Unsere Verantwortung für Frieden und Freiheit – Der Militärbischof stellt sich unseren Fragen #kt14

Darf man Waffen exportieren? Darf man Militärgeistliche freistellen, wenn selbst die DPSG keinen Kuraten mehr bekommt? Kann man Christ und Soldat sein? Wie steht es um die internationale und interkonfessionelle Kooperation der Militärseelsorge? Wie wird man eigentlich Militärbischof? Und kostet das viel Zeit?

Militärbischof Franz-Josef Overbeck nahm sich heute  Zeit für allen Fragen, die an Ihn gestellt wurden.  Die muntere Diskussion der aktion kaserne – einer Initiative der Jugendverbände im BDKJ für junge Soldatinnen und Soldaten – wurde auch durch Fragen ergänzt, die via Internet gestellt wurden. Hier ein kurzer Überblick über die interessantesten Fragen – und Antworten.

Man darf Waffen durchaus exportieren – aber nur unter ganz engen Voraussetzungen und einer effektiven Kontrolle. So müssen wir als Gesellschaft sicherstellen, dass sie nicht in die Hände derer gelangen, die damit Böses im Schilde führen wollen.  Die Kriterien dafür müssen mit denen eines möglichen Bundeswehreinsatzes vergleichbar sein. Vor dem Hintergrund der Frage betonte er auch die Bedeutung der kritischen Anfragen aus unserer christlichen Verantwortung heraus und ermunterte dabei uns Jugendliche, uns weiterhin unserer Bedeutung als wichtige, mahnende Impulsgeber in diesen Debatten bewusst zu sein.

Er warnte aber zugleich davor, die Frage nach Sicherheit und Frieden in einer immer komplexer werdenden Welt zu eindimensional und naiv anzugehen: Wir haben auch die Verantwortung Menschen zu schützen, Ihnen einen sicheren Rahmen für ein Leben in Frieden zu schaffen, wenn es notwendig und uns möglich ist. Dabei gilt es – gerade für Christinnen und Christen – eine paradoxe Spannung auszuhalten, dass nämlich die Entwicklung zu Frieden im äußersten Falle nur durch die Androhung oder sogar Anwendung von militärischer Gewalt überhaupt erst möglich gemacht werden kann.

Wie geht das eigentlich zusammen, Christ zu sein und Soldat? Oder als Seelsorger für Soldatinnen und Soldaten da zu sein? Seelsorge ist für alle Menschen da und damit selbstverständlich auch für Soldatinnen und Soldaten. Es gilt Ihnen beizustehen, wo und wie wir es können – nicht nur in akuten Notsituationen sind, sondern unterstützend, durch Hilfe bei der Gewissensbildung, beispielsweise im Lebenskundlichen Unterricht. Auch die Bedeutung der Gewissensentscheidung und der Möglichkeit der Soldatinnen und Soldaten, Handlungen aus Gewissensgründen zu verweigern, wurde in diesem Zusammenhang angesprochen.

Und wie funktioniert in der Praxis die Seelsorge, die Ökumene, wie wird die Seelsorge anderer Religionsgemeinschaften in der Bundeswehr durchgeführt? Hier scheint einiges ähnlich zu sein wie in unseren zivilen Pfarrgemeinden: Es gibt unbesetzte Stellen, große Seelsorgebezirke, aber dadurch auch eine enge ökumenische Verbundenheit und ein sehr gutes Miteinander und viel Verantwortung und Engagement bei den Laien. Mit Blick auf die anderen Religionsgemeinschaften bemüht sich die Bundeswehr all Ihren Angehörigen die Gelegenheit zur gewohnten religiösen Praxis zu geben, beispielsweise durch Moscheebesuche oder die Einrichtung von entsprechenden geschützten Räumen zum Gebet. Für eine echte Gleichbehandlung der Religionen fehle dem Staat aber oftmals – wie beispielsweise auch beim Religionsunterricht in den Schulen – noch der jeweiligen Religionsgemeinschaften authorisierte rechtliche Ansprechpartner.

Die eingangs schon genannte Frage aus dem Publikum, warum Militärgeistliche von ihren Diözesen und Orden frei gestellt würden, für den Bundesverband der DPSG aber kein Kurat gefunden werden könne., bekam von daher auch eine für manche sicherlich überraschende Antwort: Die ganze Kirche in Deutschland – auch die Militärseelsorge – leidet unter Vakanzen und wir tun, was wir können. Aber wir sollten auch nicht vergessen: Die Kirche wird weltweit in einem starken Maß von Laien getragen. Dessen müssen wir uns bewusst sein: „Hinge die Kirche am Glauben der Bischöfe und Priester, sie wäre längst untergegangen. Der Glaube der Laien trägt die Kirche.“

 

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