»Partizipationsmöglichkeiten und Beteiligungsgerechtigkeit in der digital vernetzten Gesellschaft« – netzpolitische Stellungnahme des ZdK

ZdKHeute hat das Zentralkomitee der deutschen Katholiken einen medienpolitischen Beschluss veröffentlicht: »Partizipationsmöglichkeiten und Beteiligungsgerechtigkeit in der digital vernetzten Gesellschaft« Auf sechs Seiten nimmt das ZdK erstmals Stellung zum gesellschaftlichen Wandel, der durch das Internet erzeugt wird. In sechs Abschnitten werden die Themen technische und materielle Zugangsvoraussetzungen, Netzneutralität, Medienmündigkeit, Beteiligung und Soziale Online-Netzwerke, Herausforderungen für Organisationen und Strukturen und Kirchen in der digital vernetzten Gesellschaft behandelt. Sehr erfreulich ist, dass das ZdK eine grundsätzlich offene und optimistische, dabei aber kritisch reflektierende Position einnimmt. Aus dem Blickwinkel der katholischen Soziallehre wird vor allem die Frage aufgeworfen, wie die großen Chancen und Möglichkeiten so genutzt werden können, dass alle Menschen davon profitieren und die neue Technik möglichst wenige Menschen ausschließt:

Als Zentralkomitee der deutschen Katholiken sehen wir es als unsere Aufgaben, soziale Fragen auch auf dieses entstehende Politikfeld hin zu stellen und Beteiligungsgerechtigkeit inzufordern. Nicht alle Menschen können die Chancen der digitalen Gesellschaft gleichermaßen wahrnehmen. Die Allgegenwart des Netzes eröffnet neue Teilhabechancen, sie kann aber auch zum Ausschluss von Menschen führen, die nicht damit vertraut sind. Wir setzen uns deshalb für Beteiligungsgerechtigkeit im Netz ein. Sie zielt auf die Möglichkeit jeder und jedes Einzelnen, verantwortlich und wirkmächtig am gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Leben zu partizipieren. Wir wollen sorgsam Teilhabebeschränkungen wahrnehmen und bewerten, so dass die demokratischen Optionen, die das Internet birgt, auch faktische Wirkung für eine breite Bevölkerung entfalten können. Dabei sind gerade die Menschen einzubeziehen und zu befähigen, die aus unterschiedlichen Gründen keinen oder nur eingeschränkten Zugang zum Netz haben.

Aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen ist besonders der dritte Abschnitt, Medienmündigkeit, relevant. Hier wird zur Kenntnis genommen, dass gerade Kinder und Jugendliche die technischen Fertigkeiten oft besser und intuitiver beherrschen als ihre Eltern und Lehrer_innen und diese daher befähigt werden müssen, trotzdem ihre Erziehungsaufgaben, also vor allem »die Einordnung und Priorisierung vorhandener Inhalte, […] der verantwortungsvolle Umgang mit den eigenen Daten und sozial verantwortliches Handeln in diesen Bezügen« zu unterstützen:

Eltern müssen befähigt werden, die Medienerfahrungen ihrer Kinder zu begleiten, um sie zu einem reflektierten, verantwortlichen Umgang mit Medien erziehen zu können. Dazu bedarf es einer zielgerichteten Elternarbeit in der Familienbildung. Um medienpädagogische Angebote in Schulen sowie mediengestütztes Lehren und Lernen im Unterricht stärker zu verankern, sind eine kontinuierliche Weiterbildung der Lehrkräfte und eine gute Geräteausstattung erforderlich. Bildungsangebote für Lehrkräfte zielen dabei nicht nur auf Technikkompetenz, sondern auch auf medienethische und didaktische Kompetenzen. Die qualifizierte Aus- und Fortbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie eine angemessene mediale Ausstattung sind ebenso für Einrichtungen der außerschulischen Bildung, für Medienzentren, Bildungsstätten und Medienwerkstätten von zentraler Bedeutung.

Auch soziale Netze kommen vor, und aus Kinder- und Jugendsicht ist es sehr gut, dass sie grundsätzlich positiv gesehen werden und als legitime Form echter Kommunikation gesehen werden: »[Soziale Netze] sind Orte der Gemeinschaftsbildung und Teil der Lebenswelt.«

Mit dem Positionspapier hat das ZdK eine umfassende Stellungnahme zum Thema Beteiligungsgerechtigkeit in der digital vernetzten Gesellschaft vorgelegt, die durch ihren positiven, dabei kritisch reflektierenden Blick einen wertvollen Debattenbeitrag darstellt. Aus der Sicht der katholischen Soziallehre werden Felder beleuchtet, die oft nicht mitbedacht werden, wenn über das Internet gesprochen wird. »Es ist wichtig, dass Christinnen und Christen dieses Feld verstärkt in den Blick nehmen und sich für eine gerechte Gestaltung des Netzes einsetzen«, schreibt das ZdK an den Schluss des Papiers und zeigt damit die Richtung, wie Christinnen und Christen ihren spezifischen Beitrag zur Gesellschaft leisten können.

Netzpolitische Beschlüsse aus dem BDKJ und seinen Gliederungen

Netzpolitik ist nicht das erste Thema, das mit dem BDKJ in Verbindung gebracht wird, seit einigen Jahren gibt es aber verschiedene Beschlüsse zum Thema, die in eine ähnliche Richtung wie das ZdK-Papier gehen: Kritisch reflektiert, aber immer optimistisch und an Grundrechten orientiert:

(In der Redaktionsgruppe der Stellungnahme waren auch zwei Mitglieder des BDKJ-Webteams beteiligt, Anna Grebe und ich selbst.)

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4 Gedanken zu „»Partizipationsmöglichkeiten und Beteiligungsgerechtigkeit in der digital vernetzten Gesellschaft« – netzpolitische Stellungnahme des ZdK

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