#bdkj Bundespräses Simon Rapp zum Freiwilligen Zivildienst bei PK der #DBK

Pressegespräch zum Vorschlag eines bundesweiten „Freiwilligen Zivildienstes“ am 21. September 2010 in Fulda

Statement von Pfarrer Simon Rapp, Bundespräses des Bundes der deutschen katholischen Jugend

Freiwilligendienste sind ein Angebot der Jugendarbeit

Als Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) setzen wir uns seit Jahren für die Aussetzung der Wehrpflicht ein. Dass es jetzt so weit ist, freut uns, denn damit bekommen junge Menschen die Gestaltungsfreiheit für ihr Leben, die ihnen im Grundgesetz garantiert ist. Mit der Wehrpflicht steht auch der Zivildienst vor dem Aus. So gilt es, das soziale Engagement von jungen Menschen zu fördern und auszubauen.

Der BDKJ und der Deutsche Caritasverband koordinieren seit vielen Jahrzehnten das Freiwillige Sozial Jahr in katholischer Trägerschaft auf Bundesebene. Beide wollten ihre FSJ-Plätze in den nächsten 2 Jahren von derzeit 4.500 auf 6.500 Plätze steigern. Da es nun aber verfassungsrechtliche Bedenken einer noch stärkeren Bundesförderung für die bisherigen Freiwilligendienste gibt, hat die Bundesregierung den „Freiwilligen Zivildienst“ in Bundeskompetenz auf den Weg gebracht. Ob er eine Konkurrenz zu den bestehenden Jugendfreiwilligendiensten ist, wird sich an den Rahmenbedingungen zeigen. Wir bieten der Bundesregierung auf jeden Fall an, ihn zusammen mit weiteren Akteuren der Zivilgesellschaft auf den Weg zu bringen.

Wir haben keine Sorge vor der Abschaffung des Zivildienstes. Denn mit dessen Aus endet ja nicht die Bereitschaft junger Menschen, sich zu engagieren. Als Träger des „Freiwilligen Sozialen Jahres“ und als katholische Jugendverbände, die tagtäglich mit jungen Menschen zusammen arbeiten, nehmen wir sogar eine zunehmende Bereitschaft zu freiwilligem Engagement wahr. Das belegt nicht zuletzt die jüngste Shell-Studie.

Richtig ist, dass unsere Gesellschaft das freiwillige Engagement seiner Bürger braucht. Deshalb bieten wir der Bundesregierung an, den neuen Dienst

zusammen mit weiteren Akteuren der Zivilgesellschaft auf den Weg zu bringen. Denn alleine kann und darf sie es nicht.

1. Freiwilligendienste – Angebot an junge Menschen, das ihnen selber dient

Als Dachverband der katholischen Jugendverbände sehen wir die Freiwilligendienste vor allem als ein Angebot für junge Menschen, das auf Freiwilligkeit, Teilhabe an der Ausgestaltung, Selbstreflektion und personales Angebot gründet. Uns geht es darum, wie Freiwilligendienste den Bedürfnissen und Anforderungen junger Menschen gerecht werden und nicht nur den Ansprüchen des Staates oder der Einrichtungen.

Aus christlicher, kirchlicher Sicht tragen Jugendfreiwilligendienste auch dazu bei, dass junge Menschen Christen erleben, die durch ihr Tun ein lebendiges Zeugnis ihres Glaubens geben. Das hilft ihnen, sich selbst mit dem Sinn und dem Ziel ihres Lebens auseinander zu setzen und sich mit anderen in den Seminar- und Bildungswochen, neben der Reflexion des Einsatzes, auch mit Glaubens- und Lebensfragen zu beschäftigen. Das FSJ bietet diese Qualität.

2. Wir wehren uns gegen die Verstaatlichung der Zivilgesellschaft

Freiwilligendienste sind ein Angebot der Zivilgesellschaft. Das muss so bleiben. Das Subsidiaritätsprinzip, dass der Staat Aufgaben, die gesellschaftliche Träger selber anbieten können, unterstützt, aber nicht bestimmt, ist für uns genauso wichtig wie die Autonomie der jeweiligen Träger, was Einsatzstellen, Aufgabenbeschreibung, Personenwahl und inhaltliche Ausgestaltung anbelangt. Um eine Verstaatlichung der Zivilgesellschaft zu verhindern, muss sich der neue Freiwilligendienst von der Grundstruktur, der inhaltlichen Konzeption und der finanziellen Förderung an den bewährten Jugendfreiwilligendiensten orientieren. Dazu möchte auch ich, neben den vom BDKJ mitgetragenen Punkten des Deutschen Caritasverbands folgendes erwähnen:

1. Der so genannte „Freiwillige Zivildienst“ darf weder organisatorisch noch finanziell die bestehenden Jugendfreiwilligendienste, die von der Zivilgesellschaft getragen sind, beschädigen. Vielmehr müssen die Jugendfreiwilligendienste gestärkt hervorgehen, z.B. durch Anhebung der Förderpauschalen. Wir erwarten von der Bundesregierung, dass das FSJ zu dem neuen Angebot konkurrenzfähig ist!

2. Die Organisation und inhaltliche Ausrichtung eines „Freiwilligen Zivildienstes“ muss sich am FSJ orientierten: Am Besten werden dazu die bisherigen Träger des „Freiwilligen Sozialen Jahres“ in die Planung, Organisation und Durchführung des „Freiwilligen Zivildienstes“ einbezogen.

3. Ein „Freiwilliger Zivildienst“ muss ein Bildungs- und Lerndienst sein. Deshalb muss auch hier, wie bei den anderen Jugendfreiwilligendiensten die pädagogische Begleitung der Freiwilligen durch geschulte Kräfte des Trägers gestaltet sein.

3. Freiwilligendienste – ein Angebot der Jugendpastoral der Kirche

„Die Kirche dient dem jungen Menschen, indem sie ihm hilft, sich in einer Weise selbst zu verwirklichen, die an Jesus Christus Maß nimmt (Phil 2,6-11).“ Dies ist ein Ziel kirchlicher Jugendarbeit. Daher hält die Katholische Kirche in Deutschland für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene eine Vielzahl unterschiedlicher Angebote bereit, um junge Menschen bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung und –reifung zu unterstützen. Sie tut dies, indem sie den selbstlosen Dienst Jesu Christi an den Menschen zum Vorbild nimmt und jungen Menschen als Lebensbeispiel anbietet. Ein wichtiger Baustein dieses großen Jugendpastoralen Angebotes sind die „Jugendfreiwilligendienste in katholischer Trägerschaft.“  

Jugendfreiwilligendienste haben zudem eine jugendpolitische Aufgabe. Sie sind eine gute Möglichkeit, sich in unserer Gesellschaft sozial und politisch zu engagieren und Gesellschaft zu gestalten. Sollte also der „Freiwilligen Zivildienst“ kommen, so muss er ein jugendpolitisch orientierter „Freiwilligendienst“ und eine Maßnahme der Jugendbildung sein.

Die Statements von Caritaspräsident Neher und Bischof Reinelt findet Ihr hier:

http://www.dbk.de/presse/aktuelle-meldungen/details/?tx_ttnews[tt_news]=1668&tx_ttnews[backPid]=233&cHash=a35b8646015f08f809e21802e80c9d19

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