„Kinderpornographie“? Eine Begriffsklärung.

Mit der aktuellen Diskussion um das Sexualstrafrecht ist es wieder präsent: das Wort „Kinderpornographie“. Es wird abgegrenzt von den scheinbar harmlosen Nacktbildern, die unbefugt von Kindern gemacht werden, ohne dass diese bewusst posieren müssen. „Kinderpornographie“ wird dagegen verwendet für Aufnahmen von sexualisierter Gewalt an Kindern, auch für sogenannte „Posing“-Aufnahmen. Denn auch wenn es „nur“ posieren ist, bleibt die sexuelle Ausbeutung eine Gewalterfahrung. Es gibt bei sexualisierter Gewalt an Kindern kein „nur“, denn es handelt sich um die irreversible Schädigung ihrer körperlichen und seelischen Integrität.

Verstörend am Wort „Kinderpornographie“ ist nicht nur, dass es den Tatbestand gibt, für den es verwendet wird. Verstörend ist auch, dass das Wort ein fundamentales Missverständnis nahelegt: dass es sich bei solchen Aufnahmen um pornographisches Material handle.

„Pornographie“ ist die explizite Darstellung menschlicher Sexualität – bzw. eines kleinen, grob verzerrten Ausschnitts davon. Und neben „normalen“ Pornos gibt es eben Teilbereiche, die jeweils für eine Untergruppe von Konsumenten und Konsumentinnen interessant sind. Schwulenpornos zeigen Sexualität von homosexuellen Männern, S/M-Pornos zeigen sadomasochistische Praktiken… aber „Kinderpornos“ zeigen nicht kindliche Sexualität. Solche Aufnahmen zeigen die gewaltsame sexuelle Ausbeutung von Kindern. Sie zeigen ein Verbrechen. Das ist nur dann als „Pornographie“ zu bezeichnen, wenn vorausgesetzt wird, dass jede pornographische Darstellung auf gewaltsamer Ausbeutung der gezeigten Personen beruht. Gemeinhin wird das aber eben nicht vorausgesetzt.

„Kinderporno“ sagt sich so leicht. Es ist kein sperriger Begriff wie „Kinderfoltervideo“. Oder „Gewaltdokumentation“. Im schlimmsten Fall erzeugt es eine Art Gewöhnung, ein Nachlassen des Schreckens über die an Kindern verübte Gewalt. Als Wort, das den Schrecken verbirgt, wird „Kinderpornographie“ zu Tätersprache und spielt Täterinnen und Tätern in die Hände. Sprache prägt die Wahrnehmung der Wirklichkeit. Das Wort „Kinderporno(graphie)“ verharmlost sexualisierte Gewalt an Kindern. Wer das nicht will, sollte es meiden.

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Ein Gedanke zu „„Kinderpornographie“? Eine Begriffsklärung.

  1. Meiner Ansicht nach ist es egal ob es nun Pornographie oder Gewaltvideo genannt wird. Ein Begriff kann für mich kein Kriterium sein wie schlimm oder weniger schlimm/kriminell/brutal/ … eine Tat ist.
    Wichtig ist mir, dass soetwas angemessen bestraft wird. Was hierfür angemessen ist, ist sicher eine andere Diskussion.
    LG Björn
    (Vater von zwei Kindern)

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