich zum ersten Mal auf diese Frau gestoßen: Madeleine Delbrêl. Und war schnell fasziniert. Nicht, weil sie Pfadfinderin war – auch wenn sie das natürlich sympathisch macht. Sondern wegen ihres starken Willens und der für mich immer wieder durchscheinenden Fähigkeit, das zu akzeptieren, was an Schicksalsschlägen kommt. Dabei aber nicht im Jammern zu versinken, sondern handeln.
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