„Stimmen der Jugend“: Ansprache von Eugenio Pacelli 1937 an die katholische Jugend

„Stimmen der Jugend“ Zwischen 1934 und 1937 veröffentlichte das Jugendhaus Düsseldorf, Zentralstelle des Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands (KJMVD), die Schallplattenserie „Stimmen der Jugend“. Neben alten und neuen Liedern von und mit Adolf Lohmann und Georg Thurmair umfasst die Serie Reden des Generalpräses des KJMVD, Ludwig Wolker. Die Schallplatten kamen in den Jahren der nationalsozialistischen Diktatur deutschlandweit in den Gruppenstunden des Verbandes zum Einsatz. Betrachtet man die Gebrauchsspuren an ihnen, so wurden sie häufig benutzt, was vor allem für die sechste Platte der sechsten Folge gilt. Während die einzelnen Reihen entweder in Altenberg oder Düsseldorf aufgenommen wurden, so widmet sich die sechste Reihe ausschließlich Rom. Unter dem Titel „Tu es Petrus“ ist Musik, u.a. aus der Capella Sixtina, sowie auf der sechsten Platte eine Rede Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacellis zu hören. Seine Rede an die deutschen Jugen wurde im April 1937 veröffentlicht, also kurz nach der Enzyklika „Mit brennender Sorge“.
Der KJMVD, verboten 1939, wurde nach Ende des Zweiten Weltkrieges nicht wieder gegründet, sondern ging in dem 1947 gegründeten Bund der Deutschen Katholischen (BDKJ) auf. (Text: Maria Wego, Referat Archiv, Dokumentation und Wissensmanagement im Jugendhaus Düsseldorf)

Dirk Tänzler hatte Papst Benedikt bei seinem Treffen in Freiburg eine Schallplatte aus der Reihe „Stimmen der Jugend“ überreicht. Hier ist der Wortlaut der Ansprache des damaligen Kardinalstaatssekretärs Eugenio Pacelli, dem späteren Papst Pius XII, an die deutsche Jugend aus dem Jahr 1937:

„Ihr habt mich um ein Wort an katholische Jugend Deutschlands gebeten. Gerne erfülle ich euren Wunsch, denn es handelt sich um ein Wort an diejenigen, auf denen und in denen Gott die Zukunft seiner Kirche in einem Volke aufbauen wird, das dem Herzen des höchsten Oberhauptes der Kirche, des Vaters der Christenheit, so nahe steht, und das in der Vergangenheit so wesentliche Seiten in die Annalen der europäischen Menschheit und der Kirche eingezeichnet hat. Zunächst wünsche ich der katholischen Jugend Deutschlands die Gnade felsenharten und frohen Glaubens. Nur aus dem Jungbrunnen solchen lebendigen, übernatürlichen Glaubens quellen die Kräfte mannhafter Heiligkeit.
Gläubig ist die Jugend, die in Demut ihr Knie beugt vor dem allmächtigen Gott und seinem heiligen Besitz. Gläubig ist die Jugend, die durch Christus, mit Christus und in Christus lebt in der glückhaften Sicherheit, dass in ihm die Fülle der Gottheit wohnt, dass wir durch ihn – und nur durch ihn – Erlösung, Gnade und ewiges Leben erlangen. Gläubig ist die Jugend, die bewusst Jugend der Kirche sein will und stolz ist, es zu zeigen. Nicht aus menschlichen Erwägungen, nicht aus geschichtlicher Gewöhnung, sondern um Christi Willen, weil diese Kirche, Christi Kirche, weil sie der fortlebende Christus ist. Gläubig ist die Jugend, die schon ganz früh das große Gebot der aus dem Gottesglauben erwachsenden Nächstenliebe erfasst, die um Christi Willen nicht glücklich sein kann und nicht Glücklichsein macht, wenn sie nicht auch die Mitmenschen, allen voran die Notleidenden und die Verzagten, Gott und einem menschenwürdigen Dasein zuführen kann. Möchten doch alle Kreise eures Volkes erkennen, dass es solcher Jugend getrost die gleichberechtigte Mitarbeit am Aufbau eines glücklichen Deutschland anvertraut werden kann.
Als Heim- und Pflegestätte solchen Glaubens wünsche ich der katholischen Jugend Deutschlands die Gottesgabe wahren christlichen Familiengeistes und Familienglückes, dass sie heranwachse im lebenden Sonnenschein nimmermüder Vatersorge, alles verstehender Mutterliebe, dass sie zu Vater und Mutter aufschaue mit jener Ehrfurcht und Liebe, die immerfort und allerorts die unerlässliche Vorbedingung gesunder Familien- und Volkskultur gebildet haben und bilden werden. Mit jener Ehrfurcht und Liebe, die für den Gläubigen Sinnbild und Abglanz der Ehrfurcht und Liebe Gott gegenüber sind.
Ich wünsche der katholischen Jugend Deutschlands den Willen und das Streben nach rastloser Selbstheiligung. Höchstes Jugendglück ersteht immer auch auf dem Fundament unentweihter Jugendreinheit. Sich in Selbstbeherrschung, in nimmermüdem Kampf zu bewusster, in gewollter Reinheit durchringen, dass ist die sittliche Kraftprobe, in der heldische Menschen wachsen. Hier den Sieg davontragen, heißt Gewähr dafür bieten, dass man imstande sein wird, Spitzenleistungen zu schaffen, auch im Bereich des Gemeinschaftslebens. Das ein gesteigertes Dienen und Opfernis, ein Fügen des Eigennutzes, ein selbstvergessenes Fördern des Gemeinnutzes. Einer Jugend, die mit solchen seelischen Hochland aufgewachsen ist, können Volk und Staat getrost ihre Zukunft anvertrauen. Ich wünsche der katholischen Jugend Deutschlands endlich jene innere Treugesinnung und äußere Treubewährung, die der stille Adel um die Krone der Begnadeten und Auserwählten ziehen. Die verflossenen Jahre haben euch erkennen lassen, was Treue zu Gott, Christus und Kirche besagen kann.
In der unbedingten Treue, zu dem was Gott, Christus und Kirche von euch erwarten, nicht das große, manchmal leidreiche, immer aber ruhmvolle Apostolat, das euch für diese Jahre schwerster Entscheidungen und der Vorsehung zugewiesen ist. Einmal wird der Tag dämmern, wo der Edelmut und die Uneigennützigkeit dieses eures Apostolats auch solchen offenbar werden wird, die euch heute noch nicht verstehen. Der Tag, wo alle Gutgesinnten im wiedergewonnen Frieden und neu entdeckten Brudersinn zugestehen werden, dass ihr durch dieses Apostolat der Treue auch eurem Volk und Vaterlande edelsten Dienst erwiesen habt. Wirr sind die Zeiten, wie gewaltig die Aufgaben, die sich stellen, für keinen schwerer, für keinen verantwortungsreicher als für euch, die ihr die Vorhut der Zukunft seid. Die Augen des Vaters der Christenheit ruhen auf euch. Seine Gebete begleiten euch. Sein Segen ist euch nahe für und für in eurem treuen Seelenwirken zu Gottes Ehre, zur Mehrung des Reiches Christi, zur wahren und dauernden Wohlfahrt eures Volkes und Vaterlandes.“
Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli
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