Bericht vom Podium: Wo bleiben Räume für Jugendverbandsarbeit? #kt12

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BDKJ-Diözesanverband Speyer lädt beim Katholikentag zur Podiumsdiskussion „Leben.Lernen. Wo bleiben Räume für die Jugendverbandsarbeit?“ ein

Nach der ersten Statementrunde, in der es um prägende Lebenserfahrungen geht, ist klar: diese fünf erfolgreichen Menschen auf dem Podium haben in ihrer Jugend nicht der Schule den Vorrang eingeräumt, sondern ihrem ehrenamtlichem Engagement. Und: sie haben durch viel für ihr späteres Leben gelernt.

Auf Einladung des BDKJ-Diözesanverbandes Speyer diskutierten der Autor Manuel Andrack, der Mainzer Weihbischof und stellvertretende Vorsitzende der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz, Dr. Ulrich Neymeyr, Professor Dr. Thomas Rauschenbach vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) in München, BDKJ-Bundesvorsitzender Dirk Tänzler und Gabriele Warminski-Leitheußer (MdL), Ministerin für Kultus, Jugend und Sport, Stuttgart, beim Katholikentag darüber, wo junge Menschen heute noch „Leben lernen“ können. Machen Turboabi, Aussetzung der Wehrpflicht und ein verschultes Studium, dass möglichst schnell den Einstieg in den Beruf ermöglichen soll, ein Engagement außerhalb, da wo man „Leben lernt“, noch möglich? Moderiert wurde die Diskussion von Felix Goldinger, BDKJ-Diözesanvorsitzender im Bistum Speyer und Ingrid Kaiser, Mitglied im BDKJ-Diözesanausschuss „Visionen von Schule“.

Ein Knackpunkt der Diskussion: Kann man innerhalb des Systems Schule für’s Leben lernen? „Schule allein kann Menschen nicht auf das Leben vorbereiten – das halte ich für eine Illusion“, so Warminski-Leitheußer. Darin war sie sich mit Dirk Tänzler einig. Während es die Ministerin allerdings für möglich hielt, u.a. durch eine bessere Rhythmisierung des Schulbetriebs, eine bessere Ausstattung mit Personal aus Sozialarbeit, Sportlern und Ehrenamtlichen, in der Schule die Lernbedingungen für junge Menschen in Richtung auf das „Leben lernen“ zu verbessern, sprach sich Tänzler deutlich für „Räume außerhalb von Schule“ aus. „Außerschulische Bildung kann nicht in der Schule sein.“

Und auch Bischof Neymeyr plädierte für außerschulische Freiräume, in denen Jugendliche ihre Zeit in einem Rahmen der Freiwilligkeit selbst gestalten. „Wir sind eher eine Ausbildungs- statt eine Bildungsgesellschaft“, so seine Einschätzung. Es sei wichtig, dass Verantwortliche aus der schulischen und der außerschulischen Arbeit miteinander einen Dialog führten.

Dr. Rauschenbach plädierte dafür, „Schule neu zu denken“ und Elemente aus der Jugendverbandsarbeit – wie das Lernen, Verantwortung zu übernehmen – in eine neue Art von Schule zu integrieren. Was den (Zeit)Druck auf Jugendliche anginge, seien die Ergebnisse von Untersuchungen widersprüchlich. Einerseits gebe es zwar eine „Verdichtung“ in der Schule, andererseits hätten die meisten „Ganztagsschüler“ nur zwei, drei Tage wirklich den ganzen Tag Schule – Zeit für ehrenamtliches Engagement bliebe da trotzdem. Beim Studium sei die Verkürzung  allerdings ein echtes Problem, weil die Stundenpläne nur wenig Zeit für Engagement ließen. Auch sei das Ziel der Reform – eine Verkürzung des Studiums – nicht erreicht worden, da die meisten Studenten doch versuchten einen Masterabschluss zu machen.

Von einem erheblich größeren Druck auf die Schüler als früher berichtete dagegen Manuel Andrack aus der Sicht eines Vaters. Nicht die Eltern übten Druck aus, sondern in der Schule werde den Schülern oft vermittelt, dass sie ohne Einserabitur später keine Chance hätten. „Ich muss meine Tochter richtig therapieren, sich nicht so Druck machen zu lassen.“
Ehrenamtliches Engagement sei „absolut wichtig für junge Menschen“, die dabei vieles für ihr Leben lernen könnten, so Andrack. Eine Einschätzung, die – dass wurde bei der Diskussion deutlich – alle Podiumsteilnehmer teilen.

Text: Christine Wilke-Zech, Fotos: Christine Wilke-Zech

 

 

 

 

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