Weltverbesserer-Brainpool beim BDKJ-Podium „Es geht doch! Gerechtes Wirtschaften ist jetzt schon möglich“ auf dem ÖKT

Ganz so selige Einigkeit wie von einigen erwartet herrschte dann doch nicht, beim Podium „Und es geht doch – Gerechtes Wirtschaften ist jetzt schon möglich“ in der Event Arena im Münchner Olympiapark. Das lag wahrscheinlich doch daran, dass fünf parteilose WeltverbessererInnen auf einen Parteipolitiker trafen. So wurde CDU-Politiker Peter Weiss die Rolle des eher kühlen Realisten und – klar – des Verteidigers der aktuellen Regierungspolitik zuteil. Dabei schlug er sich gar nicht mal schlecht.

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Das Podium entwickelte sich schnell zu einer Art Brainpool, was alles für eine gerechtere Welt und Welt-Wirtschaft getan werden könnte. Ideen und Erfahrungen dazu kamen von den Podiumsteilnehmenden – aber auch aus dem Publikum. So unterstrich der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Weiss, dass bei der Ausschreibung öffentlicher Aufträge davon Gebrauch gemacht werden solle, ökologische und soziale Standards fordern zu können. Er berichtete sogleich von seinem privaten Engagement, ein Fairtrade-Label für Pflastersteine aus internationalen Steinbrüchen zu fordern.

Hautnahe Erfahrungen aus den Produktionsländern brachte Carla Castro von „Monetero Independiente“ in die Runde ein. In ihrem Heimatland Honduras erlebe sie immer wieder zahlreiche Arbeitsrechtsverletzungen in ihrem Heimatland, vor allem in der Modeindustrie. „Gegen solche Fehlentwicklungen haben die Jugendverbände etwas“, unterstrich Susanne Rauh vom Entwicklungspolitischen Ausschuss des BDKJ. Neben ihrem politischen Engagement setzten die evangelischen und katholischen Jugendverbände sich auch ganz konkret für die Einhaltung ökologischer und sozialer Standards ein: „Der Kauf von fairgehandelten Produkten ist für uns völlig selbstverständlich – ebenso wie der Verzicht auf nicht-korrekt hergestellte Produkte“. Als weiteres ganz konkretes Aktivwerden der Jugendverbände nannte sie die Bildungskampagne der Katholischen Landjugendbewegung mit einem verbandseigenen öko-fairen Textillabel namens LamuLamu.  Bei diesem Thema schien Bernd Haussmann mit seiner Firma „Glore“ die Herzen des Publikums zu gewinnen. Sein Unternehmen bietet öko-faire Mode für junge Menschen an. Warum er seine eigene Firma gegründet hat? „Auch ich als Kunde möchte nicht die Bio-Milch bei Aldi kaufen, sondern lieber die unterstützen, die alles richtig machen.“

Auf die Frage, welche Rolle das „Nischengeschäft“ des Fairen Handels in Deutschland spiele, erwähnte GEPA-Geschäftsführer Robin Roth den 35. Geburtstag des Fairhandelshauses: „Weil die Verbraucherinnen und Verbraucher an uns glauben und uns unterstützen, leben wir noch – und wir wachsen“. Dennoch sei das Engagement der Deutschen beim Kauf von fairen Produkten alles andere als vorbildlich (2009 wurden in Deutschland Fairtrade-zertifizierte Produkte im Wert von gerade mal 267 Millionen Euro gekauft, bei Süßwaren beträgt der Anteil am Gesamtmarkt weniger als ein Prozent, bei Kaffee eineinhalb Prozent).

Darauf folgte eine der ganz konkreten Ideen aus dem Publikum: Die Zuhörerinnen und Zuhörer des Podiums sollten doch während der Tage in München einmal zum Feinkostgeschäft Dallmayr in der Dienerstraße gehen und nach fairem Kaffee fragen. So könne man auch im Kleinen eine Menge bewegen, waren sich Podium und Publikum einig. 

Wolfgang Sachs vom Wuppertalinstitut für Klima, Umwelt und Energie forderte das zahlreiche junge Publikum auf: „Studieren Sie BWL und stellen Sie das System vom Kopf auf die Füße!“. Schließlich zeichnete er seine Vision von einer Welt, in der es keine Regelungen mehr geben muss, weil die Einhaltung ökologischer und sozialer Standards selbstverständlich ist. Bis dahin gibt es noch eine Menge zu tun. Zum Beispiel rauskriegen, unter welchen Bedingungen der ÖKT-Schal hergestellt wurde. Demnächst hier mehr dazu – stay tuned. (jhn kljb)

Fotos: Simone Brandmüller, BDKJ Mainz und Johanna Elsässer (KLJB-Bundesstelle)

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