BDKJ zieht Bilanz des Deutschen Jugendhilfetages

Düsseldorf, 10. Juni. „Die Veränderungen der Jugendphase und der Rahmenbedingungen von Jugendpolitik sind die entscheidenden Herausforderungen für die Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland in den nächsten Jahren“. So bilanziert die BDKJ-Bundesvorsitzende Ursula Fehling den am Donnerstag in Stuttgart zu Ende gegangenen 14. Deutschen Jugendhilfetag. Das Treffen habe gute Anregungen und einen guten Austausch in vielen Fachbereichen geboten, so Fehling. Mit vielen Veranstaltungen und in Gesprächen mit Politik und Trägern der Jugendhilfe hat der BDKJ-Bundesvorstand dabei die Positionen und Anliegen der katholischen Jugendverbände eingebracht.

Ein zentrales Thema war die Debatte um eine eigenständige Jugendpolitik. Bei einer der Hauptveranstaltungen stellte das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) ein Eckpunktpapier für eine eigenständige Jugendpolitik vor. Fehling lobt das Vorgehen „als guten Rahmen, um über Politik für junge Menschen ins Gespräch zu kommen.“ Sie begrüßt, dass es in dem Prozess darum gehe, gute und nachhaltige Konzepte zu erarbeiten statt ein Strohfeuer zu zünden. Das Dokument mit dem Titel "Eine Allianz für die Jugend" eröffne neue Perspektiven für eine eigenständige Jugendpolitik.

Gleichzeitig sieht Fehling in der Finanzierung der Jugendhilfe ein „brisanter werdendes Problem“ und mahnt die Kommunen, nicht an Ausgaben in der Jugendarbeit zu sparen. Aufgrund von Kürzungen zeichneten sich bei vielen Trägern „massive Probleme" ab. Aber auch auf Bundesebene drohten durch die Schuldenbremse, Kürzungen im Kinder- und Jugendplan des Bundes. Auf die Notwendigkeit der strukturellen Absicherung der Jugendarbeit auf allen Ebenen macht der Deutsche Bundesjugendring derzeit mit seiner Kampagne "Starke Verbände – starke Jugend" aufmerksam. Diese war auch auf dem DJHT mit Flyern, Luftballons und Plakaten präsent und bot einen guten Ausgangspunkt für Gespräche mit Mitgliedern des Bundestages am Stand des BDKJ.

Für die benachteiligten Jugendlichen gab es direkt vor dem DJHT eine gute Nachricht. Das BMFSFJ konnte die Mittel für die Kompetenzagenturen und die „2. Chance“ um 30 Millionen auf 80 Millionen Euro aufstocken. So wird es möglich, die Arbeit der Träger an vielen Standorten zu erhalten. Die Armut von Kindern und Jugendlichen fand auf der Fachmesse und im Fachkongress trotz der nach wie vor prekären Lage nicht den notwendigen Raum in der Diskussion. Deutlich wurde, dass es Ansätze braucht, die die Bedürfnisse Benachteiligter tatsächlich aufgreifen, ein dauerhaftes personales Angebot machen, ein Handeln quer zu den Strukturen der Finanzierungen am Jugendlichen orientieren und mit ihm einen Weg zu sinnstiftender Tätigkeit und Teilhabe geht. Das ökonomische Verwertungsinteresse steht bei gesellschaftlichem Handeln in so großem Maße im Vordergrund, dass Jugendlich-Sein für junge Menschen zum Exklusionsrisiko werden kann. Ursula Fehling forderte, die Jugendlichen zum Subjekt der eigenen Entwicklung zu machen und stellte an eine eigenständige Jugendpolitik den Anspruch, eine Beteiligung der Jugendlichen bei allen Planungen, die sie betreffen, sicher zu stellen und nicht Politik für die Jugend sondern mit der Jugend zu machen.

Darüber hinaus engagierte sich der BDKJ im Bereich Freiwilligendienste und veranstaltete mit dem Bundesarbeitskreis FSJ ein Fachforum zur Kompetenzentwicklung in den Jugendfreiwilligendiensten. Dabei forderte Prof. Münchmeier nicht am auf berufliche Verwertbarkeit ausgerichteten Qualifikationsbegriff zu orientieren sondern viel eher an Bildungsaspekten. Nur dann gelänge ein ganzheitlich auf die Person und auf gesellschaftliche Werte bezogener Blick.

An BDKJ Stand auf dem Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag konnten Besucherinnen und Besucher darüber abstimmen, welche Partei ihrer Meinung nach die beste Politik für junge Menschen macht. In den 3 Tagen haben 212 „WählerInnen“, vorrangig Fachpublikum, SchülerInnen und Studierende aus dem Raum Stuttgart, ein Voting abgegeben. Hier das Ergebnis:

Hier ist das Statement von Ursula Fehling, das sie bei der Eröffnungsveranstaltung „Erziehung und Bildung“ als Co-Referat aus dem Bereich Jugendarbeit gehalten hat

Text: Ludger Urbic, Uwe Slüter, Ursula Fehling, Michael Kreuzfelder

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Ein Gedanke zu „BDKJ zieht Bilanz des Deutschen Jugendhilfetages

  1. Preisfrage: Gibt es eine "Schuldenbremse"? Diskutieren Sie mit, aber fangen Sie erst einmal an zu denken:http://www.humane-wirtschaft.de/schuldenbremse-und-was-davon-zu-halten-ist/comment-page-1/"Ihr werdet mir tausend Fragen stellen, und nachdem ich sie alle zu eurer Zufriedenheit beantwortet habe, werdet ihr von vorne anfangen."Silvio Gesell, 1929Es gibt Kindergarten-Diskussionen und Diskussionen für Erwachsene. Erstere beschäftigen sich mit der a priori sinnlosen Frage, ob es noch eine andere Möglichkeit für das zivilisierte Zusammenleben geben könnte als die Natürliche Wirtschaftsordnung (echte Soziale Marktwirtschaft = freie Marktwirtschaft ohne Kapitalismus), die der Sozialphilosoph Silvio Gesell bereits 1916 vollständig und widerspruchsfrei beschrieben hatte (alle "Gegenargumente" basieren auf Vorurteilen und Denkfehlern) und die Ludwig Erhard noch nicht durchsetzen konnte, weil ihm die "katholische Soziallehre" in die Quere kam; letztere behandeln die überaus interessante Frage, warum es Kindergarten-Diskussionen sogar noch im 21. Jahrhundert gibt (wobei die "hohe Politik", so genannte "Wirtschaftsexperten" und der "hohe Journalismus" noch nicht einmal bis zum "Niveau" der Kindergarten-Diskussionen vorgedrungen sind)."Ich glaube – und hoffe – auch, dass Politik und Wirtschaft in der Zukunft nicht mehr so wichtig sein werden wie in der Vergangenheit. Die Zeit wird kommen, wo die Mehrzahl unserer gegenwärtigen Kontroversen auf diesen Gebieten uns ebenso trivial oder bedeutungslos vorkommen werden wie die theologischen Debatten, an welche die besten Köpfe des Mittelalters ihre Kräfte verschwendeten. Politik und Wirtschaft befassen sich mit Macht und Wohlstand, und weder dem einen noch dem anderen sollte das Hauptinteresse oder gar das ausschließliche Interesse erwachsener, reifer Menschen gelten."Sir Arthur Charles Clarke (1917 – 2008), aus "Profile der Zukunft"Für die Überwindung der "Finanzkrise" und den anschließenden, eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation bedarf es der "Auferstehung der Toten". Als geistig Tote sind alle Existenzen zu bezeichnen, die vor lauter Vorurteilen nicht mehr denken können. Werden Sie lebendig: http://www.deweles.de

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