Eine Katechese und ein Dialogversuch mit Kardinal Meisner

Auf dem Weg in den Madrider Norden treffen wir andere „orientierungslose“ Jugendliche und finden schließlich, die kleine, versteckte Kirche eines kirchlichen Schulzentrums. Die ist zum bersten voll. Jugendliche aus Münster, Köln, aus der Schweiz und Österreich stimmen sich mit Liedern und Gebet auf die Katechese mit dem Kölner Kardinal Meisner ein.

Unter tosendem Applaus zieht der auch für seine markigen Sprüche bekannten Kardinal ein. In seiner Katechese spricht er viel von „Standhaft-Sein“, von aufrechten, starken Christen mit Rückgrat, er macht Mut und beschwört, dass wir als Christen gegen den Strom schwimmen müssen. Keine neue Botschaft. Aber beeindruckend. Authentisch. Auch weil es doch den ein oder anderen markanten Satz gibt wie: „Menschenrechte sind immer Gottesrechte“, „das ökologische Problem ist ein theologisches Problem“, „Freiheit hat ein Gesicht und dieses Gesicht ist Jesus Christus“. „Wer glaubt, der zittert nicht“.

Nach 30 Minuten kommt es zum „Dialog“. Die jungen Christinnen und Christen werden eingeladen, Fragen an seine Eminenz zu stellen. Und als erstes kommt sie, eine der Fragen, die uns als BDKJ hier in Madrid auch sehr bewegt. „Herr Kardinal“; fragt Thorsten aus Bedburg-Hau, „sie haben dankenswerterweise, die ökologische Situation angesprochen. Wie geht das dann einher, dass wir mit dem Couponheft eingeladen werden, bei großen Fast-Food-Ketten zu essen, die ja bekanntlich zur ökologischen Katastrophe beitragen. Hat Kirche nicht da eine Vorbildfunktion?“ Spannung, was wird der Kardinal entgegnen. Die Frage passt, eigentlich gut in das Konzept des Kardinals. Gradlinig, auf Jesus bezogen, gegen den Strom! Allerdings schlägt Meisner Thorsten Folgendes vor: „Wir können ja gemeinsam fasten“. Danach sagt er noch, dass die Kirche da wohl auch noch einen weiten Weg vor sich hätte. Schade, es hätte so viel aus christlicher Sicht zu sagen gegeben zu dem Thema. Nächste Frage: „Warum dürfen Frauen keine Priester werden?“, fragt eine junge Frau. Kardinal Meisner antwortet: „Weil die Frauen dazu zu schade sind“. Ende der Durchsage. Schade, denke ich, auch die zweite Chance verpasst. Denn nicht nur ich, sondern viele der 700 Jugendlichen in der Kirche hätten sich auf mutig und offen gestellte Fragen mehr gewünscht, als einen lockeren Spruch. Aber es kommen ja noch zwei weitere Katechesetagen mit Kardinal Meisner!

Dirk Tänzler

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