Kopfschütteln

Beim WJT kommen viele verschieden Kulturen zusammen. Foto: KNA / Oppitz

Beim WJT kommen viele verschieden Kulturen zusammen. Foto: KNA / Oppitz

Ja, Rio ist gefährlich! Und Rio ist ein einziges Chaos! Und was man aus Rio so hört, bewahrheiten sich die schlimmsten Befürchtungen: Verkehrschaos, Organisationschaos, Regenchaos, …

Ich bin jetzt seit über einer Woche hier, lerne mehr und mehr die Stadt und die Mentalitäten kennen, erlebe, wie immer mehr Pilgerinnen und Pilger aus aller Welt in diese Stadt strömen, mit ihrer Fröhlichkeit anstecken … oder ist es nicht eher auch umgekehrt? Weltjugendtage sind auch eine kulturelle Begegnung. Und jeder Weltjugendtag hat seine eigene Prägung, die auch der Ortskirche, die diesen vorbereitet, verantwortet. Und das nicht nur kulturell, sondern auch organisatorisch. Meine Erfahrung nach vier Weltjugendtagen ist, dass die Organisatoren sich immer alles gut durchdacht haben – auch, wie sie die Menschenmassen unterbringen, lenken und jeweils direkt zu ihren Zielen führen wollen. Doch versteht man das als Besucher mit einer anderen Kultur und einer anderen Organisationsdenke immer richtig? Oder ergibt sich nicht auch so manches Missverständnis, weil die Organisatoren anders gedacht haben, wie die deutschen Verantwortlichen, anders geplant haben, wie die Pilgerinnen und Pilger aus Simbabwe es gewohnt sind, anders reagieren, als australische Teilnehmende es erwarten? Und wir reden hier von 400.000 bis am Ende vermutlich 2,5 Millionen Menschen, die ganz unterschiedliche Gewohnheiten und Organisationen kennen und leben.

Ich bin froh, dass der Weltjugendtag immer wieder eine solche kulturelle Herausforderung bietet. Es gibt andere globale Großereignisse, die in regelmäßigen Abständen rund um die Welt reisen. Diese kommen wie ein Ufo auf eine Stadt oder ein Land herab, haben feste Gewohnheiten und auch feste Sponsoren, die fast alles Einheimische vertreiben. Das sind Feste für Menschen, die sich nicht auf andere Länder und andere Kulturen einlassen können oder wollen, wo es wohl auch mehr um Gewohnheiten und Kommerz, als um die Begegnung der Menschen geht. Der Weltjugentag bekommt nur wenige Vorgaben aus Rom, alles Organisatorische muss Ortsüblich geklärt und entschieden werden. Gott sei Dank! Ich liebe diese Herausforderung zur Veränderung, zum Umdenken, zum Erleben von Neuem! Alles andere wäre mir zu steril – dann kann ich gleich zuhause bleiben.

Ja, manche Gruppenverantwortliche mussten bei der Registrierung 10 Stunden und mehr anstehen – und haben mit den Brasilianern Samba getanzt. Die Metro ist 2 Stunden ausgefallen, als man sie am dringendsten gebraucht hätte – und die Pilger haben fröhlich im Regen gesungen. Zum Papstwillkommen sind nicht alle am Strand der Copacabana angekommen – und haben sich halt schnell einen Fernseher mit Liveübertragung gesucht.

Das alles ist bitter – oder eine Herausforderung an die persönliche Flexibilität.

Und wenn ich hier mit den Pilgerinnnen und Pilgern und mit ihren Verantwortlichen rede, dann sind sie ein wenig wegen dieser Dinge genervt, feiern aber weiter sich, ihren Glauben, die Begegnung mit den Menschen aus allen Kulturen dieser Erde!

Und wenn ich lese, dass manche, die in Deutschland sind, nicht zum Weltjugendtag gefahren sind, weil sie ob der Gefährlichkeit und des Unvermögens der Organisatoren schon lange wussten, und jetzt hämische Kommentare und Zeitungsberichte darüber auf facebook teilen, dann nervt mich das mehr, als alles, was ich hier erlebe! Ich habe auch selten was zu Essen bekommen, hatte Angst, an der Bahnstation erdrückt zu werden, brauchte 6 Stunden vom Abschlussgelände zu meinem Bus (angekündigt waren zwei Stunden) – aber nicht in Rio. Das war an einem anderen Weltjugendtag, der von den kritischen Organisationsweltmeistern selbst organisiert wurde … Ich bin froh, dass ich hier sein darf und diesen Weltjugendtag miterleben kann!

 

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