Equal Pay Day: Fakten und unsere Meinung

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Was ist der Equal Pay Day?

Der Equal Pay Day ist ein jährlicher Aktionstag, der auf den Verdienstabstand zwischen Frauen und Männern – den so genannten Gender-Pay-Gap – aufmerksam machen soll. Frauen verdienten 2013 in Deutschland durchschnittlich 22% weniger als Männer.

Bekommen Frauen wirklich weniger Lohn für die gleiche Arbeit?

22% Lohnunterschied bedeutet zunächst, dass der Unterschied im Bruttostundenlohn aller Erwerbstätigen aufgeschlüsselt nach Geschlecht – durchschnittlich 22% Prozent beträgt. Rund zwei Drittel des Lohnunterschieds sind auf strukturelle Gründe zurück zu führen. Hierzu zählen zum Beispiel die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und die ungleiche Aufstiegschancen von Männern und Frauen.

Zur geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung zählt, dass der Frauenanteil in bestimmten Branchen und Berufen deutlich über dem Männeranteil liegt. So arbeiten Frauen deutlich häufiger im Niedriglohnsektor als Männer. Oft liegt das daran, dass die Tätigkeiten in diesem Bereich flexible Arbeitszeiten ermöglichen, die eine Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsarbeit erleichtern. Bezogen auf das weitere Leben stellen sich Tätigkeiten im Niedriglohnsektor, wie beispielsweise so genannte „Minijobs“, aber als Armutsfalle dar, da sie unzureichend für’s Alter absichern. In der Rente wird so aus dem „Gender Pay Gap“ ein „Gender Pension Gap“.

Ein weiteres strukturelles Problem ist aber, dass Frauen häufig für gleichwertige Arbeit schlechter bezahlt werden als Männer. Der Satz „Stahl heben wird in Deutschland besser bezahlt als Menschen heben“ fasst dieses Problem pointiert zusammen. Viele Berufe, die vor allem von Männern ausgeübt werden und körperlich sehr anstrengend sind, werden deutlich besser bezahlt, als beispielsweise Pflegeberufe, die vorrangig von Frauen ausgeübt werden. Wer bemisst aber, dass Kranke heben und umbetten – eine körperlich ebenfalls sehr anstrengende Tätigkeit – und Verantwortung für Menschen zu tragen monetär weniger wert ist, als Stahl oder schwere Geräte zu heben?

Rechnet man nur mit gleichqualifizierten, vollzeitbeschäftigten Männern und Frauen in der gleichen Position und Branche bleiben immer noch 7% bis 8%, die Frauen durchschnittlich weniger verdienen. Dieser Unterschied wird als „bereinigter“ Gender Pay Gap bezeichnet.

Warum findet der Equal Pay Day jedes Jahr an einem anderen Datum statt?

Der Equal Pay Day findet immer an dem Tag statt, bis zu dem erwerbstätige Frauen in Deutschland hätten weiterarbeiten müssen, um im Vorjahr den gleichen Lohn wie Männer zu erhalten. Die zu Grunde liegenden Zahlen sind hierbei natürlich Durchschnittswerte.

Und was hat es mit den roten Taschen auf sich?

Der Verein BPW – Business and Professional Women Germany e.V., der den Tag in Deutschland initiierte, hat die rote Tasche zum Symbol für den Equal Pay Day gemacht. Am 21. März 2014 eine rote Tasche tragen heißt also: ich weiß was heute für ein Tag ist und setze mich für Entgeltgleichheit von Männern und Frauen ein!

Wie sieht es in anderen EU-Staaten aus?

2011 lag der Gender Pay Gap in der Europäischen Union im Durchschnitt bei 16%. Der Gender Pay Gap liegt in Deutschland seit Jahren über dem EU-Durchschnitt. Mit 2% war der Gap 2011 in Slowenien am geringsten.

Was sagt der BDKJ zum Problem der Entgeltunterschiede?

Die BDKJ-Bundesfrauenkonferenz hat im Jahr 2009 einen umfangreichen Beschluss mit dem Titel „Entgeltgleichheit – jetzt“ gefasst. Darin fordern wir u.a. eine geschlechtsneutrale Neudefinition von Leistung, sowie ein transparentes Entlohnungssystem. Im Beschluss wird aber auch betont, dass zur Gleichstellung von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt an vielen Stellschrauben gedreht werden muss: familienfreundlichere Arbeitsbedingungen für Frauen und Männer, verpflichtende Quoten für Frauen in Führungspositionen sowie gendersensible Berufsberatung sind nur ein Teil der Forderungen, die der BDKJ in diesem Bereich hat. Mehr könnt ihr hier nachlesen:

Entgeltgleichheit – jetzt! Beschluss der BDKJ-Bundesfrauenkonferenz 2009 http://www.bdkj.de/fileadmin/redakteur/Dokumente/Beschluesse/4/4_24_Entgeltgleichheit_-_jetzt_.pdf

Auch in unserem Beschluss der Hauptversammlung 2013 „Gerechte Generationenpolitik – zukunftsfähig und solidarisch“ geht es um geschlechtsspezifische Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt: http://www.bdkj.de/fileadmin/redakteur/Dokumente/HV/2013/Beschluesse/3_66_Generationengerechtigkeit_Beschluss_fertig.pdf

(Text: Yvonne Everhartz, BDKJ Bundesstelle)

Weiteres Material zum Thema Equal Pay Day findet ihr hier:

Website des Equal Pay Day (mit deutschlandweiter Aktionskarte): http://www.equalpayday.de/

Statement von Hannelore Buls, Vorsitzende des Deutschen Frauenrats, zum Equal Pay Day 2014: http://www.frauenrat.de/fileadmin/user_upload/aktionen/epd/Statement_Buls.pdf

Kurz-Zusammenfassung des Statistischen Bundesamtes zum Equal Pay Day 2013 mit viel Zahlenmaterial, Grafiken, Aufschlüsselung nach Bundesändern etc.: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/STATmagazin/VerdiensteArbeitskosten/2013_03/PDF2013_03.pdf;jsessionid=1AC8D4CC4DBF2CD5AC46F9F66A72C5B6.cae2?__blob=publicationFile

Erster Gleichstellungsbericht der Bundesregierung (2011) Neue Wege – Gleiche Chancen Gleichstellung von Frauen und Männern im Lebensverlauf: http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Service/Publikationen/publikationen,did=174358.html

Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zum „Gender-Pension-Gap“ (2012): Gender Pension Gap – Entwicklung eines Indikators für faire Einkommensperspektiven von Frauen und Männern http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Service/Publikationen/publikationsliste,did=175248.html

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