Ich fühle mich wie mein Koffer

Koffer

Kofferpacken: Jedes Mal habe ich das Problem, dass bei der Rückreise der Koffer voller zu sein scheint, als bei der Hinreise. Ich habe nur zwei kleine Souvenirs drin und trotzdem bekomme ich ihn nicht zu. Also noch einmal von vorn. Alles wieder raus, neu zusammenlegen, nochmal rein. Beim dritten Anlauf klappt‘s. Der Koffer ist zu. Jetzt kann es zum Flughafen gehen.

Ich fühle mich wie mein Koffer. Die vielen Eindrücke, die ich hier beim Weltjugendtag sammeln konnte, sind mehr, als ich im Moment richtig einsortieren kann:

Da sind die Pilgerinnen und Pilger, die begeistert von den Tagen der „Missionarischen Woche“ beim Weltjugendtag berichten: Die Begegnung mit Gleichaltrigen in den Gemeinden in Brasilien. Die Erfahrung, dass es Menschen gibt, die weniger „haben“ und glücklicher sind. Die Begeisterung in den Gottesdiensten, die einfach überschnappt – Begeisterung über die befreiende Botschaft des Evangeliums Jesu. Welche Impulse gehen aus diesen Glaubens- und Lebenserfahrungen für mich aus?

Da ist die schier unübersehbare Menschenmenge hier in Rio de Janeiro, am Strand der Copacabana, drei Millionen sollen es gewesen sein, die hier den Kreuzweg gebetet, Vigil gehalten, Eucharistie gefeiert haben. Drei Millionen, die gemeinsam ihren Glauben feiern, gemeinsam schweigen, gemeinsam singen, gemeinsam Gott loben. Wo können junge Menschen in unseren Gemeinden solche prägenden Erfahrungen machen, wenn sie ihren Glauben feiern wollen?

Da sind diese vielen Gesten und Worte von Papst Franziskus. Treffen mit offiziellen Vertretungen des brasilianischen Staates und der Ortskirche genauso, wie Besuche in einer Favela, einer Drogenklinik, einem Jugendgefängnis. Und überall mahnt er Dialog und Begegnung an und verkündet die hoffnungsvolle Botschaft des Evangeliums. Er fordert die jungen Menschen zur Unruhe auf, um unsere Kirche zu gestalten, aber mahnt auch zur Einheit der Generationen. Er drängt dazu, sich nicht in Pfarreien, Schulen, Gemeinschaften – und ich denke auch in unseren Verbänden – einzuigeln und nur für sich da zu sein, sondern hinaus zu gehen an die Ränder der Gesellschaft um den Menschen durch Wort und Tat Hoffnung, Zukunft, Leben zu bringen. Wo sehe ich meine Grenzen, die ich überwinden muss, um die Menschen zu erreichen in meinem Dienst, das Evangelium zu verkünden – in Wort und Tat?

Mein Koffer ist jetzt zu voll, aber er ist zu. Ich bin auch voller Eindrücke. Hier beim Weltjugendtag in Rio de Janeiro ist ganz viel aufgerissen worden, was bisher wohlgeordnet schien. Hoffentlich bleibt es nicht beim Event, das ein paar Erinnerungen bereithält, sondern bewegt tatsächlich was – in unserer Gesellschaft, in unserer Kirche, und vor allem in mir …

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Ein Gedanke zu „Ich fühle mich wie mein Koffer

  1. Sehr geehrter Herr Bundespräses,
    lieber Simon.

    Es ging mir ähnlich, als ich 2002 vom Weltjugendtag in Toronto wieder zurück nach Düsseldorf musste.
    Es war der erste Weltjugendtag, an dem der damalige BDKJ Bundesvorsitzende, Knuth Erbe, für den BDKJ Bundesvorstand teilgenommen hat.
    Zuvor waren ausschließlich BDKJ Diözesanvorstände mit der Jugendämtern auf den Weltjugendtagen. 2002 hat sich dann das Blatt gewendet. Ich habe es noch gut in Erinnerung.

    Gute und gesunde Rückkehr ins Jugendhaus.
    Josef König

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