Jugendbischof Wiesemann im Gespräch mit der BDKJ-HV

Jugendbischof Wiesemann mit 72h-T-Shirt (Foto: Christian Schnaubelt)

Jugendbischof Wiesemann mit 72h-T-Shirt (Foto: Christian Schnaubelt)

Die Botschaft des neuen Papstes Franziskus prägten das Grußwort des Vorsitzenden der Jugendkommission der deutschen Bischofskonferenz, Karl-Heinz Wiesemann: »Die Kirche muss die Radikalität der Botschaft Christi neu entdecken und an die Ränder der Gesellschaft.« Jugendbischof Wiesemann ist für die BDKJ-Hauptversammlung in seine alte Heimat, das Erzbistum Paderborn, nach Hardehausen gereist. Dort nimmt er an den Beratungen teil und feiert am Samstagabend Gottesdienst mit den Delegierten.

Dabei ist der Jugendbischof – gut zwei Jahre nach Amtsantritt – gut beim BDKJ angekommen: Sein Grußwort am Samstagmorgen wurde an vielen Stellen durch Applaus unterbrochen. Wiesemann betonte vor allem den Stellenwert und die Relevanz des Engagements von jungen Menschen in Kirche und Gesellschaft. Und er lobte den BDKJ und seine Mitgliedsverbände für ihren Einsatz.

Besonders wichtig ist Wiesemann dabei, aus dem kirchlichen Binnenraum herauszukommen und gerade die Ränder der Gesellschaft zu erreichen: »Wir alle müssen unsere Brille neu putzen und neu schauen.« Kirche tue sich schwer außerhalb ihrer Kernmilieus. Bei pastoralen Veränderungsprozessen brauche es daher Sozialraumanalysen. »Wie können Ressourcen verteilt werden, um auf andere Menschen zuzugehen? Verbände sind bei diesen Veränderungen eine wichtige Komponente«, so der Jugendbischof. Sie könnten stützend wirken, wenn Dorf und Kirche nicht mehr deckungsgleich sind, das sei »theologisch und ekklesiologisch sehr wertvoll«.

Der BDKJ trägt, so Wiesemann, dazu bei, dass die Kirche auch in der Gesellschaft präsent ist. Er dankte dem BDKJ explizit für den Einsatz bei der Aktion Dreikönigssingen, die eine gute Botschaft nach außen trage. Auch die 72-Stunden-Aktion sei eine große Chance, das Engagement junger Christinnen und Christen für eine gerechtere Welt zu stärken und zu zeigen. Wiesemann wörtlich:

»Gerade als Christen ist es uns aufgegeben das Bewusstsein dafür wach zu halten, dass es ethische und moralische Grundüberzeugungen gibt, die über dem Tagesgeschäft und über aller Geschäftigkeit stehen und damit zur eigentlichen Richtschnur in all unserem Tun werden. Nachhaltigkeit bedeutet dann zu fragen, was wirklich zählt (im Leben). Gerade junge Menschen haben ein besonderes Gespür für Gerechtigkeit und Authentizität und können diesen Sensus in engagierter Weise in Politik und Kirche einbringen. Dieses Engagement versucht nicht zuletzt der BDKJ zu stärken.«

Das sagte Wiesemann vor allem im Hinblick auf das Schwerpunktthema der Versammlung, die Frage nach einer gerechteren Generationenpolitik.

Der Blickwinkel und die Lebenserfahrungen junger Menschen ist Wiesemann wichtig: In Hinblick auf den Gesprächsprozess der deutschen Bischofskonferenz brauche es gerade in Zukunftsfragen die Beteiligung junger Menschen. Wiesemann habe bei seinen Bischofskollegen dafür geworben, explizit Jugendliche zu den Gesprächsforen einzuladen.

»Wir können die nötigen Veränderungen nicht ohne die Jugend machen!«

Wiesemann freut sich auf den Weltjugendtag in Rio. Mit dem neuen Papst verbindet er die Hoffnung, dass die Gottesdienste, Katechesen und Gebeten in ihrer Gestaltung jugendgemäßer und mit einer größeren Beteiligung der Jugendlichen selbst gestaltet werden.

In der anschließenden Aussprache wurden von den Delegierten auch kritische Punkte angesprochen. Der Dialogprozess der deutschen Bischofskonferenz sei wenig transparent, generell fehle bei vielen Entscheidungen der Bischofskonferenz, etwa auch hinsichtlich der Verteilung von Ressourcen, Transparenz und Beteiligung. Ein Delegierter brachte es auf den Punkt: Wertschätzung, wie Jugendbischof Wiesemann sie sehr glaubwürdig vertrete, sei gut. »Die beste Wertschätzung ist aber Transparenz und Beteiligung«.

Dass sich auch der Jugendbischof beim BDKJ in Hardehausen wohl fühlt, zeigt unter anderem dass er am Freitag bis in die Nacht mit den Delegierten im Gespräch war.

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