Mystik und Profanes

Grüner Christo auf dem Corcovado

Grüner Christo auf dem Corcovado

Seit Sonntag ist unsere deutsche Delegation, bestehend aus Vertretungen von deutscher Bischofskonferenz, Arbeitsstelle für Jugendseelsorge und Bund der deutschen katholischen Jugend komplett. Heute, am Sonntag, geht es auf den Corcovado, den Berg mit der berühmten Christusstatue. Doch von unten gibt’s erst mal keine Aussicht auf Aussicht: Dichter Nebel entzieht die Statue unseren Blicken.

Doch der Weltjugendtag wäre nicht der Weltjugendtag, wäre da nicht überall die gute Stimmung der Jugendlichen aus aller Welt. Schon die Auffahrt mit der Zahnradbahn ist begleitet von Gesängen Pilgerinnen und Pilger aus aller Welt zockelt die Bahn durch fast unberührte Natur. Pflanzen, die ich bisher nur aus botanischen Gärten kannte, zum Greifen nah. Oben angekommen, umhüllt uns kalter Nebel, verbunden mit einem Stimmengewirr aus Südamerika, Afrika, Europa, Asien. Ab und zu brandet Jubel auf – wenn der Nebel sich ein verzieht, den Blick auf den Christo freibgibt.

Es hat schon etwas Mystisches, wenn sich aus dem Grau des Nebels langsam die Silhouette zeigt, wieder verdeckt wird, plötzlich sich der Christo ganz klar zeigt und dann wieder alles in einer grauen Suppe verschwindet. Später erleuchten Scheinwerfer Christo und Nebel: passend zum Weltjugendtag in grün (oder vielleicht doch weil wir vom BDKJ da sind? ;).

Höhepunkt auf dem Berg über Rio: die Eucharistiefeier im Sockel der Christusstatue. Ganz ergriffen, von der Möglichkeit, hier Gottesdienst zu feiern, holt uns die Profanität eines der beliebtesten Touristenziele der Stadt ein. Pünktlich zur zweiten Lesung kommt ein Mitarbeiter in die Kapelle, sucht in einem Schrank rechts vom Altar ein paar Absperrsäulen heraus, zieht damit feierlich – wie bei einer Prozession – vor dem Altar vorbei, um eine Leiter aus einem anderen Schrank zu holen, wieder zurück, um an die Absperrkette oben im Schrank zu kommen. Er bringt die Leiter natürlich zurück – da Predigt Bischof Wiesemann über Glaube und Tat. Passt doch. Hier in Brasilien gehört das eben im Gottesdienst direkt zusammen.

Nach der Eucharistie ist Nacht über Rio de Janeiro. Der Nebel hat sich verzogen (naja fast) und die Sicht auf die Stadt entschädigt uns für die vernebelten Momente.

Dieser Christobesuch: Er passt zum Weltjugendtag. Mystische Erfahrungen (eines sich vorsichtig zeigenden, mal klaren, mal verdeckten Christus) und profane Dinge gehören eben zusammen. Hier oben auf dem Christo, dem Himmel so nah, und den Menschen auch.

Sag's weiter!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.