„Mutige Schritte wagen“: Dirk Tänzler über Kirchenkrise, das Alter und den Heiligen Geist #bdkjhv

Bdkj_taenzler_079

Die BDKJ-Hauptversammlung hat Dirk Tänzler im Amt bestätigt. Ein Gespräch über die Herausforderungen für die katholische Jugend, die Kirche und ihn persönlich:

Lust oder Frust? Was überwiegt, wenn man als Bundesvorsitzender die Interessen von katholischen, jungen Menschen vertreten soll?

Dirk Tänzler: Auf jeden Fall Lust! Wenn ich sehe wen und was ich in meiner Arbeit vertreten darf: Menschen, die sich für ihren Glauben, für junge Menschen einsetzen, die Lebensbedingungen in Deutschland und der Welt verbessern wollen. Ich merke fast jeden Tag, dass unser Slogan „Uns schickt der Himmel“ nicht aus der Luft gegriffen ist. Er ist Realität in den katholischen Jugendverbänden. Da kann man doch nur Lust drauf haben!

Die katholische Kirche steckt in einer Krise – wie kann diese überwunden werden?

Auf jeden Fall nicht, wenn man Themen, die die Menschen interessieren – egal ob jung oder alt – zum Tabu erklärt. Die politischen Ereignisse der letzten Monate haben doch eins bewiesen: Es geht um Beteiligung an Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen. Dies muss auch für die katholische Kirche gelten. Dabei gilt: Veränderungen dürfen nicht um des Verändernwollens geschehen, es geht um Vergewisserung, Überprüfung, Entwicklung – und zwar im konstruktiven Dialog.

Und was spielen junge Menschen dabei für eine Rolle?

Eine große natürlich! Daran, wie katholische Kirche die Fragen und Anregungen der jungen Generation wahrnimmt und aufnimmt, werden wir sehen, ob den Bischöfen die Situation der Kirche wirklich bewusst ist und ob sie es ernst meinen mit dem Gesprächsprozess.


Was sind die größten Herausforderungen, vor denen der BDKJ in den kommenden drei Jahren steht?

Sicher, den Positionen junger Menschen in der Kirche Gehör zu verschaffen. Aber auch, die jugendpolitische Debatte zu gestalten – hier gilt es, eine eigenständige Jugendpolitik zu begründen und mit zu entwickeln. Die 72 Stunden Aktion wird sicherlich einer der Höhepunkte in den kommenden drei Jahren sein und viele Kräfte binden, aber auch inhaltliche Akzente setzen. Und  wir müssen uns intern im BDKJ damit auseinander setzen, unsere gemeinsamen Ziele zu überprüfen und gegebenenfalls neue Arbeitsweisen zu etablieren. Also: Langweilig wird uns sicherlich nicht.


Wie schwer fällt es nach sechs Jahren Amtszeit und mit 42 Jahren, die Anliegen junger Menschen zur vertreten?

Wenn man hört, ein 42-jähriger steht an der Spitze der katholischen Jugend, kann ich Bedenken einerseits verstehen. Klar denken viele bei der Funktion erstmal an einen biologisch jungen Menschen. Aber: Mein Beruf und meine Berufung sind es, mich mit meiner ganzen Kraft für die Anliegen junger Menschen in Kirche, Politik und Gesellschaft einzusetzen. Das kann man in jedem Alter tun. Zweitens leben wir im BDKJ Demokratie: Eine große Mehrheit unseres „Parlamentes“, der BDKJ-Hauptversammlung, hat mich in das Amt gewählt. Das Mandat nehme ich ernst, es freut mich und zeigt mir, dass ich in den vergangenen sechs Jahren zumindest keinen groben Unfug gemacht habe…


Wofür werden Sie wohl in den nächsten drei Jahren am häufigsten beten?

Um den heiligen Geist. Dass er mich beflügelt, dass er mir Kraft und Gelassenheit gibt. Dass er den Bischöfen Zutrauen gibt, sich auf Dialoge einzulassen, Dinge zu hinterfragen und mutige Schritte zu wagen.


Und worauf freuen Sie sich?

Auf die 72-Stunden-Aktion. Auf die Menschen, denen ich begegnen darf. Auf Entwicklung. Denn Stillstand ist Tod. Und Jesu Leben zeigt uns immer wieder: Leben heißt Aufbruch, Leben ist Veränderung.

Quelle: http://www.bdkj.de/bdkjde/der-bdkj/bundesvorstand/dirk-taenzler/interview-mit-dirk-taenzler.html

Sag's weiter!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.