Lesen, staunen, freuen

Ein neues päpstliches Lehrschreiben wird veröffentlicht. Das ist normal – es folgt regelmäßig auf eine Bischofssynode. Das aktuelle Lehrschreiben greift die Ergebnisse der Bischofssynode 2012 auf, die sich mit der Evangelisierung beschäftigte und damals keine sonderliche Beachtung fand.

Das neue päpstliche Lehrschreiben begegnet mir zuerst auf facebook. Das ist schon weniger normal – es verbreitet sich in einem bemerkenswerten Tempo, noch bevor es offizielle Äußerungen dazu gibt.

Benannt ist es natürlich auf Latein: Evangelii gaudium, nach den ersten Worten des Textes – die Freude am Glauben. Was dann folgt, ist geradezu mitreißend. Der Papst schreibt in einer klaren, verständlichen Sprache, und er schreibt aus einem tiefen Verständnis für die Welt von heute heraus über den Kern des Glaubens und der Verkündigung: aus der Liebe Gottes heraus zu leben und diese Liebe in die Tat umzusetzen.

Das ist der Kern. Was damit noch einhergeht, steht nicht im Zentrum, soll es auch nicht. Es soll sich dieser Hauptsache unterordnen, soll ihr dienen statt selber im Zentrum zu stehen. Kirche? Muss dezentraler werden, denn der Zentralismus lähmt. Morallehren? Müssen der Verkündigung der Liebe dienen und dürfen sie nicht verdunkeln. Alte Bräuche? Dürfen gern revidiert werden, wenn sie nicht mehr passen und der Verkündigung nicht mehr dienen.

Wichtig dagegen sind die Konsequenzen aus der Begegnung mit Jesus Christus: ein scharfer Einspruch gegen die Macht des Geldes und den Zynismus der Märkte. Ein Einspruch auch gegen Trägheit, Pessimismus und Richtungsstreit unter den „in der Seelsorge Tätigen“. Wichtig ist die Verkündigung, wichtig sind die sozialen Konsequenzen des Glaubens. Wichtig ist, keine Angst vor der heutigen Gesellschaft, keine Angst um sich selbst zu haben. Gott ist größer als die Kirche, und sie darf sich nicht einschließen, darf sich nicht nur um sich selber drehen. Darf auch nicht als Kontrolleurin auftreten, wo sie doch die Frohe Botschaft von der Liebe Gottes verbreiten soll.

Papst Franziskus rückt der Kirche den Kopf ganz schön zurecht. Er nimmt niemanden dabei aus – weder sich selbst noch uns. Einzig die nochmalige Betonung, dass die Weihe von Frauen nicht zu diskutieren sei, schmerzt. Aber alles auf einmal geht wohl nicht. Wenn ihr ein bisschen Zeit habt, lest selbst, es ist zwar sehr lang und nicht alles ist für jede Leserin, jeden Leser gleich interessant, aber es lohnt sich.

Link: Das Schreiben Evangelii Gaudium

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2 Gedanken zu “Lesen, staunen, freuen

  1. Wird das neue päpstliche Lehrschreiben, welches ich mit Genuss gelesen habe und mich sowohl mit Blick auf den Stil, der Form und des Inhaltes nach beeindruckt hat, für die Kirche in Deutschland folgenreich sein?

  2. Lehrschreiben – auch dieses- entfalten ihre Wirkung, wo Menschen die Ideen und Anregungen aufgreifen. Wo sie ihr Alltagshandeln daran ausrichten und DAMIT die Welt gestalten. Der BdkJ mit seinen Verbänden wird auch heute noch vielen jungen Menschen dabei Begleiter, Anreger und Stütze sein. Damit die Freude am Glauben erhalten bleibt.

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