Eine spannende Zeit. Innerdeutsche Partnerschaftsarbeit im BDKJ

Der ehemalige KSJler Stephan Ebus hat sich in der innerdeutschen Partnerschaftsarbeit erst im BDKJ engagiert, später als Vorsitzender der AG der Studenten- und Hochschulgemeinden. Wir haben mit ihm darüber gesprochen.

Herr Ebus, früher war der BDKJ sehr aktiv in der innerdeutschen Partnerschaftsarbeit. Heute ist das nicht mehr so bekannt.

Ja, ich finde es schade, dass der BDKJ nicht diese unheimlich wertvolle Arbeit mehr herausstellt. Auch der Kreuzweg der Jugend ist ja der innerdeutschen Partnerschaftsarbeit entwachsen, ab Anfang der 70er Jahr dann in ökumenischer Form. Es hat seinerzeit im innerdeutschen Ministerium den Ttel „materielle Hilfe“ gegeben, aus dem wurden jedes Jahr erhebliche Mittel abgerufen und in die innerdeutsche materielle Partnerschaftsarbeit investiert. Und dann waren auch dort die finanzielle Unterstützung der kirchlichen Arbeit über das Umrubeln …

Was ist Umrubeln? Gab es organisierten schwarzen Währungsumtausch?

Nein, aber im Rahmen der Geschäfte zwischen Ost und West über die kommerzielle Koordinierung wurden Gelder aus dem Innerdeutschen Ministerium vom Westen beantragt und den „Schwestern und Brüdern“ im Osten zur Verfügung gestellt. Allerdings nicht als Valutamark, sondern als Ostmark.

Haben Sie heute noch Kontakt mit den Partnerinnen und Partnern aus dem Osten?

Vereinzelt ja, ich bin aber zwischenzeitlich in einem ganz anderen Umfeld beruflich unterwegs, als Controller in der Caritas-Betriebsführungs- und Trägergesellschaft in Köln. Aber es war eine spannende Zeit, überhaupt die ganze internationale Arbeit im Bereich der Kirche.

Was war Ihr spannendstes Erlebnis in der innerdeutschen Partnerschaftsarbeit?

Das spannendste Erlebnis in der innerdeutschen Partnerschaftsarbeit waren die Durchführung der sogenannten „Winterakademie“, zu der jedes Jahr am zweiten Januarwochenende ca. 120 Studierende aus Ost und West im Bildungshaus Pappelallee in Berlin-Prenzlauer Berg zusammenkamen, um einerseits die Partnerschaftstreffen für das neue Jahr zu planen, andererseits sich aber auch mit theologischen und ethischen, sowie gesellschaftlichen Fragestellungen zu befassen.

Wie war das 1989 – haben Sie sich gleich besucht? Wie ging die Partnerschaft weiter?

Beruflich habe ich noch bis 1997 mit den Studentengemeinden in den neuen Bundesländern intensiven Kontakt gepflegt. In der ersten Oktoberwoche, also vor dem 40. Jahrestag der DDR fand in Berlin-Ost die Studentenpfarrerkonferenz statt. Direkt in Nachbarschaft des Tagungshauses lag die Gethsemane-Kirche, in der die Mahnwache gehalten wurde. Am 4.11.1989 habe ich mit einigen Studentinnen und Studenten in Berlin auf dem Alexanderplatz gestanden. Es war die erste nicht staatlich verordnete Großdemonstration in diesem Falle gegen das SED-Regime. Der nächste Besuchstermin war dann noch vor Weihnachten 1989, Januar 1990 wiederum die sogenannte Winterakademie, Veranstaltungen mit ca. 120 Christenmenschen aus Ost und West im Bildungshaus Pappelallee in Prenzlauerberg (wie jedes Jahr) – es war einfach eine spannende Zeit.

Und heute?

Heute habe ich noch ganz vereinzelt Kontakt, das hängt auch damit zusammen, dass ich mich beruflich umorientiert habe. Mein ältestes Patenkind ist allerdings heute als 25jähriger Student in der KSG Leipzig aktiv.

Das Interview führte Felix Neumann

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