Hilfreich für das Leben statt Verboten

Mein Wunsch an die außerordentliche Bischofssynode

Wir sehen seit Jahren, dass die Kluft zwischen der kirchlichen Lehre und der Lebenswirklichkeit nicht nur der jungen Menschen in Bezug auf Beziehung und Partnerschaft immer größer wird. Dabei ist kirchliche Lehre dazu, was eine gelingende Beziehung ausmacht, immer noch für viele Menschen wichtig: Liebe und Treue, Respekt und Vergebung, ein festes gemeinsames Fundament und der Wunsch nach Kindern. Das ist für junge Menschen nicht unwichtig geworden. Aber die als kleinteilige Einmischung ins Privatleben empfundenen Verbote in Bezug auf Beziehung und Partnerschaft spielen im Leben der überwiegenden Mehrzahl der Katholikinnen und Katholiken keine Rolle mehr. Ja sie werden als Widerspruch zum christlichen Glauben verstanden: Als verantwortungslos, wo es um Empfängnisverhütung und den Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten geht, oder als ungerechtfertigte Diskriminierung von homosexuell liebenden Menschen, um nur zwei der meistdiskutierten Themen zu nennen. Nicht nur in diesen Punkten war die Online-Umfrage des BDKJ zu Ehe, Familie und Partnerschafteindeutig: Die als kleinliche Verbotsmoral empfundenen Einzellehren der Kirche zu Sex vor der Ehe, Verhütung oder Homosexualität werden von der großen Mehrheit der jungen Katholikinnen und Katholiken nicht nur nicht beachtet, sondern explizit abgelehnt.

Was wird das für die außerordentliche Bischofssynode bedeuten, die in diesen Tagen in Rom beginnt? Wird dieses Ergebnis mit allen Konsequenzen auf die Konferenztische kommen? Ich wünsche den Bischöfen und den geladenen Beraterinnen und Beratern Offenheit, sich diesem Befund zu stellen, und den Mut, um lebensnah darauf zu reagieren.

Wenn die Gläubigen beinahe geschlossen zu anderen Ergebnissen kommen als die kirchliche Lehre, dann ist das ja vielleicht einer der Fälle, in denen die Bischöfe der Herde folgen sollten, wie Papst Franziskus es in seinem Lehrschreiben ausgedrückt hat: „Darum wird er [der Bischof] sich bisweilen an die Spitze stellen, um den Weg anzuzeigen und die Hoffnung des Volkes aufrecht zu erhalten, andere Male wird er einfach inmitten aller sein mit seiner schlichten und barmherzigen Nähe, und bei einigen Gelegenheiten wird er hinter dem Volk hergehen, um denen zu helfen, die zurückgeblieben sind, und – vor allem – weil die Herde selbst ihren Spürsinn besitzt, um neue Wege zu finden.“ (Evangelii gaudium 31)

Wir sollten von unserem Glauben und unserer Hoffnung reden, von Liebe, Treue und wachsender Beziehung statt von Verboten. Wir müssen mit unserer Überzeugung Wege zu einer gelingenden Partnerschaft aufzeigen, anstatt zu lehren, was alles verboten ist. Die Lebenswirklichkeit der (jungen) Menschen, ihre Sehnsüchte und ihre Erfahrungen sollten unser Ausgangspunkt sein, nicht eine Verbotsmoral, die nur noch um sich selber kreist. Es macht mir Hoffnung, dass diese Bischofssynode so stark im Gespräch ist, dass sie selbst auch dialogischer ablaufen soll und wirklich die Kollegialität der Verantwortlichen in der Weltkirche zum Tragen bringen soll. Hilfreich ist auch, dass die Synode auf zwei Teile angelegt ist, um jetzt die Bestandsaufnahme und das Gespräch zu beginnen und erst in einem Jahr zu Empfehlungen an Papst Franziskus zu kommen. Das gibt uns allen die Gelegenheit, miteinander im Gespräch zu bleiben und die kirchliche Lehre zu einer, der Lebenswirklichkeit der Menschen von heute hilfreicher Wegbegleitung weiter zu entwickeln. Ich bin schon sehr gespannt auf den Verlauf.

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Link zur Onlineumfrage: http://www.bdkj.de/bdkjde/themen/vatikan-umfrage.html

 

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2 Gedanken zu „Hilfreich für das Leben statt Verboten

  1. Zitat: „Wenn die Gläubigen beinahe geschlossen zu anderen Ergebnissen kommen als die kirchliche Lehre, dann…“

    Wie jetzt?
    Die 1.2 Milliarden Katholiken weltweit sind fast geschlossen zu anderen Ergebnissen gekommen? Wirklich?

    Oder waren es doch nur ein paar Leute in Deutschland?
    Meint der BDKJ jetzt schon für die ganze Welt sprechen zu können?

  2. Zitat: „Die als kleinliche Verbotsmoral empfundenen Einzellehren der Kirche zu Sex vor der Ehe, Verhütung oder Homosexualität werden von der großen Mehrheit der jungen Katholikinnen und Katholiken nicht nur nicht beachtet, sondern explizit abgelehnt.“ Warum wird sie als kleinlich empfunden und abgelehnt ?

    Vielleicht weil sie gar nicht von den Jugendlichen verstanden wird. Und zur Beruhigung, die Lehre der katholischen Lehre kann gar nicht geändert werden, weil sie somit keinen Bezug mehr zu Jesus Christus hat, und das haben schon sehr viele teilnehmende Bischöfe zum Ausdruck gebracht. Vielleicht noch ein kleines Bibelzitat: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ (Joh 14, 15) Mit der Umfrage wird ja nur der Egoismus bestätigt, dass es sich einzig und allein um sich selbst dreht, und nicht mehr um Jesus Christus, wobei wir ja versprechen, dass wir seinen Willen tun sollen … Uppsss.

    Und zum Glück dreht sich die Weltkirche nicht einzig und allein um Deutschland, und das wird der BDKJ hoffentlich auch irgendwann einmal begreifen, dass Deutschland nicht der Nabel der Welt ist … .

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