Ein neues Textilsiegel? Ja, aber…

Bundesminister Dr. Gerd Müller (CSU) äußerte sich zum Vorhaben der Bundesregierung, ein neues Textilsiegel auf den Markt zu bringen. Damit will er die deutsche Modebranche dazu bewegen, soziale und ökologische Mindeststandards einzuhalten. Dazu kommentiert Dirk Tänzler, BDKJ-Bundesvorsitzender:

„Das Vorhaben, die komplexe Wertschöpfungskette von Textilien zu zertifizieren und damit die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards zu garantieren, begrüßen wir.  Das fordern wir im Verbund mit vielen anderen Organisationen übrigens schon seit vielen Jahren. Denn von existenzsicherenden Löhnen ist die Textilbranche weiter entfernt als jede anderen Branchen.

Die Brände und der Fabrikeinsturz in Bangladesh vor einem Jahr brachten in die Öffentlichkeit, auf wessen Kosten billige T-Shirts hergestellt werden: zu Lasten der Gesundheit, Sicherheit, der Textilarbeiterinnen und –arbeiter in überhitzten Fabrikgebäuden. Unmenschliche Arbeitsbedingungen sind aber nicht die einzigen Bereiche in der langen Produktionskette von Textilien, in denen es Missstände zu verzeichnen gibt. Ob der Pestizideinsatz beim Baumwollanbau, der Kontakt zu giftigen Substanzen beim Färben oder die fehlende Gewerkschaftsfreiheit für Arbeitende – die Anforderungen an ein Textilsiegel, das einen wirklichen Unterschied machen kann, sind hoch.

Weder freiwillige Leitlinien (etwa die OECD-Leitlinien, die ILO-Kernarbeitsnormen, Code of conducts von Unternehmen) noch öffentlicher Druck, etwa durch die Kampagne für Saubere Kleidung, konnten bisher nachhaltige Verbesserungen erreichen. Informationsmöglichkeiten für kritische Verbraucher/-innen gibt es bereits, beispielsweise über die Kampagne für Saubere Kleidung.

Ein Siegel wie das Fairtrade Cotton-Siegel, das nur die Baumwolle umfasst, ist nicht genug. Ein Siegel, dessen Standards so angepasst sind, dass es sich alle großen Textilunternehmen ohne Mühe beschaffen können, hilft auch nicht weiter. Wir begrüßen daher den Willen der Bundesregierung, die Entwicklung des Textilsiegels auch finanziell zu unterstützen. Dabei soll das Ministerium auf Stakeholder und Initiativen setzen, auch aus der Zivilgesellschaft, die bereits seit Jahren zu diesen Themen arbeiten. Es soll kein weiteres Siegel unter vielen sein, sondern eines, das bestehende Siegel weiterentwickelt. Nur wenn das neue Textilsiegel die gesamte Wertschöpfungskette einschließt, kann es einen wirklichen Unterschied machen.“

Mehr Informationen zu dem Thema findet Ihr unter http://www.kritischer-konsum.de

 

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