Warum eigentlich politisch engagieren?

Florian„Als Jugendverbände engagieren wir uns in unserer täglichen Arbeit auf vielfältige Weise und in verschiedensten politischen Themenbereichen. Aber auch über den Verband hinaus nehmen viele junge Menschen politische Mandate wahr. Sie vertreten die Interessen der Jugendverbände im Jugendhilfeausschuss, engagieren sich für eine Partei im Gemeinderat oder Stadtrat. Heute berichtet Florian Liening-Ewert aus der Kolpingjugend von seinem politischen Engagement und seiner Motivation. Frühere Teile unserer Reihe findet ihr hier (http://blog.bdkj.de/2014/04/16/katholisch-selbst-organisiert-politisch/) und hier (http://blog.bdkj.de/2014/05/23/politisches-engagement-kindern-und-jugendlichen-eine-stimme-geben-bdkj/)

Als mein Schwager vor einigen Jahren 30 Jahre alt wurde, habe ich Ihm prophezeit „Jetzt wirst Du alt!“. Heute – im selben Alter angekommen – denke ich mir: „Hätte ich mich mal nicht so weit aus dem Fenster gelehnt!“

Natürlich verfalle ich jetzt nicht in eine Art „midlife crisis“, aber dennoch bietet die Vollendung des dritten Lebensjahrzehntes eine tolle Gelegenheit, einfach mal etwas anderes zu machen, etwas neues zu wagen – ich jedenfalls habe das getan.

Jeder junge Mensch, der in der Jugendverbandsarbeit groß geworden ist und sich dort engagiert hat, hat Profil. Wir sind engagiert, bringen und setzen uns ein, haben eine Meinung zu vielen Themen, sind sozial kompetent und haben umfangreiche Gremien- und Leitungserfahrung.

Kurz gesagt: Wir sind in der Jugendverbandsarbeit gut, also warum sollen wir nicht auch in anderen Bereichen gut sein – etwa in der Politik?

Die (katholischen) Jugendverbände sowie der BDKJ als ihr Dachverband sehen sich seit jeher als Sprachrohr von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Wir setzen uns intensiv mit entsprechenden Themen auseinander, fassen auf den unterschiedlichen Versammlungen und Konferenzen Beschlüsse und versuchen diese z.B. durch Gespräche mit Politikerinnen und Politikern in politische Entscheidungsprozesse einzubringen.

Unsere parlamentarische Demokratie bietet auch weitere Möglichkeiten, unsere Themen an den richtigen Stellen zu platzieren: Durch die Mitarbeit in den demokratischen Parteien.

Parteipolitisches Engagement mag für die eine oder den anderen eher abschreckend wirken. Sich in einer Partei „hochzudienen“ empfinden wir als nicht besonders einladend. Zumal es wohl nie diejenige Partei gibt, die die eigenen Interessen zu 100% vertritt.

Ich habe mich dennoch für ein parteipolitisches Engagement entschieden und mir zunächst einmal eine politische „Heimat“ gesucht. Für mich ist diese eng verbunden mit meinem Lebensmittelpunkt, an dem ich mich heimisch fühle. Vor Ort wurde ich als junger Mensch gerade in den etablierten Parteien mit offenen Armen empfangen. Man merkt schnell, dass die Parteizentralen weit weg sind und ein Engagement unkompliziert möglich ist. Kommunalwahlen bieten zudem die Möglichkeit sich im Wahlkampf zu erproben und sich nach erfolgreicher Wahl aktiv vor Ort einzusetzen.

Motiviert von so viel Unterstützung aus der eigenen Partei, habe ich im März dieses Jahres für mein erstes politisches Mandat kandidiert: Im Rahmen der bayerischen Kommunalwahlen am 16. März 2014 haben mir die Bürgerinnen und Bürger meiner Gemeinde Hendungen ihr Vertrauen geschenkt und mich zu ihrem neuen ersten Bürgermeister gewählt. Dies ermöglicht mir nun, meine im Jugendverband erlernten Fähigkeiten einzusetzen und zusammen mit dem Gemeinderat eine bürgernahe Politik vor Ort zu gestalten. In der Nähe zu allen Bürgerinnen und Bürgern liegt auch die Chance für alle Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Gerade in einer kleinen Gemeinde darf man diese unsere Zielgruppe nicht aus den Augen verlieren, sondern man muss sie direkt und aktiv einbinden – vielleicht mit einem Kinder- und Jugendparlament. Dieses darf aber nicht zu einer Art „Pseudobeteiligungsinstrument“ verkommen. Beschlüsse aus dem Kinder- und Jugendparlament müssen eine verbindliche Wirkung für die Gemeinde haben und dürfen nicht im Anschluss durch Gemeinderat und Bürgermeister einfach so wieder aufhebbar sein.

 

Ich kann nur jede und jeden von Euch aufrufen sich mit der Möglichkeit eines politischen Engagements auseinanderzusetzen. In der Jugendverbandsarbeit wollen wir selbstbestimmt unsere Angelegenheiten regeln. Wir treten für eine eigenständige Jugendpolitik ein, die die Belange von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen immer im Blick behalten soll. Wir fordern eine konkrete Antwort auf die Frage der Generationengerechtigkeit, vor der Perspektive des demografischen Wandels und eines immensen Staatsschuldenberges. Diese Themen und viele mehr sind uns als junge Generationen wichtig.

Wir sollten daher alle Wege nutzen, das Ruder selbst in die Hand zu nehmen und versuchen auf allen politischen Ebenen mitzugestalten – tun wir das nicht, wird über uns entschieden.

 

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