Mit dem „Sackmob“ zu mehr Verständis für Jugendliche #kt12

Es sieht schon irgendwie gespenstisch aus, als die Jugendlichen mit ihren weißen Anzügen auftauchen und dann mitten auf einem katholikentagsleeren Platz stehen bleiben. Den Rücken gebeugt. Mit Säcken beladen starren sie auf den Boden, warten. Schweigen. Bedrückend irgendwie. „Ich habe das Gefühl, dass der Druck auf mich immer größer wird. Ich mühe mich ab und weiß trotzdem nicht, was aus mir mal wird, was ich für `ne Perspektive habe.“ Das sagt Marcel, 25, aus Konstanz, als er sich für einen kurzen Moment erhebt, seinen Sack ablegt. Darauf steht „Perspektivlosigkeit“.

Marcel ist einer von 25 Jugendlichen, die sich am Freitagmittag aus dem Treiben des Jugendzentrums herausgezogen haben, um mit einer ungewöhnlichen Aktion zu zeigen, dass sich junge Menschen in diesem Land Sorgen machen. Um ihre Zukunft. Mit einem „Sackmob“ wollen sie deutlich machen, dass junge Menschen unter Zukunftsangst leiden, unter der Staatsverschuldung, dem Klimawandel, unter Arbeitslosigkeit, Armut – unter Leistungsdruck. „Man kriegt irgendwie immer vermittelt, dass man in dieser Gesellschaft nichts wert ist, wenn man nichts leistet, keine Arbeit hat oder so. Also bin ich nix wert, wenn ich keinen Job finde“, fragt Marcel und gesellt sich wieder zu den anderen „Sackmobbern“, die sich auf den Weg machen. Sie ziehen von dem kleinen Platz im Jungbusch ins Katholikentagszentrum.

Auf dem Mannheimer Markplatz und Paradeplatz bleiben viele Passanten stehen, fragen, warum die Jugendlichen da rumstehen, mit ihren Säcken. „Ich kriege mit, wie schwer nach dem Studium ist, einen Job zu finden. Immer nur Praktika. Kostenlos. Wie soll das auf Dauer gehen? Meine Freunde haben schon Glück, wenn sie mal ne befristete Teilzeitstelle kriegen“, sagt Studentin Petra aus dem Allgäu. Das nervt sie. „Ihr habt es wirklich schwerer, als wir früher“, sagt eine ältere Dame im Vorbeigehen. Dass die Jugendlichen an diesem sonnigen Nachmittag nicht nur neugierige Blicke ernten, sondern auch Verständnis – das macht sie ein bisschen zufrieden. „Die Aktion war echt super“, findet Marcel. Nur viel mehr Leute müssten mitbekommen, „was wir so auf dem Herzen haben“.

Der Sackmob war eine Aktion der Kolpingjugend (jugend.kolping.de) der Christlichen Arbeiterjugend (www.caj.de) und dem „arbeit für alle e.V.“ einer Initiative des BDKJ.

Fotos: Christian Schnaubelt Text: Michael Kreuzfelder

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